- jener Frau , die der Zukunft gehörte , - war dies nicht die wahre Freiheit der Frau - daß sie eine Ungebrochene bleiben mußte , und eine Wachsende , so schwer und dunkel auch ihr Weibesschicksal sich über ihr zusammenballte ? Ach , wie war sie dieser Freiheit doch so fern . In schmerzlichem Erleben glitten die Kräfte . Aber sie eilte ihnen nach , raffte sie zusammen ; brauchte sie denn nicht ihre ganze Seelenmacht , da doch an jedem Wegende ein Schicksal von ihr besiegt sein wollte ? Sie rang mit sich , - diese beiden ihr teueren Menschen - beide lieben zu können . Aber es schien , als wäre die Stunde , wo solches Lieben freien Herzens möglich war , noch nicht gekommen . Der Ertrag ihres heldenmütigen Versuches aber war , daß sie , wenn auch nicht die Vereinigung der beiden , so doch jeden einzelnen weiter liebte , sie beide weiter sah , im Licht ihrer besonderen Art. - - - » Liebe darf niemals unfrei machen « , so hatte einst Lore , die ja auch zu jenen gehörte , die ihre Füße sicher setzen , gesagt . Sie lächelte schmerzlich , wenn sie dieses Wort überdachte . Jene höchste Weiblichkeit , die ein Dichter der Zeit auf den Mars verlegt hatte , jene Numenfrauen , - die vielleicht konnten dies Wort zur Wahrheit führen . Sie aber fühlte sich als Übergangene , - dies war ihr wiederkehrendes Los ; auf totem Gleise fuhr ihr Leben dahin , und ihr war , als müsse sie dieses Todesbewußtsein erdrücken . In dieser Zeit hatte sie eine dichterische Offenbarung . Da das gesprochene Wort und nicht die Feder ihr Instrument war , blieb diese Offenbarung als reines Erlebnis in ihr . Es war dieses : Sie erlebte neu die tiefe Idee , die sich an der Mythe von Königin Dido erhalten hat . - - - - - - Unter die geringe Art der Phönizier , die am nordafrikanischen Strande siedelt , tritt der Held , - eine Gestalt des Lichtes , der Sohn aus edlem Stamme , - Aeneas . Die Königin - Dido , die Städtegründerin , die Selbsteigene - die Emanzipierte ! - wird von der Liebe getroffen . Daß sie es bis heute nicht war , - es hatte seinen Grund darin , daß sie edler Mannheit nicht begegnete . In Didos Seele wohnt der Frohsinn , die Tapferkeit , die Tatkraft , und wie eine rote , blätterreiche , tief in ihren Kelch hinein verdunkelte Rose ist ihr Herz . Nicht umsonst heißt sie die » vollherzige Dido « . Sie reitet mit Aeneas zur Jagd , sie gibt sich ihm hin - oh , die Welt ist ein Strahlenmeer geworden für die Königin Dido . » Brennend vor Liebe durchschweift sie ... die Stadt . « Und nun erlebt sie - die Königin : das schwärzeste Weibeslos . Der Held verläßt sie , - überläßt sie denen , die um sie sind - den Geringen . Über die zur Tat geborene , selbsteigene Dido , kommt das Leid , das zermalmende . Das Leben bedroht sie mit der Schmach der Lächerlichkeit . Ein nomadischer König , Jarbas , strebt nach ihrer Hand . Der Geringe , den sie verschmäht , soll sich wieder in ihren Umkreis wagen dürfen , da sie dem Hohen so nahe , so nahe war ? - Unter der Sonne Afrikas friert die Königin Dido , eisige Verzweiflung durchdringt sie immer tiefer . » Wäre zum wenigsten mir ein Denkmal unserer Liebe , Ehe du fliehest , gewährt , und spielte ein kleiner Aeneas Mir im Palaste herum , der dir doch gliche von Antlitz , Ach , nicht schien ich mir ganz die Gefangene oder die Witwe ! « Aber ohne ein Pfand ihrer Liebe ihr zu lassen , ist der Held enteilt , - für immer . Nur , weil sie so friert , weil sie sich langsam zu Tode friert , kann es geschehen , daß sie den Scheiterhaufen für sich errichten läßt , Dido , die Königin , die Städtegründerin , die herrlich Selbsteigene , - die ein zu Tode frierendes Weib ward , da der Held sie verließ ... Olgas Traumleben hatte alle ihre Schicksale begleitet . Was dunkel oft in ihrer Seele noch war - der Traum erschloß es zu letzter Klarheit . So träumte sie auch jetzt : Dido stand auf dem Scheiterhaufen , den sie zu magischem Gebrauch errichten ließ . Und sie - sie selbst war die brennende Königin . Kaum faßten die Flammen ihre Kleider , so entfloh sie . Sie sah sich im Traum , flammenlohend , über einen Hügel laufen ; immer näher kam sie der Klippe am Gipfel , und von da erblickte sie das Meer , das rettende Meer , in das sie sich stürzte . Nicht , daß sie ertrinken mußte , dachte sie , - nein , nur , daß die Glut gelöscht wurde , das war es , was sie wußte , als sie jenen Sprung tat , im Traume . - - - Sie erwachte , mitten in der Nacht , allein , mit ihrer Herzensnot . Draußen spannte sich ein sternenklarer Sommernachtshimmel . Sie blickte von ihrem Bett aus in das blaue Feuer der Venus ; nicht ihr , nicht ihr schien dieser Stern . - - - Eva , die jetzt mit ihrem Töchterchen nahe dem Grunewald wohnte , besuchte sie . Wie immer , so wirkte die Heilsamkeit ihres Wesens auch heute . Sie hob ihren Mut , ihren Glauben an ein logisches Geschick , das auch ihr bestimmt sei . Sie sänftigte den Aufruhr , und als sie sie friedlicher wußte , umschlang sie sie , und wagte es , zu gestehen , was Olga doch bald erfahren mußte : daß sie von Manfreds Liebe ein Pfand trug . » Sinke nicht - und wenn der ganze Orkus auf dich drückte «