hatte gewiß niemals an einen so alltäglichen Ausgang gedacht . Er lief zwei Tage hindurch wie ein Verzweifelnder umher , dann fiel er dem Brauherrn zu Füßen und gestand seine Schuld . Der Alte wurde braun vor Zorn , und drohte mit einer unanständigen Bezeichnung , beiden Arme und Beine entzweizuschlagen . Da aber geschehne Dinge nicht zu ändern sind , der Übeltäter seine Neigung besaß , und der Jammer des Mädchens gar gewaltig zum Vaterherzen sprach , so konnte er die Vergebung nicht zurückhalten , die er denn unter der Bedingung erteilte , daß wer für den Balg gesorgt habe , nun auch für den Papp sorgen solle . Dieses war gerade , wofür die Seele des Philhellenen seit der unglückseligen Entdeckung brannte . Sein neuer Stand hatte in ihm das Bewußtsein neuer Pflichten erzeugt . In allen braven heldenhaften Studenten , Kandidaten und Privatdozenten ist es eigentlich nur der Philister , der innerlich juckt , und hinauswill , was denn auch bald zu geschehn pflegt , während an Universitäten und Akademien so arme , kümmerliche übersehne Gesellen umherschleichen , aus denen nachher die Genies und Lichter der Welt werden . Im Philhellenen hatte die Katastrophe den Philister mit Macht herausgeschlagen , der bei einem ruhigeren Gange der Dinge vielleicht längerer Zeit bedurft hätte , um sich zur vollständigen Blüte zu entfalten . Er empfand sich als angehenden Vater und Gatten , verspürte eine wahre Begeistrung für den Broterwerb , zerriß die Bilder der Pallikaren und die neugriechischen Volkslieder , welche er bei sich führte , und dachte nur daran , wie er ein Ämtchen erringen solle , wovon er sich und Fränzchen nähren könne . So war er durch die Natur dem Vaterlande und der Bürgerlichkeit gewonnen worden . Sein zukünftiger Schwiegervater kannte den Legationssekretär einer auswärtigen Macht , welcher gern Bier trank . Dieser empfahl ihn einem Legationsrate , der Legationsrat dem Gesandten . Vom Gesandten schwang sich die Kette der Empfehlungen wieder abwärts bis zu einem Polizeichef in einer bedeutenden norddeutschen Stadt . Wie von da die Kanäle weiter geflossen , ist unbekannt geblieben ; das Ende der Sache war aber , daß man dem Philhellenen erlaubte , im Polizeifache , welches immer frische , rüstige Leute erfordert , zu arbeiten . Kaum waren einige Monate vergangen , als man ihn , der einen unglaublichen Diensteifer an den Tag legte , zum Polizeikommissarius in einem Ackerstädtchen zwischen Hessen und Westfalen ernannte . Er führte Fränzchen , sobald er dieser besoldeten Würde sich erfreute , heim . Sie genas kurz darauf von ihrer Bürde . Nie hatte die Gegend einen tätigeren Beamten gesehen . Die Kraft , welche sonst weit über Berge und Ströme hinausgeschweift war , lenkte sich jetzt ganz auf Vertilgung des Diebes- und Bettelgesindels , von welchem es dort , der schlechten bisherigen Aufsicht wegen , wimmelte . Vor ihm war kein Gauner sicher , kein Vagabunde konnte mehr in Ruhe hinter der Hecke seinen Bissen verzehren ; er lebte fast mehr in verdächtigen Häusern , als in seinem eigenen . Wirklich hatte er sich schon Verdienste um den Bezirk erworben und die Aufmerksamkeit der Obern sich zugelenkt . Gerade um die Zeit , von welcher wir jetzt reden , geschah die Entdeckung neuer demagogischer Umtriebe ; man war dem Bunde der Jungen hart auf die Spur gekommen . Zugleich hatte man in Erfahrung gebracht , daß ein Schwarm junger Hochverräter nach dem Landstriche , in welchem unser verwandelter Schwärmer hantierte , ziehe , um da herum seinen Frevelsabbat zu halten . Der Polizeikommissarius empfing einen geheimen Auftrag von höchster Stelle . Er war gemessen , ehrenvoll , über die engen Amtsgrenzen hinausreichend . Welch ein Sporn für seinen jetzigen Trieb ! Er wurde etwas tiefsinnig , man sah ihn viel durch Feld und Wald schweifen , seiner Gattin antwortete er kaum noch auf ihre Anreden . Er brachte in größter Heimlichkeit Gefängnisse , Arm- und Beinschellen in Ordnung . Den Gendarmen und niedern Agenten gab er Befehle und Winke , welche diese nicht immer verstanden . Er aß nichts und trank wenig . Seine Nächte waren unruhig . Er flehte Gott an , daß er ihm die Demagogen in das Netz führen möge . Zweites Kapitel Indessen näherte sich Hermann , auf seinem geschenkten Rößlein kleine Tagereisen mit Behaglichkeit machend , dem mittleren Deutschland . Die letzte glückliche Entdeckung hatte ihn unglaublich erfreut ; er wollte nun so recht in Stille und Muße sich und die Welt genießen . Er liebte es , in abgelegnen Höfen und Weilern einzukehren , die Städte vermied er , wo er konnte . Zwei Pistolenhulfter , welche am Sattel befestigt waren , hatte er bald ihres kriegerischen Inhaltes entledigt , und sie dafür mit einer Korbflasche , sowie mit kalter Küche gefüllt . Mittags hielt er gewöhnlich im Freien , unter einem schattenden Baume , hinter einem Felsen , oder in altem Gemäuer seine Rast . Dann verspeiste er den mitgenommnen Tagesproviant und ließ sein Pferd , welches ein außerordentlich gutes und sichres Tier war , frei umhergrasen . Er hatte die Grille , wenn man es so nennen will , gefaßt , bis zu der großen Stadt , wohin ihn seine neuste Bestimmung wies , womöglich nur sich und der Natur zu leben . In die Erinnerungen eines jungen und doch mannigfaltigen Lebens vertieft , war seine Seele frei von Furcht und Wunsch , und nur die Hoffnung schwebte mit jungfräulichen Zügen von weitem ihm voran . Ganz heiter war er , wenn er auch des Abends bei einem wohlhabenden Hofschulzen freies Quartier fand . Freilich pflegte er am andern Morgen durch reichliche Geschenke an Kinder oder Mägde immer dafür zu sorgen , daß die Zeche gehörig bezahlt wurde . Mitunter baten sich auch wohl die Wirte ein Andenken aus , so daß er fand , eine solche Reise auf Gastfreundschaft koste heutzutage fast mehr , als wenn man sich unterwegs lediglich an die zahlungbegehrenden Hotels halte . Einige Male hatten ihn Gendarmen , die ihn