Antlitz Wallraden ' s geheftet , welche hart und ohne Rührung fortfuhr , Streich auf Streich gegen das kindlich wehrlose Herz der Unglücklichen zu führen . - » Nimmer wirst Du ferner den Schändlichen schauen ; « sprach sie : » nach Frankreich ist er gezogen , um unter französischen oder englischen Fahnen sein Blut zu verspritzen . Nicht des Kaisers Zorn scheuchte ihn aus den Gemarken seines Vaterlands , sondern die Furcht vor der Rache Gottes und seiner Kirche . Er liegt im Bann . « » Herr des Himmels ! « schrie Katharine auf : » Im Bann ? Was hat der Unglückselige gefrevelt ? Was hat ihn in die ewige Verdammniß gebracht ? O rede , rede Wallrade ! « » Du forderst mich auf , den größten Jammer . Dir nicht länger zu verhehlen ; « versetzte das Fräulein , » der Herr von der Rhön hat mit Gottes heiligstem Gebote seinen verfluchten Spott getrieben . Das Sakrament der Ehe , das der Herr selbst eingesetzt , hat er mißbraucht , um seinen Lüsten zu fröhnen . Ehe er Dich zum Weibe nahm in böser Arglist , hatte ihn der Priester schon mit einer andern eingesegnet vor Gott . « » Halt ein ! « rief Katharine , entsetzt auffahrend ; allein die Unerbittliche vollendete demungeachtet : » Die , die er verließ , um Dich zu betrügen , schmachtet dahin in Elend und Kummer sammt ihren Kindern . Und dennoch ist sie weniger zu beklagen , als Du ; denn Deine Ehe mit dem Verräther ist Sünde und Schmach ; Dein Kind ist unehelich gezeugt in Schuld und Frevel . « Katharine sank mit einem dumpfen Laut vom Sessel zur Erde , und mitleidige Ohnmacht schloß ihr Auge . - Aber das Mitleid stand an ihrer Seite nicht . Wallrade leistete ihr keine Hülfe , sondern lächelte tückisch in das Unglück , das sie angerichtet . Mit grausamem Übermuth heftete sie die wilden Augen bald auf das arme Weib zu ihren Füßen , bald auf dessen , in weichen Kissen schlummerndes Kind . Grimmiges Rachgefühl verzog ihr Gesicht , hob die kühn arbeitende Brust . Die Hände schlug sie befriedigt zusammen , und murmelte höhnend zwischen den Zähnen : » Der Siegreich ist gefallen ! Fast stehe ich am Ziele . Er , flüchtig wie ein Ächter ; sie , losgerissen von Allem , in meiner Gewalt ; sein Kind mein Opfer , wehrlos hingegeben meiner Vergeltung ! So mußte es kommen . Leben muß er zu seiner Qual , und wenn auch die kühnste Verzweiflung ihn wieder zum verlaßnen Herde triebe , verstohlen , um jeden Preiß seine Lieben noch einmal zu sehen , die Stätte öde finden , und nicht wissen , wo sie athmen , die ihm theuer sind . Vergehen muß er nun langsam in fruchtlosem Jammer ; vergehen muß aber auch sie an der trägen Glut fressenden Grams ; und erblassen muß die Tochter in meinem Schooß , verwelken an dem Genusse des Wermuthbechers , den ich ihr reichen will vom Sonnenaufgang bis zum Abendroth . Dies zu vollbringen helfe mir das Unglück , das so gerne feindselig des Menschen Geschick zu untergraben bereit ist ! - « Die Zofe trat hier in die Stube , und bebte zurück , da sie die erblaßt dahin Gesunkene ersah . » Was solls ? « fragte Wallrade . » Rüdiger ist zurück ; « berichtete die Magd , ihrer Bestürzung kaum Herr werdend . - » Zurück ? « fragte Wallrade wiederum , und ein heller Schein überstrahlte ihre Züge : » Ich gehe , ihn zu sprechen . Stehe Du mittlerweile hier der Elenden bei , und bringe sie zur Ruhe . - « Mit einem höhnenden Abschiedsblick rauschte sie zur Thüre hinaus , vor welcher der Knecht Rüdiger wartete . Sie winkte ihm in die Seitenstube . - » Sag ' an Deine Mähr ; « begann sie zu dem Manne . » Gesagt ist sie bald , « erwiederte derselbe . » Es hat Alles seine völlige Richtigkeit . Der Knabe , von dem Ihr Kunde haben wollt , ist wirklich derjenige , wofür er ausgegeben wird . « - » Nicht möglich ! « fiel Wallrade ein : » Du lügst ! « - » Ihr dürft mich einen Lügner schelten ; « versetzte der Breitgestirnte gleichmüthig : » Ihr seyd meine Herrschaft , und ich Euer halseigner Knecht . Aber trotz dem konnte ich zu Wiesbaden nichts anderes herausbringen . Die Frau Willhild von welcher mir Else erzählte , da ich sie Eurem Gebote gemäß , geschickt ausforschte , hat richtig Herrn Diether ' s Junker erzogen , und ihn verwichnen Herbst zur Stadt gebracht . Keine Seele in ihrem Wohnorte und zu Wiesbaden weiß Anderes davon zu berichten . All meine Mühe war umsonst . « - » Schon genug ; « versetzte Wallrade : » Du bist ein Büffel , und ich werde selbst an Ort und Stelle sehen , ob Du meinen Auftrag ausgerichtet , wie ich ' s begehrt . « - » Das steht Euch frei ; « entgegnete Rüdiger wie oben : » aber , ob Ihr gleich der Herr seyd und ich Nichts gegen Euch vorstelle , so werdet Ihr doch finden , daß ich Recht habe . « Nachdem er sich entfernt , überlegte Wallrade , mit Ernst und Fleiß , wie Alles sich zu ihren schnöden Zwecken fügen müsse . - » Diese schwüle Gewitterhitze kann nicht von Bestand seyn , « sprach sie zu sich selbst : » bleibe ich länger , so kömmt es zur Fehde zwischen der Stiefmutter und mir . Den offnen Bruch muß ich jedoch vermeiden , bis ich ihr hart an ' s Leben kann . Jetzt treibt mich die Vorsicht von hinnen , denn nach dem , was Katharine sprach , ist mein Bruder angelangt , und brütet sicher in geheimer Stille Verderben gegen mich . Ihm muß ich ausweichen zu