. Beyme setzt vielleicht hinzu : Und jetzt , wo Eure Majestät eben einen solchen Gnadenakt gegen ihren Schwager ausgeübt . Wer weiß denn , wer zwischen den Lippen murmelt : Undank ist der Welt Lohn ! Und wenn Lombard dabei ist , wird er sich die Gelegenheit entgehen lassen , mir einen kleinen Freundschaftsstoß zu versetzen ? Ich höre ihn schon hinwerfen : Es ist doch noch sonderbarer , daß gerade unser General dabei sein musste . Er ist doch sonst kein Admirateur von Poeten . - Sollte das andere Gründe haben ? fügt vielleicht noch ein guter Freund hinzu , denn Sie glauben nicht , wie viel gute Freunde Jedermann am Hofe hat , der eine gute Stellung hat , die Andern zu gut für ihn dünkt . « » General , aber bei Ihrer Renommee ! « » Je höher der Kornhaufen , so mehr Mäuse hausen unten . Mein Kommando wird mir Seine Majestät darum nicht nehmen , aber wird mir vielleicht das nächste Mal sagen : Sind auch ein so großer Verehrer von dem Herrn Romanschreiber ? Meinte die Lorbeerkränze schickten sich nur für Generäle . - Und das wäre noch das Beste , dann ist es ausgeschüttet . Ohnedem bleibt etwas , denn der König hat ein vortrefflich Gedächtniß . Und wissen wir , von wem und wann daran weiter gebohrt wird ? Ein wunder Fleck hat anziehende Kraft . Und weiß ich was noch hier geschieht bei Tisch von den Admirateurs , welche Gesundheiten sie ausbringen ? Kann nicht Einer beim Wein eine Beleidigung gegen Seine Majestät aussprechen ? Höre ich ' s ruhig mit an , so heißt ' s im Palais , ich habe eingestimmt , und rede ich drein - nein , meine gnädige Frau , ich will ihr schönes Festin nicht stören . « Sie selbst aber wollte es stören . Die Salatscene sollte nun unterbleiben . Sie war , als der General ihr begegnete , eben auf dem Wege zum kranken Johann gewesen , um ihm Contreordres zu geben . Sie hatte aber auch vorhin den Befehl zum Serviren gegeben und in dem Augenblick brach die Gesellschaft , um zu Tisch zu gehen , auf . Es entwickelte sich heut Alles gegen ihren Willen . Jean Paul hatte ihr seinen Arm reichen sollen . Ihrer Zweifel , ob es nicht jetzt passender sei , diese Ehrenpflicht dem vornehmsten Gast zu übertragen , ward sie überhoben , als der Dichter schon ihre Tochter entführte . Sie musste , um nicht allein zu gehen , ihren Arm nothgedrungen Dem reichen , welcher allein ledig an der Thür stand , es war der Schwager , und sie musste zufrieden sein , daß es ihr wenigstens gelang , eine Tafelordnung so ziemlich herzustellen . Wenigstens saß Jean Paul neben ihr . Wenn er von dem Fehlschlag seiner Hoffnungen verstimmt gewesen , hatte er unter so viel Theilnahme und beim Klang der Gläser es überwunden . Der gute Wein wirkt nach einer Aufregung doppelt . Er sprach oder sang in Worten die wie Streckverse klangen . Die Lüfte in den märkischen Pinien hätten ihm zugerauscht das alte Lied : Wo es Dir wohl geht , ist Dein Vaterland ! aber da sei aus dem blauen Aether eine Taube niedergerauscht mit einem Lorbeerzweig und habe ihm zugeflüstert : Der Dichter muß frei sein ! Und ein frischer Morgenwind habe seine Stirn , seine heiße Brust gekühlt , er sei erwacht und wieder arm , aber frei , frei wie der Vogel in der Luft , und dies Glas bringe er aus auf die Taube mit dem leuchtenden Fittich . Nur ein Theil der Gesellschaft verstand es . Der Geheimrath von der Voigtei , der auch sein Glas gefüllt hatte und sich für verpflichtet hielt , als nächster Anverwandter der Wirthin , die Gesundheit des Gastes zu übernehmen , unterbrach den Dichter : die erste Gesundheit gebühre ihm selbst . In einer Rede , die , wenn auch sonst nichts , doch verrieth , daß er von dessen Schriften nichts gelesen , gratulirte er dem Poeten , der nun mit Piron sich die Grabschrift setzen könne : Ci-gît Piron , qui ne fut rien . Pas même académicien . Aber wie Piron ein aimabler Poet geblieben , obgleich er sonst nichts gewesen , so werde auch ohne Präbende für sie Alle hier : Unser herrlicher Jean Paul Friedrich Richter Bleiben ein ihnen unvergeßlicher Dichter ! Im Gläserklang erhob sich der Gast : » Unser Auge blickt nach den blauen Bergen , und unser Herz schwillt vor Sehnsucht , weil der Himmel sie küsst . Aber oben weht es uns zu rein an , wir athmen zu bang in der Nähe des Unaussprechlichen , und die Thäler verschwimmen vor unsern Augen . So sehnt des Dichters Brust sich nach dem Schönsten und Höchsten , wie Semele nach Zeus ' wahrhaftiger Gestalt . Aber in der Feuergluth zerspringt sein Herz , er kann nur leben im Thal , athmen im Duft der Kräuter , und die Berge über ihm , die Fußschemel des Unnennbaren , sind die Säulen der Ewigkeit , an denen sein Geist sich aufrankt . Wer einmal dort oben vom Lichte getrunken , habe genug fürs Leben . Nun möge man ihn beglückt zurückkehren lassen in die stillen Thäler seines Fichtelgebirges . Wenn seine Waldbäche über die bemoosten Steinblöcke rieselten , die Fichten säuselten , die Veilchen aus dem feuchten Grün dufteten , und wenn dann wieder an des Dichters Seele edle schöne Frauen vorüber schwebten , Lianen und Natalien , im Diadem des Morgenrothes , wenn ihre Füße im Thau sich badeten , ihre seelenvollen Augen das Blau des Aethers saugten , um Huld und Wohlwollen für tausend blutende Herzen widerzustrahlen , - dann kämen sie von den Bergen , die er einmal bestiegen , wo auch er Seligkeit getrunken . In seiner Eremitage nun kein Einsiedler mehr , umschwebten ihn Berlins edle Frauen , beim Frühroth böten sie aus der Krystallschale ihm