Erscheinung angestarrt , und jetzt erst wurde auch er von dem alten Ritter bemerkt . » Seh ich recht « , rief dieser , » Dieterich Kraft , mein Neffe ! was führt denn dich nach Stuttgart , kommst du etwa zur Hochzeit meiner Tochter mit Georg von Sturmfeder ? Aber wie siehst du aus ? Was fehlt dir doch ? Du bist so bleich und elend , und deine Kleider hängen dir in Fetzen vom Leibe ! « Der Ratsschreiber sah herab auf das rosenfarbene Mäntelein und errötete : » Weiß Gott « , rief er , » ich kann mich vor keinem ehrlichen Menschen sehen lassen ! Diese verdammten Württemberger , diese Weingärtner und Schustersjungen haben mich so zerfetzt . Aber wahrhaftig ! der ganze durchlauchtige Bund ist in meiner Person angegriffen und beleidigt ! « » Ihr dürft froh sein , Vetter ! daß Ihr so davongekommen seid « , sagte Georg , indem er die Angekommenen in sein Gemach einführte ; » bedenket Herr Vater , gestern nacht , als wir vor den Toren standen , hielt er Reden an die Bürger , um sie aufzuwiegeln gegen uns ; da hat ihn heute frühe der Kanzler wollen köpfen lassen ; mit großer Mühe bat ich ihn los , und jetzt klagt er die Württemberger wegen seines zerfetzten Mänteleins an . « » Mit gnädiger Erlaubnis « , sagte Frau Rosel , und verbeugte sich dreimal vor dem Ratsschreiber , » wenn Ihr meine Hülfe annehmen wollet , so will ich den Mantel flicken , daß es eine Lust ist . Da geht ' s wie im Sprüchwort : Hat der Junge den Rock zerrissen , hat der Alt ' ihn flicken müssen . « Herrn Dieterich war diese Hülfe sehr angenehm ; er bequemte sich zu der Frau Rosel ans Fenster zu sitzen , um sich seine Gewänder zurechtrichten zu lassen . Sie zog aus ihrer großen Ledertasche Zwirn von allen Farben und machte sich an die Wunden , die ihm die Württemberger geschlagen hatten . Sie unterhielt ihn dabei mit ergötzlichen Reden von der Haushaltung und der Zubereitung verschiedener Speisen , die in Frau Sabinas Kochregister nicht vorgekommen waren . Entfernt von diesem Paar um die ganze Breite des Zimmers , saßen Georg und Marie im traulichen Flüstern der Liebe . Weder der gelehrte Johannes Tethingerus , noch ein Johannes Bezius , weder Gabelkofer noch Crusius , so wichtige Kunden wir ihnen über diese Zeiten verdanken , melden uns , was diese beiden an jenem Morgen zusammen flüsterten , nur so viel können wir berichten , daß eine süße Ruhe auf Mariens Zügen lag , daß sie die schönen Augen bald freudig aufschlug , bald verschämt wieder senkte , daß sie bald lächelte , bald tief errötete , und manche Frage des Geliebten mit Küssen zurückdrängte . Der Leser wird es uns Dank wissen , wenn wir ihn von einer Szene , die so wenig historischen Grund und Boden , also nach neueren Begriffen auch keinen Wert hat , hinwegführen , und den Schritten des Ritters von Lichtenstein folgen . Er hatte seine Tochter unter der Pflege Georgs , seinen Neffen unter der kunstreichen Hand der Frau Rosalia gelassen , und schritt nun den Gemächern des Herzogs zu . Seine Züge , welchen Alter und Erfahrung einen sinnenden Ernst eingedrückt hatten , erschienen in dieser Stunde noch ernster - beinahe traurig . Dieser Mann hatte von seinen Vätern die Liebe zum Hause Württemberg geerbt , Gewohnheit und Neigung hatten ihn an die Regenten gefesselt , die während seines langen Lebens über Württemberg geherrscht hatten , und das Unglück und die Verleumdung , welche auf Ulerich unablässig hereinstürmten , hatten das Herz des alten Herrn nicht von diesem Herzog losreißen können - sie fesselten ihn nur mit noch stärkeren Banden . Mit der Freude eines Bräutigams , der zur Hochzeit zieht , mit der Kraft eines Jünglings hatte er den weiten und beschwerlichen Weg von seinem Schloß nach Stuttgart zurückgelegt , als man ihm gemeldet hatte , daß der Herzog Leonberg erobert habe und auf Stuttgart zu ziehe . Keinen Augenblick zweifelte er an dem Siege des Herzogs und so traf es sich , daß er schon am andern Morgen der neuen Herrschaft Ulerichs nach Stuttgart kam . Nicht so fröhlicher Art waren die Nachrichten , die ihm Georg mitteilte , als er mit ihm und Marien die Treppe heraufstieg . » Der Herzog « , hatte ihm jener zugeflüstert , » der Herzog ist nicht so wie er sollte ; Gott weiß was er mit seinem Lande machen will , er hat unterweges sonderbare Reden fallen lassen , und ich fürchte er ist nicht in den besten Händen . Der Kanzler Ambrosius Volland - « Dieser einzige Name reichte hin , in dem Ritter von Lichtenstein große Besorgnisse aufzuregen . Er kannte diesen Volland , er wußte , daß er zwar gelehrt , in allen Regierungsgeschäften überaus wohlerfahren , zu jedem , auch dem schwersten Dienst bereit , aber dabei ein Mann sei , der zum wenigsten schon öfter ein gewagtes , wo nicht falsches Spiel gespielt habe . » Wenn der Herzog diesem sein Vertrauen schenkt , wenn er nur seine Ratschläge befolgt , dann sei Gott gnädig . Dem Ambrosius ist das Land ein Stück Leder , das man nach Willkür handhaben kann , er wird es zurechtschneiden wollen zu einem Koller für den Herzog und die Abschnipfel für sich behalten . Aber wie Frau Rosel zu sagen pflegt : Zerschneiden kann jeder Narr , aber wie zusammennähen ? « So sprach der alte Herr von Lichtenstein zu sich , als er durch die Galerien ging ; er streichelte unmutig seinen langen weißen Bart , und seine Augen glühten vom Eifer für die gute Sache Württembergs . Er wurde sogleich vorgelassen , und traf den Herzog in großer Beratung mit Ambrosio . Der letztere hatte eine ungeheure Schwanenfeder in der einen Hand , in der andern hielt er ein Pergament , das mit