nicht zu bestrafen , werden sie also freigeben , selbstverständlich den Scheik der Beni Khalid auch . Doch darf das nicht so ohne weiteres geschehen . Wir haben uns sicher zu stellen , daß , wenigstens so lange wir uns hier befinden , nichts gegen uns unternommen wird . Später dann können wir anderweit für uns sorgen . « » So schlage ich vor , daß wir den Scheik erst dann loslassen , wenn er geschworen hat , hier nichts gegen uns zu unternehmen . « » Das werden wir allerdings thun . « » Sag , Sihdi , giebt es für uns keine andere , keine bessere Gewähr als nur seinen Schwur ? « » Nein ; wenigstens ich weiß keine . Du etwa ? « » Nein . « » Oder Khutab Agha ? « » Auch ich weiß nichts anderes , « antwortete dieser . » Ihr habt mich zu eurem Freund gemacht , und meine Dankbarkeit gehört euch , so lange ich lebe . Darum kann es mir nicht gleichgültig sein , ob euch noch fernere Gefahren von seiten der Beni Khalid drohen . Sonst aber wäre ich mit meiner Angelegenheit hier zu Ende . Die gestohlenen Glieder habe ich hier zurückbekommen , und meine Asaker sind auch wieder frei . Wir brauchen also nur aufzusitzen und heimzukehren . « » Wann wirst du das thun ? « » Wenn auch ihr fortreitet ; eher natürlich nicht . « » Nun , und wir , Sihdi ? Wann reiten wir ? « » Wenn die Beni Khalid fort sind , « antwortete ich . » Früher nicht ? « » Nein . « » Warum nicht ? « » Du scheinst mich nicht mehr zu kennen , Halef ! « » Was ? Wie ? Ich dich nicht mehr kennen ? Oh , Effendi , was treibst du da für Allotria ! Du weißt doch ganz genau , daß ich dich besser kenne als mich selbst ! « » Nach deiner letzten Frage muß ich das aber bezweifeln , denn du hast einen Brauch vergessen , der so zu mir gehört , wie der Griff zum Säbel . « » Welchen Brauch ? « » Mich stets und so viel wie möglich rückenfrei zu machen . Dieser Gewohnheit haben wir so viele Erfolge zu verdanken , lieber Halef , daß es mir gar nicht einfallen kann , grad hier , in dieser gefährlichen Wüste , von ihm abzuweichen . « » Rückenfrei ? In Beziehung auf die Beni Khalid ? « » Ja . Wenn wir eher fortreiten als sie , haben wir sie im Rücken und wissen nicht , was sie hinter uns vornehmen . Sind sie aber vor uns , so können wir sie , so lange dies nötig ist , derart im Auge behalten , daß es ihnen unmöglich wird , uns ernsthaft zu belästigen . Das siehst du wohl ein ? « » Welche Frage ! Wenn ich das nicht einsähe , so wäre ich ein Fluß ohne Wasser , ein Pferd ohne Beine oder eine Feder ohne Tinte und meinetwegen auch eine Hanneh ohne Halef ! Nur weiß ich nicht , ob die Beni Khalid darauf eingehen werden . « » Sie müssen ! « » Wie willst du sie zwingen ? « » Dadurch , daß wir sie nicht an den Brunnen lassen . Wenn sie überzeugt sind , für ihre Kamele kein Wasser zu bekommen , so müssen sie sich beeilen , nach einem anderen Brunnen zu kommen . « » Wo sie uns aber das Wasser wegnehmen , so daß wir dann , wenn wir hinkommen , keines finden ! « » Das ist meine geringste Sorge . Erstens ist es doch noch gar nicht bestimmt , wohin sie sich und wir uns wenden werden . Die Gegend vor uns ist wasserreicher als die nun hinter uns liegende ; wir haben es also sehr wahrscheinlich nicht nötig , grad denjenigen Weg einzuschlagen , den die Beni Khalid reiten . Und zweitens verweise ich dich auf den Bir Hilu hier . Die Beni Khalid waren ja auch vor uns da , und wir haben nicht nur trotzdem Wasser bekommen , sondern wir sind sogar jetzt in der Wüste Herren des Brunnens , daß unsere Gegner ohne unsere Erlaubnis gar nicht herankommen dürfen . Bist du nun zufriedengestellt ? « » Ja , vollständig , Sihdi ! Doch , schau hin zu den Mekkanern , wie der Ghani so eifrig in den Blinden hineinspricht ! Er wird ihm alles ganz anders erzählen , als es sich zugetragen hat . Wir werden da dem Münedschi in einem Lichte erscheinen , auf welches wir , wenn es die Wahrheit wäre , nichts weniger als stolz sein könnten . Doch sieh , da kommt ein Posten mit einem Ben Khalid . Der Anfang des Endes wird also beginnen ! « Der Haddedihn , welcher den Boten zu uns brachte , sagte , daß die ganze Schar der Beni Khalid im Anrücken sei , um nach dem Brunnen zu gehen . Es habe Ueberredung gekostet , sie anzuhalten und zu bewegen , auf die Antwort ihres Scheiks zu warten . » Was habt ihr als Grund angegeben , daß sie nicht her dürfen ? « erkundigte sich Halef . » Den Willen ihres Scheiks , « lautete die Antwort . » Sie haben also diesen Boten geschickt , der mit ihm sprechen soll . « » Das war richtig . Wir werden diese Angelegenheit sofort in Ordnung bringen . Gehen wir hinüber zum Scheik ? « Diese Frage war an mich gerichtet ; ich antwortete , indem ich aufstand . Der Perser that dasselbe , und dann schritten wir , gefolgt von dem Ben Khalid , nach dem Brunnen , wo er seinen Scheik gefesselt liegen sah . Dieser rief ihm , noch ehe wir ihn erreicht hatten , zornig entgegen : » Da kommt nun endlich einmal einer ! Konntet ihr euch nicht