, augenblicklich darnach ihren Plan zu entwerfen . In diesem Augenblicke ward der König gemeldet , und die Königin verließ an der Seite ihrer Schwiegermutter die inneren Gemächer , um ihren Gemahl in dem Audienzsaale zu empfangen . Hier sah Leonin die Königin zuerst , und sein Herz war mit diesem ersten Blicke ihr für immer gewidmet . Maria Theresia , die Tochter Philipps des Vierten von Spanien , ward von allen Personen , die ihr näher standen , mit der größten Hingebung geliebt , und rechtfertigte durch ihren sanften und edeln Karakter vollständig diese Empfindung . - Sie würde schön gewesen sein , wäre sie größer gewesen ; denn ihr Gesicht ward bloß durch etwas zu starke Lippen , welches ein Familienzug war , in seiner sonst vollständig regelmäßigen Form gestört . Bewundernswürdig war besonders ihr schönes blondes Haar und der damit verbundene feine Teint von blendender Weiße und Zartheit . Ihre Augen waren blau , groß , von klugem , lebhaftem Ausdrucke , und unterstützten den Anstand und die Würde , die ihr bei ihrem öffentlichen Erscheinen vollkommen zu Gebote standen . Die leidenschaftliche Liebe , die Maria Theresia für ihren Gemahl empfand , hielt alle Prüfungen aus , die das abschweifende Gefühl des Königs ihr auferlegte , und sicherte diesem Verhältnisse eine große Innigkeit und eine achtungsvolle Behauptung des Anstandes ; da der König immer gern und voll Ehrerbietung zu einer Gemahlin zurückkehrte , die niemals Gefühle zu ertrotzen suchte , weil sie dazu Rechte besaß , und deren Vorwürfe fast nur in der Erschütterung bestanden , die mit ihrer Freude , ihrem Glücke bei seiner Wiederkehr hervortrat . Aber der tiefe Schmerz , den ihr unerwiedertes Gefühl ihren einsamen Stunden aufsparte , zeigte den wenigen Vertrauten , die ihr als Zeugen blieben , wie heftig sie zu leiden vermochte . Leonin hatte von diesen Verhältnissen nur eine allgemeine Kenntniß . Der König imponirte Allen , was selbst bis in die vertraulichen Mittheilungen seiner Hofleute hinein , bemerkbar war . - Seine Liebe zur Lavallière war die erste hervortretende Empfindung dieser Art ; vielleicht überwältigte sie wirklich die Meinung durch ihre Wahrheit , die sie auch jetzt noch jedem Forscher über Ludwigs Leben zu dem einzigen Gefühle seines Herzens erheben muß . Vielleicht war es auch mehr noch die Furcht und Anbetung , die der König einzuflößen wußte - genug , es wurden nur Andeutungen darüber lautbar , und man mußte selbst sehen , um sich das Ganze zusammenstellen zu können . - Als der König eintrat und in der Mitte beider Königinnen zu den Zimmern seiner Gemahlin zurückkehrte , schien er ein ganz Anderer , als Leonin ihn gesehen ; denn hier war er nur König , und seine hohe gebietende Stirn , seine ernsten geistvollen Blicke schienen das Diadem anzudeuten , das unsichtbar mit seinem Nimbus ihn umschwebte . Die Königinnen , obgleich beide mit der vollendetsten königlichen Würde und mit dem Schmuck ihres Geschlechtes ausgestattet waren , gingen doch so unbemerkt neben Ludwig einher , als ob sie bloß die Stützen seiner schönen Hände wären . Leonin sah , daß sein Vater die Farbe änderte , und sein Gesicht ein Paar Zuckungen erhielt , womit er Rührungen zu bemeistern pflegte , als der König vorüber ging , den auffallenden Greis mit seinem Adlerauge streifte und kaum merklich mit dem Kopfe nickte . Leonin ging es fast nicht anders ; denn Nichts ergreift uns so , als unsere Eltern gerührt zu sehen . - Wir haben einen Glauben an ihre Festigkeit und gedenken nicht der Zeit , wo sie nicht ausreichte , von den Eindrücken jener überboten , wo sie unsere jugendliche Schwäche stützte . - Sie von dieser Festigkeit verlassen zu sehen , macht sie uns jünger , bringt uns ihnen näher ; und indem es unsere Zärtlichkeit durch die Sorge für sie erhöht , erhebt es die Wichtigkeit der Veranlassuug . Der König bedurfte keiner äußeren Umstände zu der Anerkennung derselben , darum war die Wirkung auf Leonin doppelt stark . Die Herrschaften hatten Platz genommen , nur der König stand und übersah , mit Gemessenheit seine Worte vertheilend , die glanzvolle Versammlung , die ihre Huldigungen in tiefster Demuth darbrachte und dann sich beeilte , die Plätze einzunehmen , die ihnen ihr Rang stehend oder sitzend anwies . Die Abstufungen der Etikette wurden mit einem Ernste behandelt , mit einer Strenge beobachtet , welche genau zu kennen , als das hauptsächlichste Zeichen der Hofbefähigung galt , und von Jedem befolgt , ohne Zweifel die würdige , geräuschlose Haltung dieses glänzenden Schauspiels hervorrief . Jetzt eilte der Marschall von Crecy , mit einer Bewegung , die seine Hand fast schmerzhaft um die seines Sohnes schloß , sich den hohen Herrschaften zu nahen ; und Ludwig , der den alten Helden im Begriffe sah , das Knie zu beugen , kam dieser für sein Alter fast unmöglichen Huldigung zuvor , indem er ihm , mit unendlicher Güte in Wort und Ausdruck , die Hand entgegen hielt , ihm so den Fußfall verwehrend . » Madame , « sagte er darauf zur Königin , » Sie müssen die Gnade haben , den Sohn unsers braven Marschalls , den jungen Grafen von Crecy-Chabanne , als einen Bekannten von uns , ohne weitere Ceremonie zu empfangen . « Der König machte dazu eine Handbewegung , die nicht mißverstanden werden konnte , wie unmerklich sie auch war - und Leonin beugte das Knie vor der Königin und küßte den Rand ihrer Robe , worauf sie ihm ihre Fingerspitzen reichte und ihn aufstehen hieß . » Ihr seid uns in jeder Hinsicht empfohlen und willkommen ! « sagte die milde Frau . » Wir freuen uns , den Sohn so ausgezeichneter Eltern an unserm Hofe begrüßen zu können - auch wollen wir keine Feindin Eurer uns schon verrathenen Wünsche sein , sondern im Gegentheile eine Beschützerin derselben ! « - Obwol Leonin den Sinn dieser Worte nicht verstand , so lag doch in dem Tone derselben ein Wohllaut ,