Albani mit Albano vermengt , ihre ganze Bildergalerie steckte in dem Gesangbuch , dessen Lieder sie mit goldnen roten Heiligen auseinandersperrte . Die andern verstanden nichts - sie kannten ihn nur als Grafen von Zesara - , aber Liane warf auf Rabette süßerrötend einen zärtlich strafenden Blick und sah mit stummem Erdulden ein anderes Gemälde näher an . Nie hatte in Albano in welchem sich die stärksten und die zärtesten Gefühle paarten , wie das Echo der Donner lauter und die Musik leiser macht-die bittersüße Mischung von Liebe und Mitleiden und Schamröte wärmer gearbeitet , und er hätte vor dem Mädchen zugleich knien und doch schweigen mögen . Der deutsche Herr war fertig und sagte zu den Männern mit einer Miene voll Sieg , » er habe doch noch etwas in der Tasche , was es mit den Raffaels aufnehme ; und er bitte sie , ins Nebenzimmer zu folgen « . Unterwegs merkt ' er an , wenige Werke seien mit so herrlicher Freiheit und keckem Mutwillen ausgeführt . Im Zimmer packt ' er einen erzenen kleinen Satyr aus , gegen den sich eine eingeholte Nymphe wehrt . » Göttlich , « ( sagte Bouverot und hielt die Gruppe an einem Faden , um den Rost nicht abzugreifen ) » göttlich ! Ich setze den Satyr an den Christus ! « Wenige haben vom Erstaunen meines Helden nur einen mäßigen Begriff , als dieser auf einmal den Kritikus Tugend und Laster an einen runden Tisch ohne Rangstreitigkeiten setzen sah . Mit einem Feuerblick der Verachtung wandt ' er sich ab und wunderte sich , daß der Lektor blieb . Ihm scheint unbekannt zu sein , daß die Malerei wie die Dichtkunst sich nur in ihrer Kindheit auf Götter und Gottesdienst bezogen , daß sie aber später , als sie höher heranwuchsen , aus diesem engen Kirchhof herausschreiten mußten , wie eine Kapelle ursprünglich eine Kirche mit Kirchenmusik war , bis man beides weg ließ und die reine Musik behielt . Bouverot hatte die Achtung für reine Form in so hohem Grade , daß ihm nicht nur der schmutzigste , unsittlichste Stoff , sondern sogar auch der frömmste , andächtigste nicht den Genuß verunreinigte ; gleich dem Schiefer bestand er die beiden Proben , zu glühen und zu gefrieren , ohne sich zu ändern . Albano hatte die Mädchen durch das Fenster in der Allee gesehen und eilte zum Abschiede von der Schwester hinunter und etwas Wichtigerem . Er kam mit vollern Rosen auf den Wangen , als um ihn glühten , zu einer Grasbank , wo Liane neben der Schwester hinter dem roten Sonnenschirm mit halbgesenkten Augenlidern und seitwärts geneigtem Haupte ruhte - sanft in die Ernte des Abends versunken - sonnenrot übergossen vom Schirme - im weißen Kleide - mit einem dünnen schwarzen Kreuzchen auf der zarten Brust - und mit einer vollen Rose ; sie blickte unsern Geliebten so unbefangen an , ihre Stimme war so schwesterlich und alles so reine sorglose Liebe ! Sie sagte ihm , wie sie sich freue auf seinen Jugend-Ort und auf das Landleben und wie Rabette sie überall hinführen werde - und besonders auf die Einweihungsrede , die am Sonntage ihr Beicht-Vater Spener halte . Sie sprach sich ins Feuer durch das Gemälde , wie die große Brust des Greises der Klage- und der Siegsgesang über dem Aschengehäuse des fürstlichen Freundes groß bewegen werde . Rabette hatte nichts im Sinne als die einsame Minute , die sie dem Bruder mit ihr geben wollte . Sie bat sie aufgeweckt , ihr noch einmal auf der Harmonika vorzuspielen . Albano pflückte sich bei diesem Antrage einen mäßigen Strauß von - Baumlaub . Liane sah sie warnend an , gleichsam als wolle sie sagen : ich verderbe dir wieder deine Munterkeit . Aber sie blieb dabei . Albano überflog bei dem Eintritte ins Wasserhäuschen ein leichtes Erröten über die letzte Vergangenheit und nächste Zukunft . Liane machte eilig die Harmonika auf , aber das Wasser , das Kolophonium der Glocken , fehlte . Rabette wollte unten ein Glas am Springbrunnen füllen , um - beide allein zu lassen ; aber der Graf kam ihr aus männlicher Unbehülflichkeit , in eine List schnell einzugreifen , höflich zuvor und holte es selber . Kaum hatte endlich das liebliche gefällige Wesen seufzend die zarten Hände auf die braunen Glocken gelegt : als Rabette ihr sagte , sie wolle in die Allee hinunter , um zu hören , wie es sich von weitem anhöre . Gleichsam zum schmerzlichen Sonnenstich einer zu schnellen und großen Lust fuhr sein Herz auf , er hörte den Siegeswagen der Liebe von ferne rollen , und er wollte in ihn springen und dahinrauschen ins Leben . Die gläubige Liane hielt das Entfernen für einen Schleier , den Rabette über das in den Tönen süß brechende Auge werfen wolle , und zog sogleich die Hände von den Glocken ; aber Rabette küßte sie bittend , drückte ihr die Hände selber darauf und lief hinab . » Das treue Herz ! « sagte Liane , aber das arglose helle Vertrauen auf die Freundin rührte ihn , und er konnte nicht Ja sagen . Wenn in den Fluren Persiens ein Glücklicher , der auf der üppigen Aue tief unter Nelken und Lilien und Tulpen schlief , vor dem ersten Abendrufe der Nachtigall selig die Augen aufschlägt in die laue stille Welt und in die bunte Dämmerung , durch welche einige Goldfaden der Abendsonne glühend fließen : so gleicht der Selige dem Jüngling Albano im magischen Zimmer - die Jalousiefenster streueten gebrochne Lichter , grüne zitternde Schatten aus , und es dämmerte heilig wie in Hainen um Tempel nur tönende Bienchen flogen aus der lauten fernen Welt durch die schweigende Klause wieder ins Getöse - einige scharfe Sonnenstreife , gleichsam Blitze vor Schlafenden , wurden romantisch neben der Rose hin- und hergeweht - und in dieser träumerischen Grotte mitten im rauschenden Walde der Welt wurde die Einsamkeit nicht einmal durch das Schattenwesen eines Spiegels gestört . -