wurde , sehr deutlich verstanden . Es ging uns fast kein einziges Wort verloren . Das Resultat der Verhandlungen war für uns folgendes : Die vier Stämme planten einen Ueberfall des Lagers der Apatschen und ihrer Freunde am Mount Winnetou . Durch diesen Ueberfall sollte die geplante Verherrlichung Winnetous vereitelt werden . Zugleich hoffte man , dadurch in den Besitz großer Beute und all der Schätze zu kommen , welche jetzt in diesem Lager zusammenflossen . Es waren das besonders die freiwilligen Gaben an Nuggets und anderen Edelmetallen , die , entweder von ganzen Stämmen , Klans und Gesellschaften oder von einzelnen Personen gespendet , herbeigetragen wurden . Man wollte hier am dunkeln Wasser noch einige Tage bleiben , um von dem bisherigen langen Ritte auszuruhen , und dann nach einem Orte marschieren , den sie » das Tal der Höhle « nannten . Dieses Tal lag in der Nähe des Mount Winnetou und bot , wie man sagte , selbst für eine so große Zahl von Kriegern ein sicheres Versteck . Aus diesem Verstecke heraus sollten dann die Apatschen und ihre Verbündeten überfallen werden . Von höchstem Interesse für uns war ein ganz besonderer Punkt , den wir erlauschten . Die vier verbündeten Stämme hatten nämlich einen Kumpan bei den Apatschen , der es übernommen hatte , sie über alles zu unterrichten , ihren Streich mit vorzubereiten und ihnen die passendste Zeit zu seiner Ausführung anzugeben . Dieser Spion und Verräter war um so gefährlicher , als er nicht zu den gewöhnlichen , gleichgültigen Personen gehörte , sondern mit im Denkmalskomitee saß und als Mitglied desselben alles mögliche wußte und allseitig ein besonderes Vertrauen genoß . Das war Mr. Antonius Paper , mit dem indianischen Namen Okih-tschin-tscha und dem schlingernden Gange . Dies zu erfahren , hatte ganz besonderen Wert für uns . Für diese seine Mitwirkung war ihm ein bedeutender Anteil an der Beute , über dessen Höhe man aber nicht sprach , verheißen worden . Die Oberhäuptlinge schienen eine Scheu zu haben , sich vor ihren Unterhäuptlingen über diesen Punkt deutlich auszudrücken . Es wurden da die Gebrüder Enters mitgenannt , welche das , was man ihnen versprochen hatte , nicht bekommen sollten , weil man es diesem Antonius Paper auszuzahlen hatte , dem man seinen Lohn aber auch vorenthalten wollte , weil er an die beiden Enters zu entrichten wäre . Es handelte sich da jedenfalls um eine große Lumperei , über die man nicht gern sprach . Ich vermutete , daß man alle drei , sowohl Paper als auch die Enters , um ihren Lohn betrügen und sie dann auf Nimmerwiedersehen verschwinden lassen wollte . Als die Zeremonie zu Ende war , wurde das Beratungsfeuer auf dem Altar von den beiden Medizinmännern ausgelöscht . Sie strichen die Asche von der Platte und traten dann um einige Schritte von dem Altar zurück . Hierauf sagte der Medizinmann der Komantschen in feierlichem Tone : » So oft das heilige Feuer über den Medizinen erlischt , ist das Wort des Silberlöwen zu wiederholen : Bewahret eure Medizinen ! Das Bleichgesicht kommt über das große Wasser und über die weite Prärie herüber , um euch eure Medizinen zu rauben ! « Und der Medizinmann der Kiowa fügte hinzu : » So oft das heilige Feuer über den Medizinen erlischt , ist auch das Wort des großen Kriegsadlers zu wiederholen : Es wird ein Held erscheinen , den man den jungen Adler nennt . Der wird dreimal um den Berg fliegen und sich dann zu euch niederlassen , um euch die geraubten Medizinen wiederzubringen . Dann wird die Seele der roten Rasse aus ihrem tausendjährigen Schlaf erwachen , und was getrennt war , wird zur geeinigten Nation und zum großen Volke werden ! « Von jetzt an sprach niemand mehr , aber man blieb sitzen , bis die Feuer nach und nach verlöschten und schließlich auch der letzte noch glimmende Funke verschwunden war . Dann geschah der Aufbruch . Die Indianer verließen das Haus genau so , wie sie gekommen waren : langsam und still , einzeln , einer hinter dem andern . Unsere Blicke folgten ihnen , bis sie das Wasser des Sees erreichten und dann nach beiden Seiten abschwenkten . Das Herzle holte tief , tief Atem . » Welch ein Abend ! Welch eine Nacht ! « sagte sie . » Das werde ich nie , nie vergessen ! Was tun wir jetzt ? « » Wir steigen hinab und holen uns die Medizinen , « antwortete ich . » Dürfen wir das ? « » Eigentlich ist es verboten . Es steht der Tod darauf . Kein Indianer würde wagen , sich an ihnen zu vergreifen . Für uns ist es einfach ein Gebot der Notwendigkeit . « Der » junge Adler « hörte das . Er sagte nichts dazu . Wir brannten unsere drei Lichter wieder an , griffen zu unserer Leiter und stiegen langsam und äußerst vorsichtig wieder hinab . Unten angekommen , traten wir an den Altar . Da fragte der junge Apatsche in seiner Muttersprache : » Du willst sie wirklich nehmen ? « » Ja , unbedingt , « antwortete ich . » Sie sind eine Macht in meiner Hand , und zwar eine große , segensreiche Macht . « » Das weiß ich . Aber ich bin Indianer , und ich kenne die Bedeutung und die Unverletzlichkeit der Medizinen , die an solcher Stelle niedergelegt worden sind . Weißt du , was meine Pflicht mir hier gebietet ? « » Ja . Du hast zu verhindern , daß ich sie berühre . Sogar Gewalt hast du zu gebrauchen . Aber , habe ich etwa die Absicht , sie nicht heilig zu halten , sie zu verletzen ? « » Nein . Die hast du nicht . Und du bist Old Shatterhand , ich aber bin ein Knabe . Ein Kampf mit dir wäre mein Tod . Dennoch bitte ich dich um die Erlaubnis , eine Bedingung stellen zu dürfen !