zischte er vor Ingrimm kaum verständlich zwischen den fest verbissenen Zähnen hindurch . Nennen Sie es nicht so , sprach begütigend der Minister : Sie sind mein Gast , nicht mein Gefangener , nur für wenige Tage mein Gast , dann sind Sie sich selbst ganz überlassen . Doch ist es nothwendig , daß bis dahin Ihr Aufenthalt bei mir geheim gehalten werde . Bei Ihrem Chef werde ich Ihre kurze Abwesenheit unter dem Vorwande einer , in einem Auftrage von mir übernommenen Reise , zu entschuldigen wissen . Sie bewohnen ein Zimmer nahe an dem meinigen und nur einer , der treueste unter meinen Dienern , auf dessen Verschwiegenheit ich bauen darf , wird Zugang zu Ihnen erhalten , um Sie zu bedienen . Vortrefflich ! Alles auf das beste und bequemste . Nur eine Frage erlaubt Ihre Gnade mir wohl noch ; bleibt mein Kerkermeister bei mir im Zimmer ? oder darf ich hoffen , daß er sich damit begnügt , die Thüre meines zierlichen Gefängnisses von außen zu bewachen ? rief Richard in bittrer Ironie . Die Thüre Ihres Kerkers , wie Sie das freundliche Zimmer nennen , bleibt von Innen und Außen unbewacht , und Wladimir wird nur erscheinen , so oft Sie seiner Dienste bedürfen ; erwiederte der Minister etwas gereizt . Lassen Sie uns in diesem Tone nicht fortfahren , der uns allen Beiden nicht wohl thut ; setzte er milder hinzu : glauben Sie fest , ich hege die besten Gesinnungen gegen Sie , und werde Alles versuchen , um die gezwungene Einsamkeit , die ich während dieser wenigen Tage Ihnen leider nicht ersparen kann , Ihnen so wenig als möglich fühlbar werden zu lassen . Sehr gnädig , sehr herablassend ; doch die einzige Wohlthat , die ich jetzt mir noch erbitten kann , wäre allein bleiben zu dürfen , allein , ganz allein ! sprach Richard mit dem vollsten Ausdrucke starrer Verachtung , die durch die erzwungene Höflichkeit , welche er beizubehalten sich bemühte , nur noch fühlbarer wurde . Ihre Jugend , Ihre Unerfahrenheit , die seltsame Lage in der Sie sich befinden , und überdem ein gewisses Wohlwollen gegen Sie , dessen ich mich nicht erwehren mag , machen mich geneigt Ihnen mehr nachzusehen , als jedem Andern ; sonst würde das Mißtrauen , das Sie gegen mich durchblicken lassen , mich tief beleidigen . Doch Niemand kann dafür stehen , daß er immer Herr seiner Empfindungen bleiben werde , am wenigsten in so widerwärtig-unruhiger Zeit wie die , welche jetzt mich erwartet ; und ich bitte Sie darauf etwas Rücksicht zu nehmen ; sprach der Minister eindringlich ernst , aber nicht bedrohend . Erinnern Sie sich , fuhr er fort , daß ich mein Ehrenwort einsetzte , ich muß und werde es lösen ; jede Anwandlung von Zweifel wäre hier die höchste Beleidigung , die als Mensch und Edelmann mir widerfahren könnte , das müssen Sie selbst fühlen . Deshalb ermahne ich Sie sich zu beruhigen , selbst wenn Sie nicht ganz begreifen , warum ich so und nicht anders handle . Erwägen Sie zum Beispiel , ob nicht vielleicht Sorge für Ihre eigene Sicherheit mich bewegt , Sie auf kurze Zeit unter meinen Augen fest zu halten . Sorge für meine Sicherheit ! wiederholte Richard fast unartig trotzend . O du seltsames Gemisch von Muth und Verzagtheit , von feinem Scharfsinn und eigenwilliger Verblendung ! rief halb lachend der Minister , indem er sich anschickte , Richard sich selbst zu überlassen . Können Sie wirklich glauben , daß unsre heutige Unterredung noch lange ohne sehr merkbare Folgen bleiben werde ? und sollten nicht einige Ihrer ehemaligen Bundesbrüder sich bewogen fühlen , Ihnen für Ihren Antheil daran , auf ihre eigne Weise , ihren Dank auszudrücken ? setzte er noch hinzu , ehe er sich entfernte . Es währte einige Zeit ehe Richard zum deutlichen Bewußtsein der Lage kam , in welche er so ganz unerwartet gerathen war . Gefangen ! nach allem was zwischen ihm und dem Minister vorgegangen , nach so vielen schmeichelhaften Versicherungen , so vielen schönen Worten , gefangen , wirklich gefangen ! Es schien ihm unglaublich , und doch war es nicht anders ; denn wer ohne Bewilligung eines Andern den Ort nicht wechseln darf , ist ein Gefangener , man möge noch so geschickt einen wohlklingenderen Namen dafür aufzufinden suchen . Voll bittren , sehr verzeihlichen Unmuths , fing Richard jetzt an sein Gefängniß genauer zu betrachten . Die Lage desselben , am Ende eines langen Korridors , war eine der abgelegensten in dem sehr großen Gebäude ; die ziemlich hohen Fenster gingen auf einen mit Mauern umgebenen Hausgarten , ein bequemes Schlafkabinet befand sich dicht neben dem eigentlich recht hellen und eleganten Zimmer , beide zusammen hatten nur einen Ausgang auf den Korridor . Jetzt erst fiel Richard auf , daß er gleich bei seiner Ankunft in dieses Zimmer geführt worden war , wo alles schon im Voraus für seinen längern Aufenthalt eingerichtet zu sein schien . Die Thüre war von innen unverschlossen , außen war der Schlüssel abgezogen , ohne welchen man sie nicht öffnen konnte . Er trat hinaus auf den Korridor , lang und öde dehnte dieser in schauriger Abenddämmerung sich vor ihm aus ; keine lebende Seele ließ sich blicken , Niemand der ihn am Weitergehen hätte hindern wollen . Er ging , stand unschlüssig still , ging wieder ; Alles um ihn her schien wie ausgestorben ; schon sah er nahe vor sich den weiten Vorplatz der zur Treppe führte . Wie aus den Wolken gefallen stand jetzt Wladimir plötzlich vor ihm , ein paar brennende Armleuchter in der Hand ; bat sehr devot um Verzeihung , ihn so lange ohne Licht gelassen zu haben , und begleitete , ihm vorleuchtend , ihn zurück auf sein Zimmer , ohne seinen Befehl dazu abzuwarten . Ein Luftzug , vielleicht auch beim Hinaustreten Richard selbst , hatte die Thüre desselben zugeschlagen : Wladimir öffnete sie mit dem Schlüssel