an ihrer eigenen Tugend begeistern , und darauf kam es doch hauptsächlich vor allem an . Ich habe lange nicht gewußt , auf was Art diese Stimmung , welche die eigene Familie um Geschmeiß hin und wieder vernachlässigen lehrte , und eine schlichte und unscheinbare Barmherzigkeit zu einem glänzenden Geschäfte aufzublasen antrieb , bei den Helikonierinnen entstanden war . Endlich konnte ich mir das Rätsel erklären . Die helikonische Herde soff nämlich , wie wir wissen , aus der Hippokrene . Diese Quelle wirkt nun bei allen , welche sie trinken , die gewaltigsten Dinge , jedoch nur bei den durch das Schicksal dazu Vorbestimmten jenen reizenden Wahnsinn , den wir kennen , bei vielen dagegen versetzt sich das Wasser und schafft entweder die abscheulichsten Würfelreime , wie bei mir der Fall war , so oft ich trank , oder einen sozusagen erhitzten und geschwollenen Zustand im Handeln und Empfinden , den man die blühende Prosa des Lebens nennen könnte . Die helikonischen Ziegen gehörten nicht in die Reihe der zum reizenden Wahnsinn Vorbestimmten . Bei ihnen wirkte die Quelle den Drang zu unnötigen Tugenden und überflüssigen Wohltätigkeiten . Ihr Zustand war blühende Prosa . Dieser Zustand rührte von versetzter Hippokrene her . Wie oft mußte ich , als ich nachmals mehr unter Menschen kam , und ihre geschmacklosen Herrlichkeiten , ihre Aufspannungen für und um das Erbärmliche kennenlernte , still für mich ausrufen : » Versetzte Hippokrene ! « - Wo diese mit der blühenden Prosa in ihrem Gefolge auftritt , da stirbt das melodische Getön der Steindrossel , da weiset die stolze weiße Hinde vornehm den Rücken , da schüttelt der Lorbeer zornig die Krone , oder geht aus . Auch die Gatten der Ziegen soffen für gewöhnlich aus der Hippokrene und wollten hinter den Gattinnen nicht zurückbleiben . Sie gehörten ebenfalls nicht in die Reihe der zum reizenden Wahnsinn Vorbestimmten , was mir gewiß jeder , der einmal einen solchen Gatten gesehen hat , auf mein Wort glaubt . Da nun die Gattinnen ihnen schon das Elend des Geschmeißes weggenommen hatten , so waren sie auf dessen Laster beschränkt und stifteten unter sich einen Verein » zur Rettung sittlich verwahrloseter Naturwesen « . Der Zweck desselben war , durch moralische Einwirkung , durch tugendhafte Anrede und herzliche Aufmunterung zum Guten alle die Tierlein , welche ihrer Natur nach stechen , beißen , kratzen , stehlen , oder sich von schmutzigen Dingen nähren , zu einem unschädlicheren und reineren Leben anzuführen . Nach der Absicht der Stifter sollte , wenn der Verein wirklich durchgriffe , die Mücke ihrem Stachel und der Floh seinem Blutdurst entsagen lernen , die Elster auf den Diebstahl verzichten , Würmer und Maden aber von Unrat und Aas sich entwöhnen . Da ich mich allein bei den Ziegen aufhielt , so kann ich nicht sagen , wie weit der Besserungsverein mit seiner Tätigkeit gediehen war , als ich auf den Helikon kam . Ich weiß nur , daß allerhand Geziefer auch auf diesem heiligen Berge stach , biß , kratzte , stahl und Unaussprechbares fraß , weiß aber nicht , ob es gebessertes oder ungebessertes war . Einer einzigen Versittlichungsgeschichte Augen- und Ohrenzeuge bin ich geworden , von ihr will ich berichten , muß ich sogar berichten , da sich eine Katastrophe mit ihr verband , welche zu weiteren Schicksalen Münchhausens des Kindes , damals Böckchens , führte . Die vereinigten Böcke ... oder vielmehr die sittlichen Gatten der wohltätigen Ziegen waren an dem Tage , der meiner Auffindung folgte , an den Ort gekommen , wo der großmütige Engländer sein Pferd hatte grasen lassen und der tote Lämmergeier lag . Wo das Pferd gestanden , fanden sie einen Käfer mit schwarz-glänzenden Flügeldecken , einen der Art , welche bei Aristophanes die Knechte des Trygäos dem Herrn für den Ritt zu Zeus auffüttern , und die Deutschen Mistkäfer nennen . An dem Halse des Geiers aber bemerkten sie die stahlblaue Fliege , Schmeißfliege geheißen . - » Ich will , Bruder Schnuck , ungeachtet deine göttliche Tochter nicht zugegen ist , dennoch den Käfer aus Rücksicht auf deine Delikatesse nur das Roß des Trygäos und die Fliege die blaue Schwärmerin nennen « , sagte Münchhausen , vom Manuskripte aufsehend . » Erlaube « - rief der alte Baron fast wütend . » Erlaube mir « , sagte Münchhausen , » dir die Geschichte von dem Käfer und der Fliege vorzutragen . « - » Dreht sich einem nicht das reine Herz im Leibe um « , rief einer der Gatten , » zwei Mitwesen in solcher Niedertracht zu sehen ? O Brüder , laßt uns hier helfend einschreiten , laßt uns diesen Gefallenen die rettende Klaue reichen , entwöhnen wir den Käfer von seinen üblen Neigungen , die Fliege von der Leidenschaft , selbst die ungeborene Zukunft ihres Stammes einem verdorbenen Elemente einzupflanzen , machen wir Käfer und Fliege zu anständigen Leuten , die in der guten Gesellschaft fortkommen können ! « Allgemeiner Beifall folgte dieser Rede . Einstimmig beschloß man , das Roß des Trygäos und die blaue Schwärmerin sollten sittlich und anständig werden , sie möchten wollen oder nicht . Vorsichtig scharrte der Redner , der Ziegengatte Solon ( sie hatten sich lauter Namen von weisen und erhabenen Männern des Altertums beigelegt ) , den Käfer von seinem Mahle mit der Klaue hinweg und trieb ihn in eine Felsritze , die sofort durch einen vorgewälzten Kiesel zum Besserungsgemache erschaffen wurde . Diese Unternehmung hatte wenig Schwierigkeiten gehabt , denn ehe ein Käfer zum Fliegen gelangt , dauert es einige Zeit mit Bauchdehnen und Halsrecken . Schlauer mußte man mit der Fliege zu Werke gehen , der wohlbeschwingten Schwärmerin . Indessen gelang es dem jungen Plato , einem Ziegengatten von der unerreichbarsten Hoheit der Gedanken , die zu Bessernde zu beschleichen , sie mit seinen Lippen zu erschnappen und zwischen denselben nach dem Astloche eines Feigenbaumes zu tragen , worin sie durch einen vorgestopften Pflock verspündet wurde . Man teilte das freudige Ereignis