, um sich über Dies und Jenes zu besprechen , Bardeloh gibt Rath , thut Vorschläge und befiehlt doch eigentlich , wie immer . Seiner besondern Aufsicht ist der große Saal in dem alterthümlichen Kaufhause anvertraut , der Dir gewiß bekannte Gürzenich . Letzthin forderte mich Richard auf , ihn dahin zu begleiten . Auch Felix durfte mitgehen . Der Saal ist nichts weniger , als schön , aber geräumig und interessant durch seine Bauart . Die Säulen , auf denen das mächtige Gewölbe ruht , stellen Champagnergläser vor , aus denen statt des Schaumes wunderliche Carikaturen hervorquellen . Bardeloh läßt nun Alles geschmackvoll drappiren , die ringsum laufende Galerie mit Devisen lustig verzieren , die in Räthselform abgefaßt sind . Ueber den Inhalt hat er mir noch nichts gesagt , gewiß aber ist er nicht ohne tiefere Bedeutung . Sein höhnisches Lächeln verrieth es mir . Das Fest in diesem Saale , der wohl einige tausend Menschen faßt , soll großartig sein und einem wahrhaftigen Volksfeste nahe kommen . Der Carnevalsjubel schließt allemal in dieser alterthümlichen Halle , und da es jeder Maske erlaubt ist , zu treiben , wozu Lust und Laune sie aufreizen , so mangelt es selten an freien Scherzen , zu denen das so beengte Leben sonst sich nicht oft erheben kann . Ein großer Maskenzug soll das Fest eröffnen , und wie ich höre , ist für dieses Jahr Bardeloh ' s geräumige Wohnung zum Sammelplatz bestimmt worden . Daraus kann ich mir die vielen Maskenanzüge erklären , aber noch nicht das Heimlichthun meines Gastfreundes , der mir immer vorkommt , als handele es sich noch um etwas ganz Besonderes . Mein Gott , was läßt sich denn viel aus einer Maskerade bilden , und noch dazu bei uns , in unserm lieben Deutschland ! Nun , Gott besser ' s ! Ein paar Tage vor dem Carneval soll eine große Feierlichkeit , ich glaube eine Firmelung , im Dome gehalten werden . Auf diese kirchliche Feier freue ich mich mehr , als auf den Fastnachtsspectakel . Wol erinnere ich mich , früher einmal als Knabe einer Firmelung beigewohnt zu haben , aber damals wußte ich weder den tieferen Sinn dieses Sacraments zu erfassen , noch den Gedanken eine Richtung in die Zukunft der Geschichte zu geben . Beides wird diesmal nicht schwer sein , um so mehr , als es wol der letzte Act kirchlicher Weihe sein möchte , dem ich in Europa beiwohne . - Wie sonderbar mir doch bei dem Gedanken an die nahe Abreise mein ganzes bisheriges Leben erscheint ! Mir ist nicht anders , als finge ich jetzt erst an , in die Welt zu schauen und den Tag zu begreifen mit seinen tausend widersprechenden Wünschen . Scheiden ist schwer , ich fühl ' es , und für einen Deutschen immer ein halbes Sterben . Aber die Hoffnung hält mich aufrecht , und aus dem Saum der Zukunft , der kaum erkennbar hereinflattert in die Gegenwart , bilde ich für den neuen Körper meines unbekannten Lebens auch ein ihm angemessenes Kleid zurecht . Ich will glücklich sein , wenn ich das Unglück meines armen Mutterlandes unbehindert werde erzählen können den Völkern der Zukunft ! - Den 31. Januar . Ein unerwarteter Zufall hat mich tief bewegt . Aus ihm kann ich lernen , wie oft wir die Handlungen der Menschen falsch beurtheilen , weil uns die Beweggründe derselben nicht bekannt sind . In Ländern , wo die Einfachheit allgemeine Sitte ist , geschieht dies freilich weniger , aber bei uns , die wir ja fast einzig und allein nur im Künstlichen noch bestehen können , ereignet sich ein so bedauernswerther Fall fast täglich . Darum fort , fort ! Ich will nicht verschmachten in erkältender Dämmerung , in der Atmosphäre eines gesinnungslosen Geräusches , das man fälschlich für Leben hält ! - Träumerisch , wie dies oft einem europäischen Menschen geschieht , war ich hinausgegangen am Rhein . Der Wind wehte scharf von Holland herauf , Schneeflocken schwankten zitternd und glänzend in der Luft . Der Rhein trieb einzelne dünne Eisschollen , zum ersten Male in diesem Winter . Mein Geist war in Amerika , die Zukunft bog sich herein in meine Brust und steckte einen schönen , warmen Lebenshimmel über dem zusammenbrechenden alten auf . Ich hatte die Rheinbrücke überschritten und mich in den kahlen Alleen von Bellevue verloren . Vor mir sah ich auf einer der höher gelegenen Terrassen eine dunkle Gestalt hin und her schwanken . Ich hielt es für Täuschung und kümmerte mich nicht weiter darum . Die nächsten Tage ängstigten mich , Bardeloh ' s geheimes Walten ergriff wie Fieberhitze mein ganzes Wesen , ich glühte , fing an murmelnd zu phantasiren und fühlte mich recht elend . Da hörte ich einen tief gezogenen Seufzer in meiner Nähe . Die Dunkelheit ist geneigt , durch jeden ungewohnten Laut unser Nervensystem in eine zitternde Bewegung zu versetzen . Meine Gedanken flohen wie schüchterne Rehe in das Dunkel ihrer Wohnstätte , ich lauschte aufmerksam und gewahrte , den Rücken mir zugekehrt , auf einer Bank der obersten Terrasse einen Mann sitzen . Gestalt , Haltung und Kleid ließen mich Mardochai erkennen . Die Wolken enthüllten auf einige Zeit die wankende Sichel des Mondes , ein heller Strahl fiel auf des Juden bleiches Gesicht - ich glaubte eine tiefe Bewegung darauf zu lesen . Neugier und eine Art Theilnahme , die fast an Freundschaft grenzte , so wenig ich mir dies selbst gestehen mochte , trieben mich an , dem Räthselhaften näher zu treten . Eine Zeit lang bemerkte er mich nicht - dumpf vor sich hin murmelte er Worte , und Seufzer , die mir gleich unerklärbar blieben , stiegen schwer aus der beengten Brust . Ein Geräusch , das ich absichtlich machte , verkündigte ihm meine Anwesenheit . » So allein ? « fragte er , die Maske der Gleichgiltigkeit mit gewohnter Verstellungskunst seinen Mienen anlegend . » Allein , wie Sie , « versetzte