sich früh zurück , aber ihr Gespräch über Schloß Stechlin und die beiden Geistlichen und vor allem über die Domina ( gegen die Melusine heftig eiferte ) setzte sich noch in ihrem Schlafzimmer fort . » Ich glaube « , sagte Armgard , » du legst zuviel Gewicht auf das , was du das Ästhetische nennst . Und Woldemar tut es leider auch . Er läßt auf seine Mark Brandenburg sonst nichts kommen , aber in diesem Punkte spricht er beinah so wie du . Wohin er blickt , überall vermißt er das Schönheitliche . Das wenige , was danach aussieht , so klagt er beständig , sei bloß Nachahmung . Aus eignem Trieb heraus würde hier nichts der Art geboren . « » Und daß er so klagt , das ist das , was ich so ziemlich am meisten an ihm schätze . Du meinst , daß ich , wenn ich von der Domina spreche , zuviel Gewicht auf diese doch bloß äußerlichen Dinge lege . Glaube mir , diese Dinge sind nicht bloß äußerlich . Wer kein feines Gefühl hat , sei ' s in Kunst , sei ' s im Leben , der existiert für mich überhaupt nicht und für meine Freundschaft und Liebe nun schon ganz gewiß nicht . Da hast du mein Programm . Unser ganzer Gesellschaftszustand , der sich wunder wie hoch dünkt , ist mehr oder weniger Barbarei ; Lorenzen , von dem du doch soviel hältst , hat sich ganz in diesem Sinne gegen mich ausgesprochen . Ach , wie weit voraus war uns doch die Heidenzeit , die wir jetzt so verständnislos bemängeln ! Und selbst unser dunkles Mittelalter - schönheitlich stand es höher als wir , und seine Scheiterhaufen , wenn man nicht gleich selbst an die Reihe kam , waren gar nicht so schlimm . « » Ich erlebe noch « , lachte Armgard , » daß du ' nen neuen Kreuzzug oder ähnliches predigst . Aber wir sind von unserm eigentlichen Thema ganz abgekommen , von der Domina . Du sagtest , ihre Gefühle widersprächen sich untereinander . Welche Gefühle ? « » Darauf ist leicht Antwort geben . Erst beglückwünscht sie sich zu sich selbst , und hinterher ärgert sie sich über sich selbst . Und daß sie das muß , daran sind wir schuld , und das kann sie uns nicht verzeihn . « » Ich würde vielleicht zustimmen , wenn das , was du da sagst , nicht so sehr eitel klänge ... Sie hat übrigens einen guten Verstand . « » Den hat sie , gewiß , den haben sie alle hier oder doch die meisten . Aber ein guter Verstand , soviel er ist , ist auch wieder recht wenig , und schließlich - ich muß leider zu diesem Berolinismus greifen - ist diese gute Domina doch nichts weiter als eine Stakete , lang und spitz . Und nicht mal grün gestrichen . « » Und der Alte ? Der wenigstens wird doch vor deiner Kritik bestehn . « » Oh , der ; der ist hors concours und geht noch über Woldemar hinaus . Was meinst du , wenn ich den Alten heiratete ? « » Sprich nicht so , Melusine . Ich weiß ja recht gut , wie das alles von dir gemeint ist , Übermut und wieder Übermut . Aber er ist doch am Ende noch nicht so steinalt . Und du , so lieb ich dich habe , du bist schließlich imstande , dich in solche Kompliziertheiten von Schwiegervater und Schwager , alles in einem , und womöglich noch allerhand dazu , zu verlieben . « » Jedenfalls mehr als in den , der diese Kompliziertheiten darstellt oder gar erst schaffen soll ... Also , sei ruhig , freundlich Element . « Dreiunddreißigstes Kapitel Das war in den letzten Dezembertagen ; auf Ende Februar hatte man die Hochzeit des jungen Paares festgesetzt . In der Zwischenzeit war seitens des alten Grafen erwogen worden , ob die Trauung nicht doch vielleicht auf einem der Barbyschen Elbgüter stattfinden solle , die Braut selbst aber war dagegen gewesen und hatte mit einer ihr sonst nicht eignen Lebhaftigkeit versichert : sie hänge an der Armee , weshalb sie - ganz abgesehn von ihrem teuren Frommel - die Berliner Garnisonkirche weit vorziehe . Daß diese , nach Ansicht vieler , bloß ein großer Schuppen sei , habe für sie gar keine Bedeutung ; was ihr an der Garnisonkirche soviel gelte , das seien die großen Erinnerungen , und ein Gotteshaus , drin die Schwerins und die Zietens ständen ( und wenn sie nicht drin ständen , so doch andre , die kaum schlechter wären ) - eine historisch so bevorzugte Stelle wäre ihr an ihrem Trautage viel lieber als ihre Familienkirche , trotz der Särge so vieler Barbys unterm Altar . Woldemar war sehr glücklich darüber , seine Braut so preußisch-militärisch zu finden , die denn auch , als einmal die Zukunft und mit ihr die Frage nach » Verbleib oder Nichtverbleib « in der Armee durchgesprochen wurde , lachend erwidert hatte : » Nein , Woldemar , nicht jetzt schon Abschied ; ich bin sehr für Freiheit , aber doch beinah mehr noch für Major . « Auf drei Uhr war die Trauung festgesetzt . Schon eine halbe Stunde vorher erschien der Brautwagen und hielt vor dem Schickedanzschen Hause , dessen Flur auszuschmücken sich die Frau Versicherungssekretärin nicht hatte nehmen lassen . Von der Treppe bis auf das Trottoir hinaus waren zu beiden Seiten Blumenestraden aufgestellt , auf denen die Lieblinge der Frau Schickedanz in einer Schönheit und Fülle standen , als ob es sich um eine Maiblumenausstellung gehandelt hätte . Hinter den verschiedenen Estraden aber hatten alle Hausbewohner Aufstellung genommen , Lizzi , Frau Imme und sämtliche Hartwigs und natürlich auch Hedwig , die , nach ganz kurzem Dienst im Kommerzienrat Seligmannschen Hause , vor etwa acht Tagen ihre Stelle wieder aufgegeben hatte . » Gott , Hedwig , war es denn