haben konnte , da Xenophon sich nicht eher als im vierten Jahre der vierundneunzigsten Olympiade von Athen entfernte , um unter den Griechischen Hülfstruppen , welche der jüngere Cyrus zum Behuf seiner Unternehmung gegen den König seinen Bruder angeworben hatte , Dienste zu nehmen . Xenophon und Aristipp konnten sich also etliche Jahre lang öfters in Gesellschaft des Sokrates gesehen haben , wiewohl die große Verschiedenheit ihrer Sinnesart , und der Umstand , daß Xenophon damals schon ein Mann von funfzig Jahren war , und überhaupt einen ganz andern Weg im Leben ging als Aristipp , Ursache seyn mochte , daß beide einander immer fremd und gleichgültig geblieben ; nur mit dem Unterschied , daß dieser Mangel an Sympathie Aristippen nicht verhinderte , dem Xenophon bei jeder Gelegenheit Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen , dieser hingegen in mehr als einer Stelle der Memorabilien eine Abneigung gegen jenen verräth , die sogar der Billigkeit Abbruch thut , welche man sonst in seiner Art , selbst von sehr tadelhaften Menschen zu urtheilen , wahrnehmen kann . 9. Brief . 58 Die Wielandische Uebersetzung dieser Komödie des Aristophanes s. in dem Attischen Museum Bd . 2. - An die nun auch erschienene Vossische darf ich wohl nicht erst erinnern . 59 Fünf Jahre vor Sokrates auf der Insel Kos geboren , ein Pythagorischer Philosoph , schrieb erst in seinem Alter Komödien , deren 52 von ihm aufgezählt werden . Man kennt aus ihnen nur noch mehrere Sittensprüche , und es läßt sich freilich erwarten , daß ein Phytagoräer nicht in den uns so anstößigen Ton der übrigen Komiker Athens werde eingestimmt haben . Solcher Sittensprüche führt Sokrates dem Aristipp selbst , in einem Gespräch mit demselben , einige an . 60 Kratinus , Eupolis - Zwei , mit Aristophanes gleichzeitige Komiker , der erste viel älter , aber selbst einem Aristophanes als Gegner furchtbar ; der zweite jüngere scheint mit ihm in gutem Vernehmen gestanden , und ihm sogar in Einigem Beistand geleistet zu haben . Ueber sie und überhaupt über die Attischen komische Bühne muß man nachlesen A.W. Schlegels Vorlesungen über dramatische Kunst und Literatur Bd . 1. S. 268 fgg . , und Kanngießer : die alte komische Bühne in Athen . 61 Eine Art außerordentliches Gericht , worin das versammelte Athenische Volk einen Bürger , dessen Gegenwart und Einfluß sie der Republik für schädlich hielten , auf eine bestimmte oder unbestimmte Zeit des Landes verwiesen ; übrigens seiner Ehre und seinem Vermögen unpräjudicirlich . W. 62 Helia hieß ein öffentliches Gebäude zu Athen , wo das höchste Gericht über Staatshändel und Staatsverbrechen , gewöhnlich aus 500 , in wichtigen Angelegenheiten aus 1000 , 1500 bis 2000 , auch wohl aus noch mehr tausend Bürgern bestehend , seine Sitzungen hielt . Diese Richter hießen daher Heliasten . Sie wurden jedesmal ad hoc erwählt , und ihre Anzahl hing von dem Gutbefinden der sechs untersten Archonten ab . W. 63 Die 50 Glieder des Senats der 500 zu Athen , welche 36 Tage lang das Präsidium führten , und während dieser Zeit , da sie den geheimen Rath der Republik ausmachten , im Prytaneion auf Kosten des Staats beköstiget wurden . W. 64 Die besondern Umstände dieser Anekdote sind in Xenophons Sokratischen Denkwürdigkeiten , im zweiten Kapitel des vierten Buchs , ausführlich zu lesen . W. 65 Menschen , deren Stamm das Land , wo sie wohnen , von jeher innegehabt , und also gleichsam von selbst , wie die Bäume , aus dem Erdboden hervorgewachsen war . Die Bewohner von Attika wußten sich viel damit , solche Autochthonen zu seyn . W. 66 Anspielung auf den Charakter , welchen Aristophanes in seinen Rittern dem unter dem Namen Demos personificirten souveränen Pöbel zu Athen beigelegt , besonders auf die Verse im ersten Act , welche ich für diejenigen , die das Original selbst nicht lesen können , aus meiner Uebersetzung ( im zweiten Buch des Attischen Museums ) hierher setze . Demosthenes und Nikias sagen den Zuschauern : Uns beiden ward ein ziemlich seltsamer Patron zu Theil , ein sauertöpfischer Heißgrät ' ger Mann , der sich mit Bohnen füttert , Viel Galle macht , auch etwas übel hört , Kurz , ein gewisser Demos aus dem Pnyx , Ein grilliger , griesgräm ' ger , alter Kauz . 67 Dieß bezieht sich auf die Nachricht des Grammatikers , der den Inhalt der Wolken abgefaßt hat , daß Aristophanes von des Sokrates nachmaligen Anklägern Anytus und Melitus gedungen worden sey , dieß Stück zu schreiben . 68 Die Athener wollten neun Heerführer , weil sie die in der Seeschlacht bei Arginussä gebliebenen Bürger nicht aufgesucht und begraben hatten , zum Tode verurtheilen . Diesem ungerechten Ausspruch widersetzte sich der einzige Sokrates mit unerschütterlichem Muthe , trotz aller Drohungen der Ankläger sowohl als des Volks , ihn selbst vor Gericht zu ziehen . Ueber den in diesem Briefe verhandelten Gegenstand hatte Wieland früher im Attischen Museum eine besondre Abhandlung geliefert : Versuch über die Frage : ob und inwiefern Aristophanes gegen den Vorwurf , den Sokrates in den Wolken persönlich mißhandelt zu haben , gerechtfertigt oder entschuldigt werden könne ? ( Bd . 3. S. 57-100 ) Gegen Wielands hierin gefälltes Urtheil über Aristophanes hatte sich der Herausgeber erklärt in seinem Artikel Aristophanes in dem ästhetischarchäologischen Wörterbuch , und konnte Wielanden zufälliger Weise dieß erst zeigen , als es abgedruckt war . » Habe ich , sagte er , dieß alles gesagt , so hatten Sie Recht , es zu bestreiten : mir ist aber , als hätte ich ziemlich dasselbe gesagt , was Sie gegen mich geltend machen . « Nach etlichen Tagen gab er mir die Nachricht , daß ihm die Sache keine Ruhe gelassen habe , und wies mir nun diesen , von mir übersehenen , Brief Aristipps nach ; ich ließ hierauf ein Blatt umdrucken . - Was die Sache betrifft , so hätte noch angeführt werden müssen , daß ja auch andere Komiker vor Aristophanes schon den Sokrates auf