; zwar sei er durch die Anstrengung der Reise noch etwas leidend , aber sie hoffe bei dem ruhigen ländlichen Aufenthalte an ihrer Seite , der jetzt das einzige Ziel seiner Wünsche geworden , ihn bald genesen zu sehen . Weiter erzählte sie umständlich , daß er von einer Wahrsagerin , Arnika Montana gewarnt worden , Sizilien nicht zu verlassen , weil ein Unüberwindlicher nach seinem Leben trachte , worauf er alle seine weltlichen Stellen niedergelegt habe , um sich eine himmlische zu erflehen . Nun da sie ihres Aufenthalts gewiß und von Geschäften fast über ihre Kräfte angestrengt werde , ladete sie zum Schluß ihn und seine Frau als ihre nächsten Blutsfreunde recht dringend ein , sie auf den Trümmern einer großen alten Welt in einer blühenden neuen zu besuchen , insbesondere da ihr Mann , der Herzog , unter dem Namen eines Marchese D ... ihrer beider Beifall gehabt , wie er ihr erzählt habe , auch viele Verbindlichkeiten für die genossene Gastfreundschaft ihnen in seinem Herzen bewahre . Vielleicht erstaunen wir nicht minder als der Graf über diese wunderbaren Nachrichten , über die Tiefe der Bosheit , über die List , durch Übernahme der Korrespondenz mit der Schwester alle Nachrichten dahin und alle möglichen Entdeckungen zu hemmen ; aber wunderbarer wirkte noch dieses Schreiben durch das heitre Glück , das aus jedem Ausdrucke der hochverehrten alten Freundin , aus besseren Tagen über ihn , den Verzweifelten selbst noch ausstrahlte , und sich so warm mit der Kälte mischte , in der er erstarrt war , daß ihm beide Pistolen aus der Hand fielen , die eine , die er gegen seinen Beleidiger , die andre , die er nachher zu seiner eignen Beruhigung geladen hatte . Es schrie in ihm laut auf , um dieser einen Frommen sei aller Welt verziehen ; wer vermag ihr den Mann zu rauben , an dem ihr bescheidnes heiliges Glück wie ihre Seele am Glauben Christi hängt . Diese Erhebung über sich selbst gab ihm einen Plan , eine Überlegung , eine Sicherheit , die ihm sonst nicht eigen ; es war ihm , als stände er sich selbst wie ein Berg in seinen Gartenanlagen im Wege , den er entweder sprengen , oder abtragen müsse um Aussicht zu gewinnen . Wir wissen alles und können als Vertraute seinen Entschluß in Wahrheit berichten ; den meisten schien Zufall , was Absicht in ihm gewesen . Dreizehntes Kapitel Das Königsschießen Als er noch so nachsinnend auf und nieder das Zimmer mit heftigen Schritten durchmaß , und die Briefe seiner ersten Liebeszeit , die er sorgfältig bewahrt hatte , verbrannte , da verkündigten draußen drei Kanonenschüsse den Anfang des großen Königsschießens . Der Graf , der ein Freund dieser Belustigung und einer der sichersten Schützen war , erinnerte sich , daß alle auf seine Ankunft warten würden ; auch die Gräfin , die eine Vorliebe für alle männliche Ergötzlichkeiten hegte , hatte versprochen sich späterhin einzufinden . Er brachte die beiden altdeutschen Büchsen , die ihm vom Doktor aufgezwungen waren , und die übrigen Schießgerätschaften nach seiner Gewohnheit selbst zusammen und in Ordnung , klingelte und ließ sich das grüne Schützenkleid geben , worin er das grüne Husarenkleid verwandelt hatte , in welchem er seine Frau zuerst erblickt , und das er trotz seiner verschossenen Farbe noch immer sorgsam bewahren ließ . Ehe er noch das Haus verlassen , ließ ihm die Gräfin sagen , sie würde bald nachkommen , sie habe schlecht geschlafen und sich dadurch in ihrem Anzuge verspätet . Sie sah ihn erst im bunten Gewühle des Schützenplatzes wieder , wo an diesem Tage nach einer Scheibe geschossen wurde , deren Mitte ein brennendes Herz bezeichnete . Witzige Köpfe wollen bemerkt haben , daß der alte Schütze Amor bei solchen Königsschießen häufiger und sicherer treffe , als die jungen Schützen in ihren neuen steifen Uniformen , in denen noch die Tuchlagen nicht ausgetragen ; fast sollte man jenes wenigstens aus dem Drängen der Menge , aus dem Gekreisch der Mägde schließen , aus den einzelnen Paaren , die weit in das Getreide abirren , aus dem steten Durste , der an tausend Krügen klappt , denn die Liebe macht durstig und tapfer und daher schließt sich auch gewöhnlich das Fest mit einigen Raufereien . Gewiß ist ' s , der uralte Trommelschläger in der uralten Bortenmontur , hatte an dem Tage wenig zu trommeln ; einige Ehrenschüsse von gelehrten Magistratspersonen fielen sogar in das Hausdach des Bezeichners ; wahrscheinlich weil sie aus einem Versehen , das den Gelehrten und Regierungen eigen , ihm die Schuld des Nichttreffens aller ihrer wohltätigen Gedanken zuschrieben , und ihn warnend an seine Schuldigkeit erinnern wollten . Ein alter Invalide im roten Rocke , der , wie ein dünner Kometenschweif , drohend an dem hellen Sterne der blanken Zinnbude hing , schüttelte mit dem Kopfe dabei , drehte sein Glücksrad und rief : » Auf gut Glück « . Die Würfel klapperten und die am längsten sich zurückgehalten , waren nun am hitzigsten darauf . Seht da , ein Knabe gewann einen großen Grenadier von Pfefferkuchen , der auch in einem Augenblicke von drei andern zerrissen war . Mitten durch den Zank drangen andre mit bunten Fahnen , wie frische Truppen , und die Waldteufel brummten wie das schwere Geschütz . Den ganzen streitigen Haufen trieb ein Polizeidiener als Schlachtengott mit wenigen Ohrfeigen aus einander ; es endete heute doch gar nichts lustig . - Es wurde später und die Musik und die Tabakswolken zogen in die oberen Säle des Schießhauses ; die Leute waren es müde , den schlechten Schützen zuzusehen . - Der Graf hatte sich den letzten Schuß ausgemacht ; er tat den besten , das Herz war in der innersten Mitte durchgebohrt , der Bezeichner warf seinen Hut in die Luft und sich auf die Kniee ; der Trommelschläger wirbelte , die Scheibe wurde von den Kronbedienten beschaut , sie gaben den Kanonieren das Zeichen ; alles Volk drängte sich herbei