wieder über und schlich aus der Kammer und ließ mich allein . Und der Schnee trieb immer heftiger durch das Fenster und schüttete vor der Zeit einen Hügel über der Toten auf . In zehn Minuten war alles wie verändert . Einer hatte geplaudert . » Warum hielt er nicht den Mund ? « » Ich fahre nach Haus . « » Ich auch . « So ging es hin und her . Die meisten aber nahmen ' s leicht oder gaben sich doch das Ansehn davon , und eine Stunde später knallten die Büchsen wieder an allen drei Seen hin . Aber das Bild Hannahs stand zwischen dem Schuß und seinem Ziel , und kein Hirsch wurde mehr getroffen . Oberförster Berger stieß mit dem Fuß an den Stecher , und die Kugel pfiff ihm am Ohr hin , während das Feuer seinen Bart versengte . Es war eine » wehvolle Jagd « , wie es in alten Balladen heißt . Die Menzer Forst und der große Stechlin Die Menzer Forst und der große Stechlin Die Sonne war geneigt im Untergang . Nur leise strich der Wind , kein Vogel sang , Da stieg ich ab , mein Roß am Quell zu tränken , Mich in den Blick der Wildnis zu versenken . Verwildernd schien das helle Abendrot Auf dieses Waldes sagenvolle Stätte . In der Nordostecke der Grafschaft liegt die Menzer Forst , 24000 Morgen groß ( in ihr der sagenumwobene » Große Stechlin « ) , und in dieser verlorenen Grafschaftsecke lebt die Ruppiner Schweiz noch einmal wieder auf . Hier waltet ein ganz eigenartiges Leben : der Pflug ruht und ebenso der Spaten , der den Torf gräbt ; nur das Fischernetz und die Angel sind an dieser Stelle zu Haus und die Büchse , die tagaus tagein durch den Wald knallt . Hundert Jahre haben hier wenig oder nichts geändert , alles blieb , wie es die Tage des großen Königs sahen und nur eines wechselte : der Schmuggler fehlt , der hier sonst ins Mecklenburgische hinüber sein Wesen trieb und seinen Krieg führte . Denn die Menzer Forst setzt sich noch jenseits der Grenze fort , und ein von abgefallenem Laube halb überdeckter Graben ist alles , was die Territorien scheidet . Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ward in der Kriegs- und Domänenkammer die Frage rege : Was machen wir mit diesem Forst ? Hochstämmig ragten die Kiefern auf ; aber der Ertrag , den diese herrlichen Holz- und Wildbestände gaben , war so gering , daß er kaum die Kosten der Unterhaltung und Verwaltung deckte . Hirsch und Wildschwein in Fülle ; doch auf Meilen in der Runde kein Haus und keine Küche , dem mit dem einen oder anderen gedient gewesen wäre . » Was tun mit diesem Forst ? « so hieß es wieder . Kohlenmeiler und Teeröfen wurden angelegt , aber Teer und Kohle hatten keinen Preis . Die nächste nachhaltige Hilfe schien endlich die Herrichtung von Glashütten bieten zu sollen und in der Tat , es entstanden ihrer verschiedene zu Dagow , Globsow und Stechlin ; ein Feuerschein lag bei Nacht und eine Rauchsäule bei Tag über dem Walde ; vergeblich ; auch der Glashüttenbetrieb vermochte nichts und der Wald bracht es nur spärlich auf seine Kosten . Da zuletzt erging Anfrage von der Kammer her an die Menzer Oberförsterei : wie lange die Forst aushalten werde , wenn Berlin aus ihm zu brennen und zu heizen anfange ? , worauf die Oberförsterei mit Stolz antwortete : » Die Menzer Forst hält alles aus « . Das war ein schönes Wort , aber doch schöner , als sich mit der Wirklichkeit vertrug . Und das sollte bald erkannt werden . Die betreffende Forstinspektion wurde beim Wort genommen , und siehe da , ehe dreißig Jahre um waren , war die ganze Menzer Forst durch die Berliner Schornsteine geflogen . Was Teeröfen und Glashütten in alle Ewigkeit hinein nicht vermocht hätten , das hatte die Konsumtionskraft einer großen Stadt in weniger als einem Menschenalter geleistet . Ja , Hilfe war gekommen , die Menzer Forst hatte rentiert ; aber freilich die Hilfe war gekommen nach Art einer Sturzwelle , die , während sie das aufgefahrene Schiff wieder flott macht , es zugleich auch zerschellt . Abermals mußte Wandel geschafft werden , diesmal nach der entgegengesetzten Seite hin , und das berühmte , wenn auch unverbürgte Wort , das König Friedrich einst in delikatester Situation an Schmettau richtete , dasselbe Wort richtete jetzt die Königliche Verwaltung der Forsten und Domänen an den Oberförster von Groß-Menz : » Hör ' Er auf « . Und man hörte auf . Der Hauptstadt wurde durch dieses » Halt « übrigens nichts entzogen , denn die Linumer Torfperiode war inzwischen angebrochen , die Menzer Forst aber stieg auf der tabula rasa ihres alten Grund und Bodens neu empor : Eichen , Birken , Kiehnen in buntem Gemisch , und die Bestände , wie sie jetzt sich repräsentieren , sind das Kind jener Schonzeit und Stillstandsepoche , die dem dreißig Jahre lang geführten » guerre à outrance « auf dem Fuße folgte . Er zählt jetzt gerade hundert Jahre , dieser prächtige Wald , der ein Leben für sich führt , ein halbes Dutzend Wasserbecken mit grünem Arm umschließt und über altes und neues , über Teeröfen und Forsthäuser , über Glashütten und Fabriken nach wie vor seine Herrschaft übt . In ihn hinein wolle mich jetzt der Leser begleiten . * Es ist noch Platz auf dem Pürschwagen ( vorne der Kutscher und der Herr ) , und ein Kissen und eine Decke harren des neuen Gastes . Die Zeit für die Decke wird kommen , die Zeit für das Kissen aber ist schon da , denn über Stubben und Wurzeln fort geht es bereits weglos und holterdiepolter in den Wald hinein . Die jungen Zweige fegen uns die Augen aus ; jetzt Moorgrund , jetzt raschelndes Laub ; jetzt über den Graben und