sich zwei Menschen im nächsten Augenblicke umarmen , bis zur Todeslust umarmen , bis zur Auflösung alles Sinnlichen ineinander fesseln und drängen würden . Und so erfaßte denn auch Valerius den schönen , in Freude und Liebe zitternden Leib , wie er seiner zu harren schien , er hob ihn mit schwellenden Armen an sein Herz , und sie zerstörten sich beide fast in leidenschaftlichem Pressen und Drängen . Nach diesem ersten Sturme so lange zurückgehaltener Gefühle brachen die Tränen heiß mit strömend aus Konstantiens Augen - die Tränen fehlen nimmer , wenn die Gottheit in uns rege wird , und hier brachen sie die immer noch schmerzliche Sehnsucht des Weibes ; ihr Antlitz , ihre gespannten Arme , ihr ganzer straffer Körper wurde weich und nachgiebig , und die Rede , sanft und innig wie der tiefste verborgenste Ton der Seele , trat wieder auf die Lippen . Und diese Lippen küßten jetzt mild und schmeichelnd . » Du hast meine ganze Seele , Valerius , und ich weine , daß ich nicht mehr für dich habe , und ich weine , daß ich glücklich bin wie ein Kind , das in den Himmel kommt . « Valerius trug die zusammensinkende Geliebte auf ein kleines Taburett , das neben dem Sofa stand , kniete vor ihr nieder , legte den Kopf in ihren Schoß und bedeckte sich bald die Augen mit ihren willenlosen , nachgiebigen Händen , bald führte er sie an seine Lippen . Sie waren so selig und ruhig nach jenem Sturme , daß sie sich einmal über das andere zuflüsterten : » Hörst du , Konstantie , siehst du , Valerius , wie die kleinen rosenroten Engel um uns herflattern und sich küssen und Geschichten erzählen von der Liebe Gottes und seiner Menschen . « Das sind Augenblicke , wo die Menschen unmittelbar mit schönen Welten verkehren , wo sie jene Ahnungen von Gottes unergründlicher Liebe , von unendlichen Freuden außerhalb dieses Lebens tief einsaugen in das offene , empfängliche Gemüt . Wenn der Mensch den Menschen am erschöpfendsten liebt , da gehen alle Geheimnisse der Welt vor ihm auf . Denn in der Liebe ruht das Geheimnis der Schöpfung , sie » spricht mit Engelszungen « . Valerius richtete sich allmählich wieder in die Höhe , und seine Blicke legten sich wie die Liebe selbst in die Augen und das süße Antlitz des Weibes . Er dachte nichts , er wußte nicht , was er fühlte , aber die Schönheit dieses Angesichts flocht und weckte sich durch Leib und Geist mit ihrer klaren wohltuenden Gewalt . Er hatte keinen Wunsch , als sie anzublicken , alle Schönheitsfreude durchrieselte ihn dabei wie ein frischer Bach . Konstantiens schwarzes Kleid war zugeknöpft bis an den Hals , langsam öffnete er ' s und streifte es herab über die blendende Achsel , welche hervorleuchtete , über die hochgewölbte Brust . Sie ließ alles ruhig geschehen und wendete ihr Auge nicht ab von seinem Blick : » Du bist so rein , Valerius , so frei von jener groben männlichen Sinnlichkeit , die auch das heißeste Weib erschreckt - o , ich war nie so glücklich . « Er küßte sie auf das Herz , und seine Wange daran lehnend und mit der Hand ihr Gesicht herabziehend , sprach er wie in einer trunkenen Schwärmerei : » Sieh , Konstantie , ich bin ein Träumer - du hast mich oft so gescholten , und du hast mich recht gescholten , sieh und höre , wie ich träume : ich habe einen herrlichen schönen Gott , er ist mir überall , wo sich mir eine Schönheit , eine Tätigkeit , eine Bewegung offenbart , er rauscht in den Bäumen , in den Wellen , er sieht aus der feuchten Pflanze , wenn sie sich öffnet , er spricht aus dem Munde eines Volkes , aus dem Munde eines unbedeutenden Menschen , aus jedem Moment der Tagesgeschichte , aber so lieb , und so klar und bezaubernd hat er noch nimmer zu mir gesprochen , als heute aus deiner Schönheit . Aus deinem Busen klopft er in meine Wange , aus der weißen Haut und der vollkommenen Form deiner Schulter lacht er mir in die Augen wie der unverhüllte alte und ewig junge Reiz der Griechen . Hier , wo das Kleid , das widerspenstige , mich hindert , mehr als ein Stück deines stolzen Oberarmes zu sehen , hier beginnt die verschleiernde Romantik - nicht doch , sieh , die schwache Seide weicht der Gottheit , o Weib , was bist du schön ! « Konstantie verschloß ihm den Mund mit Küssen : » Mann meines innersten Herzens , ich hasse , ich fürchte den Tod , aber jetzt könnt ' ich sterben , in deinem schönen Gotte vergehen . « » Horch , wie dein Herz klopft , Weib , dies Leben hebt über alle Schönheit hinaus ; das ist wieder mein Gott , Weib meines süßen Glücks , horch , wie dein Herz klopft , warum jauchzt es so , weißt du ' s ? « » Mein Herz klopft wild beweglich , Es klopft beweglich wild , Weil ich dich lieb ' unsäglich , Du liebes Menschenbild ! « erwiderte sie stürmisch mit den Worten des Dichters , und die Liebkosungen schlugen wieder zusammen über dem zärtlichen Paare mit ihren hohen strahlenden Wogen . Es scheint ein Widerspruch zu sein mit der raschen , forteilenden Empfindung , daß Liebende in der höchsten Bewegung ihrer Leidenschaft die schwierigsten Gedanken des menschlichen Geistes berühren , über die wichtigsten Interessen des Menschen mit wenig Worten entscheiden . Aber es ist keiner , und die Erscheinung ist wahr und alltäglich . Alle höheren Kräfte sind aber auch in solchen Momenten entwickelt , wirksam , tätig , das Herz liegt weit geöffnet und gibt sie frei , all seine besten Gedanken , und es ist ein altes Wort : die besten Gedanken kommen aus dem Herzen . Zwischen die Zärtlichkeit unserer Liebenden