nie eine Ahndung gehabt , daß er so ernsthaft genommen werden könnte , er flehte um Rat bei der zürnenden Anna , was er tun solle , um ihr wieder zu gefallen und daß sie ihm nicht mehr zürne , aber sie sagte ihm , von der Sonne und dem unruhigen Kinde geplagt , ein kurzes » Gott befohlen ! « und ging in ihr Haus . » Wäre ich nur Anton ! « rief er ihr in seinem Zorne nach , es ärgerte ihn , daß er einst von Anton ein Bett angenommen habe . Die Kapelle am Brunnen wurde zur Taufe geschmückt und das vertrieb den ärgerlichen Grünewald , weil er nun nicht mehr mit sich reden und zanken konnte . Er setzte sich in einen Winkel des Brunnenhauses , um seinem Verdrusse recht nachzudenken und ihn ganz aufs reine zu bringen . Es erschien ihm wie ein Befehl von Frau Annen , daß keiner , der da Wasser holte am Brunnen nach ihm frage , ihn zum Feste einlade , ja daß manche sogar seinem Ansprechen nur kurze Antwort gaben . Er gedachte nicht der Eile , die das ganze Haus zur Bedienung der Gäste mit einem Vesperbrote beschäftigte . Seine traurigen , eingebildeten Geschicke , daß er hungre und niemand ihn zum Vesperbrote lade , schnürten ihm die Kehle zu , er rang die Hände und weinte , daß wieder ein Mensch zu gleichem traurigen Geschicke in die Welt gesetzt und getauft werde . Der Gram öffnete sich endlich eine Ader in der Zunge und es strömte eine trauervolle Wahrsagung über das Kind , das jetzt vom frommen Anno in feierlichem Zuge der Bürgerschar , vorbeigetragen wurde . Auf Menschen sollst du nicht vertrauen , Sie kennen nur die eigne Not , Es überkommt sie leicht ein Grauen Und du lebst einsam in dem Tod . Vertrau dem Wort in deiner Seele , Das dir nicht eigen , du bist sein , Es dringt aus freudensel ' ger Kehle , Es klingt in deinem Jammerschrein . Die Glocke wird umsonst geschwungen , Trifft sie kein harter Hammerschlag , So wird das Wort von dir errungen , Du bebst dem Klange lange nach . Der Kindheit Schrei ' n und Freudenlallen , Hat manchen ernsten Mann belehrt , Das Wahre muß uns erst gefallen , Das jeden in sich selbst bekehrt . Des Paradieses Frucht bewahre , Der Apfel reift zur Weihnachtszeit , Und du wirst selbst das ewig Wahre , Suchst du des Schönen Seligkeit . Neunte Geschichte Der Kampf am Brunnen Frau Apollonia , ihrem Schwure treu , das Haus der Tochter nicht zu betreten , ging von der heiligen Taufhandlung , der sie als Zeugin beigewohnt hatte , sogleich am Brunnen vorbei nach ihrem Hause zurück . Sie sah Grünewald im Winkel sitzen und meinte , er sei eingeschlafen dort und vergessen worden . Sie trat zu ihm und sagte : » Wacht auf , geht zum Schmause , wenn Ihr gleich die heilige Taufe verschlafen habt . « - » Ich schlief nicht « , antwortete er , » aber ich wollte , daß ich geschlafen hätte , da hätte ich nicht gesehen , was ich nicht sehen sollte . « - » Was sahet Ihr denn wieder ? « fragte Apollonia bestürzt . - » Ich sage nichts « , antwortete er , » ich habe hier sehr ernst nachgedacht über alle Ereignisse meines Lebens , ich bin ein ganz andrer Mensch geworden , ich will schweigen , wie ein Kartäuser ; das ewige Reden , Horchen und Wiedererzählen , was ich nicht lassen kann , rührt all den Schlamm in dem blumig bewachsenen Behälter des menschlichen Herzens auf ; hier ging einer vorüber , der mich auch für schlafend hielt . Habt Ihr keinen bei der Taufe unter den Bürgern vermißt « - Apollonia fragte kleinlaut » Anton ? « - Grünewald nickte , aber er sagte kein Wort , denn er bemerkte Sabinen , die an der Tür ihnen zuhorchte . - Apollonia ging mit Achselzucken fort , aber Sabina trat jetzt zu ihm , erzählte ihm ganz offen , daß sie eine Neigung zu Anton habe , ihre Schwester Verena auch und daß sich Anton gegen sie zwar nicht zärtlich anstelle , daß er ihr aber zuschwöre , er sei mit ihrer Schwester auch nicht vertraulicher , das habe sie so hingehalten , weil sie geglaubt , es werde noch die Zeit kommen , wo sein Herz gegen sie erwache . Neulich sei sie ihm nachgeschlichen , als ihre Schwester ausgegangen , da habe sie ihn mit Frau Anna in Unterredung gehört und sie hätten aber leise geflüstert , daß sie nichts verstehen können . Bei dieser ihm zuverlässigen Entwickelung überlief Grünewald die Galle , er fluchte auf Frau Anna , schwor , daß er keine Stunde länger in der Stadt leben , sondern sich der Kette entreißen wolle , möge Stadtvogt werden , wer Lust habe , mit seiner Zither und seinem Mantel sei er noch immer jung , wenn gleich sein Scheitel kahl und sein Haar grau geworden . Sabina sah ihn verwundert an , wollte ihn halten , meinte , es sei nicht sein Ernst , aber er lief ihr zur Warnung mit Abscheu aus dem Hause , aus der Stadt , wie die Sturmvögel den Schiffern dadurch zur Warnung dienen , daß sie sich selbst in Sicherheit bringen und die Küste zu erreichen suchen . Obgleich Frau Anna bei der durch die Kriegsgeschicke so lange verspäteten Taufe selbst hätte gegenwärtig sein und den Schmaus durch ihre Gegenwart beleben können , so war doch das erste gegen die Sitte und das letzte bei der Abwesenheit ihres Mannes unschicklich . Sie hatte Grünewald gebeten , die Stelle des Wirts als Stadtvogt zu übernehmen , aber sie sah ihn nicht wieder seit dem Morgen , wo sie sich mit ihm gestritten hatte . Sie war daher verwundert , als sie vernahm , er sei nicht beim Mahle erschienen