am Theetisch die Seele der Unterhaltung war , so merkte niemand es ihr an , wie sie den Tag über in ihrem Haushalte sich beschäftigt hatte und oft selbst mit Hand anlegte , wenn ihr dieses nöthig zu werden schien . Ein zweites Verdienst um Luisen , welches diese ihr noch inniger verdankte , erwarb Frau von Meinau sich dadurch , daß auf ihre Veranlassung das Leben auf dem Lande sich im Laufe der länger werdenden Abende weit freundlicher gestaltete , als Luise erwartet hatte . Keine Woche verging , in der nicht beide Familien wechselseitig einander mehreremale besuchten . Einige Prediger und Beamte aus der Nachbarschaft , Leute von deren Existenz Luise bis jetzt gar keine Notiz genommen hatte , vergrößerten zuweilen mit ihren , zum Theil recht gebildeten Frauen und Töchtern den kleinen Kreis . Musik , gemeinschaftliches Lesen oder erheiterndes Gespräch füllten die langen Abende aus . Luise vergaß sehr oft in diesen anspruchslosen Umgebungen der früheren rauschenden Freuden und entzückte Alle durch ihre jugendliche Heiterkeit . Doch leider kehrte freilich die alte Leere wieder in ihr Herz zurück , sobald sie einige Tage mit Albert allein ohne andre Gesellschaft verleben mußte . Dann vermochte sie es nicht über sich , ihre Unzufriedenheit mit ihrer jetzigen Lage ihm zu verbergen , und der arme Albert flüchtete sich gewöhnlich in sein einsames Zimmer , um sich dort ungestört und ohne Zeugen dem bittern Schmerze zu überlassen , der verzehrend und langsam an seinem Leben nagte . So mochten denn , wechselnd zwischen gute und böse , einige Monate seit Bernhards Abreise hingegangen seyn , als eines Morgens einige Landleute sich auf Leuenstein meldeten , um über die Verwüstungen zu klagen , die ein wilder Eber auf ihren Feldern anrichtete . Schon seit geraumer Zeit waren alle Thiere dieser Art in jenen Gegenden ausgerottet worden , und die Erscheinung eines einzelnen , das sich wahrscheinlich aus einem andern fernen Gebiete hinüber verirrt hatte , setzte gerade ihrer Seltenheit wegen die Leute in um so größere Angst . Meinau war eben zugegen und rieth eine große allgemeine Jagd anzustellen ; die ganze Nachbarschaft ward aufgeboten , um das Thier zu erlegen . Alle zogen am frühsten Morgen des folgenden Tages mit Hunden und Jägern , begleitet von fröhlicher Jagdmusik , von Leuenstein aus in den herbstlich gefärbten Wald , an dessen Zweigen nur einzelne Blätter noch gelb und röthlich im Sonnenschein spielten . Der Mittag nahte heran ; Luise hatte mit Hülfe ihrer Freundin alles zum Empfange der wahrscheinlich sehr ermüdeten Jäger vorbereitet , und beide Frauen saßen nun mit ihrer Arbeit an einem Fenster , von welchem sie die in den Wald ausgehauene lange Allee überschauen konnten , durch die jene zurückkommen mußten . - » Horch ! « rief Luise , » hörst Du Hallalli blasen ? die Jagd ist aus , sie müssen bald hier seyn . « Frau von Meinau öffnete das Fenster . » In der That , « sprach sie , » ich höre Hörnergetöne aus der Ferne . Und wie mild und erquickend die Luft vom Tannenwalde herüberweht ! komm Luise , der Tag ist zu schön um ihn ganz im Zimmer zu verleben ; lass ' uns den Männern bis zu dem runden Platze entgegen gehen , wo alle die Alleen sich kreuzen ; dort können wir sie unmöglich verfehlen . « Beide Frauen wandelten nun Arm in Arm durch den Garten dem Walde zu , und hatten den bestimmten Platz bald erreicht , an welchem sie zu verweilen beschlossen . Frau von Meinau vertiefte sich rechts ins Gesträuch , um von den Zweigen einer jungen , noch mit allen ihren Blättern prangenden Eiche einen Kranz für den Sieger zu flechten ; Luise blieb mitten auf dem Platz stehen , und sah einem Eichhörnchen zu , das sich mit lustigen Sprüngen von einem der hohen , im Sonnenstrahl erglühenden Tannenwipfel zum andern schwang . Hundegebell und Hörnergetön schallten aus der Ferne , die Jagd schien näher zu kommen , ein Schuß fiel und wenige Augenblicke darauf knisterte und rasselte es ungefähr dreißig Schritte vor Luisen im Gesträuch zur linken Hand ; der durch eine leichte Wunde zur entsetzlichsten Wuth aufgereizte Eber brach hervor und rannte , schäumend vor Schmerz und Zorn , gerade auf die Wehrlose zu . Sie wollte seitwärts zu ihrer Freundin fliehen , ihr Fuß verwickelte sich in Brombeerranken , die über ihren Weg sich ausbreiteten , sie fiel und verlor das Bewußtseyn . Der Eber eilte noch immer auf sie zu , schon war er nur wenige Schritte noch von ihr entfernt , sie rettungslos dem greuelvollsten Tode verfallen , als ein Reuter im gestrecktesten Galopp aus einer Seitenallee , welche nach Meinaus Besitzungen führte , sich zwischen sie und das wüthende Thier warf . Der Eber wandte nun seine Wuth gegen diesen neuen Ankömmling , der nur , mit einer Reitgerte bewaffnet , ihr nichts entgegensetzen konnte . Im Nu verwundeten die furchtbaren Hauer des Ungeheuers das edle durch gewaltiges Spornen ohnehin sehr wild gewordene Pferd , dies bäumte und überschlug sich mit seinem Reiter , der unter dasselbe zu liegen kam . Glücklicherweise war ein Theil der Jagd indessen herbeigekommen , zwei gewaltige Saufänger packten den Eber noch gerade im rechten Augenblick , da er seine Wuth an den Unglücklichen auslassen wollte ; sie zwangen ihn , sich gegen sie zu wenden , und ein glücklicher Stoß von Meinaus starker Hand machte bald darauf dem Kampfe ein Ende . Auch Albert kam jetzt herbei , und sah mit unaussprechlichem Entsetzen sein geliebtes Weib bleich und starr wie eine Todte am Boden liegen ; er rief tausendmal überlaut Luisens Namen , warf sich neben sie hin mit der Geberde an Wahnsinn gränzender Verzweiflung , und vor Schrecken völlig unfähig , ihr die kleinste Hülfe zu leisten , verlangte er nur mit ihr zu sterben . Indem eilte auch Frau von Meinau bleich und zitternd herbei . Sie hatte aus der Ferne in Todesangst zugesehen . Selbst kaum