Das also war der , auf den sie gewartet hatte ? Sie versuchte aufzustehen und wehrte Aennes Umarmung , aber da traf sie ein Blick , der in Thränen schimmernde Blick ihres Kindes . Sie sank zurück , und nun trat er näher und küßte die Hand der alten Frau . „ Darf meine Braut hier bleiben , bis ich sie in mein Heim führen kann ? “ fragte er . „ Ich muß erst ein Wort mit Ihnen reden , Herr von Kerkow “ , scholl es verzweifelt zurück . „ Aenne hat nichts , gar nichts , und das ewige Arbeiten hält sie nicht aus ! “ Aenne lachte plötzlich laut und herzlich . „ O du thörichtes Mütterchen ! “ rief sie , „ er will mich ja gar nicht arbeiten lassen , wiewohl ich ’ s so gern thäte ! Nichts weiter soll ich sein wie seine Frau , wie du es immer gewünscht hast für mich , und wenn ich singe , soll ’ s nur noch zu meinem und seinem speziellen Vergnügen sein . Frau Rat fragte nicht mehr , sie begann langsam Mut zu fassen . Er sah so fein aus , so vornehm – der hatte sicher geerbt ! Und sie küßte feierlich ihre Tochter auf die Stirn und that einen tiefen Seufzer der Erlösung – – gottlob , daß sie nicht zu reisen brauchte ! – Die Emilie , die da so still an der Thür stehen geblieben war und der die Rührungsthränen über das Gesicht liefen , die würde es wohl wissen , die wollte sie ordentlich ausfragen nachher . Den Doktor aber , den hielt sie am Aermel fest , just als er mit der kleinen seligen Braut hinaus wollte . „ Warten Sie nur – mich so anzuführen ! Die ganze Geschichte haben Sie ins Werk gesetzt . “ „ Weiß Gott , nicht ! “ verteidigte er sich , „ ich erblickte die Herrschaften ganz zufällig auf der Bahn in Halle , wo der Dresdner und der Berliner Zug sich treffen . Sie blickte noch immer unzufrieden . „ Schwiegermama , “ bat er , „ seien Sie gut ! Sie müssen sich mit uns vertragen , denn wenn Fräulein Aenne in ein paar Woche hinauszieht nach der neuen Heimat , dem großen Berlin entgegen , dann haben Sie nur noch uns , auf die Sie recht nach Herzenslust böse sein können , denn Tante ist feierlich invitiert , die junge Häuslichkeit verschönen zu helfen . Na , das fehlte noch ! dachte die Rätin , wenn eine mitgeht , bin ich das ! Und laut sagte sie . „ Nach Berlin ? Kauft euch doch hier an ! “ wandte sie sich an Kerkow , „ Sie hätten doch überhaupt hier bleiben können , die schöne Wohnung da droben , und gar nicht viel zu thun ! „ Das erlaubt mein Beruf nicht , liebe Mutter , aber in jedem Sommer kommen wir , und da hole ich mir frische Kräfte zu meiner Arbeit . “ „ So ? “ fragte die alte Dame enttäuscht , „ arbeiten thun Sie ? “ „ Ja , gottlob ! “ sagte er stolz und zog Aenne an seine Seite , „ ich kann arbeiten . “