den steinernen Pfeiler , an dem sie vorhin gesessen hatte , und sah ihr nach . » Daß sie auch dabei sein mußte ! « murmelte er halblaut . » Jetzt habe ich vollends verspielt bei ihr ! « Es lag ein unendlich bitterer Ausdruck auf dem Gesichte des Mannes , der es nur zu tief fühlte , daß er und seine Persönlichkeit nicht gemacht waren , einer Frau zu gefallen . Dies Bewußtsein war es ja , was ihm bisher die Lippen geschlossen hatte dem Mädchen gegenüber , das er liebte mit der ganzen Glut einer spät erwachten Leidenschaft . Er täuschte sich durchaus nicht über den Eindruck , den jene Scene auf sie machte , er hatte ihr die Empfindungen vom Gesicht abgelesen . Wenn sie bisher den düsteren , unzugänglichen Mann gefürchtet hatte , so verabscheute sie jetzt in ihm den Tyrannen , der nur die Zuchtrute über seine Untergebenen schwang , und so sollte er mit einer Werbung vor sie hintreten ? Er würde trotz alledem wohl ein Jawort erhalten , die kluge Tante würde schon dafür sorgen , daß ihr Schützling in diesem Falle auch » vernünftig « war , und gerade dies Jawort fürchtete er . Der Traum von Glück , der wie ein leuchtender Schein in seiner Seele lag , sollte ihm beim Erwachen nur kalte , nüchterne Berechnung zeigen . Er wußte es ja , der Argwohn würde ihm keine ruhige Stunde lassen . In jedem Liebeswort , in jedem Lächeln würde er die Heuchelei sehen und ein Marterleben führen an der Seite eines jungen Weibes , dessen Hand er nur seinem Reichtum verdankte . Mit einer jähen Bewegung richtete er sich empor , als wollte er die Gedanken abschütteln , die ihm sein » Glück « in diesem Lichte zeigten . » Vielleicht war es am besten so ! « sagte er finster . » Dann ist es ein für allemal zu Ende mit der Thorheit – und mit dem Träumen ! « Das Wetter hatte sich in der That aufgehellt . In den Thälern und auf dem See lagerten noch die Nebel , aber die Berge waren klar geworden , und die Sonne hatte sich Bahn gebrochen durch das Gewölk . Sie neigte sich jetzt schon dem Untergange zu und erfüllte das vorhin so düstere Terrassenzimmer mit ihren rötlichen Strahlen . Die Unterhaltung am Theetisch war nicht besonders lebhaft gewesen . Frau Almers beherrschte sie fast allein , denn Ulrich zeigte die gewohnte Schweigsamkeit und Paula , die den Thee bereitete , mischte sich fast gar nicht in das Gespräch . Sie war freilich hier im Schlosse eine völlig andere als draußen in dem unbefangenen Verkehr mit dem alten Diener . Das zerwehte Haar war sorgfältig geordnet , der nasse Anzug durch ein leichtes , helles Sommerkleid ersetzt und der kleine rosige Mund , der vorhin so lustig gelacht und geplaudert hatte , schwieg hier äußerst » gesetzt und verständig « . Frau Almers verstand es schon , ihrer Umgebung die weitestgehenden Rücksichten aufzuerlegen . Paula war ihr Schützling , die Tochter ihrer Jugendfreundin , aber sie mußte es doch oft genug empfinden , daß die Beschützerin im Grunde eine Herrin war . Erst hier in Restovicz hatte sich das einigermaßen geändert . Sonst wäre es dem jungen Mädchen nicht gestattet worden , stundenlange Spaziergänge allein zu machen oder mit Ullmann zu plaudern , wenn Berneck seiner Tante Gesellschaft leistete – jetzt wurde ihr das zugestanden . Sie hatte freilich keine Ahnung davon , daß die Dame bereits in ihr die künftige Braut ihres Neffen sah und dem Rechnung trug . Mit dem frohen , leichten Sinne der Jugend nahm sie die ungewohnte Güte und Nachsicht hin wie ein Geschenk , ohne viel zu fragen , woher es stammte . Man war schließlich auf Restovicz und die hiesigen Verhältnisse gekommen , das einzige Thema , bei dem Ulrich mitteilsamer wurde . Er hatte sein Notizbuch hervorgezogen und darin geblättert , um irgend eine Frage seiner Tante zu beantworten , und sagte jetzt , im Anschluß daran : » Ja , es ist ein wahrer Spottpreis , den ich für die Herrschaft gezahlt habe , bei uns daheim kauft man höchstens ein mäßiges Gut dafür . Aber mein Vorgänger hatte es gemacht wie die meisten seiner hiesigen Standesgenossen . Der Besitz war schon tief verschuldet , als er ihn erbte , allein das störte ihn nicht in seinem Vergnügen . Es wurde in der alten Art fortgewirtschaftet , gejagt , gespielt , getrunken und mit einem Heer von Gästen auf großem Fuße gelebt . Die Beamten und das Dienstvolk thaten , was ihnen gerade beliebte , und stahlen dabei , wo sie nur wußten und konnten , bis es dann eines Tages nicht weiter ging . Da wurde der Besitz einfach verschleudert . Es war die höchste Zeit , daß er in feste Hand kam ! Ich werde noch einmal fünf Jahre brauchen , ehe Restovicz das wird , was es werden kann und soll . « » Aber hoffentlich kettest du dich nicht wieder so lange an deine Scholle , « fiel Frau Almers ein . » Jetzt im Sommer kommst du freilich kaum zu Atem . Ich sehe es ja , wie du den ganzen Tag lang reitest und fährst und kommandierst , aber im Winter rechne ich bestimmt auf einen Besuch , Ulrich . Da hast du doch hinreichend Zeit . « » Schwerlich , Tante , « erwiderte er achselzuckend . » Restovicz will nicht nur bewirtschaftet , sondern auch regiert sein , und da darf ich die Zügel nicht locker lassen . Vorläufig bin ich noch immer im Kampf mit meinen Leuten , die sich nicht an Zucht und Ordnung gewöhnen können . Fräulein Dietwald wurde vorhin erst Zeuge einer unerquicklichen Scene , die ich mit einem meiner Förster hatte . Mir ist das freilich nichts Neues . « Er blickte zu dem jungen Mädchen hinüber , als erwartete er irgend eine Aeußerung , doch Paula