Weidmanns , wenn der Fasanhahn in die Luft stieg , dann in gerader Linie abstrich im Glanze seines prächtigen Gefieders , mit dem langen Stoße . Darauf ein wohlgezielter Schuß , gut vorgehalten ; der königliche Vogel klappte zusammen , die ganze Pracht hatte ein jähes Ende gefunden ! - Auch der Treiber bemächtigte sich gar bald das Jagdfieber . Aller Mahnungen des Forstpersonals , sich stille zu verhalten , ungeachtet , schrien sie laut , jeden Treffschuß bejubelnd . Nach dem fünften Treiben fand Frühstückspause statt . Tische und Bänke waren herbeigefahren worden . Am Feuer , das auf einem Waldwege angezündet worden war , wurden große eiserne Töpfe und kupferne Kessel mit Speisen und Getränken gewärmt . Die Schützen ließen sich nieder , einige Diener vom Schlosse bedienten . Karl hatte unter den Jagdgästen einen ehemaligen Vorgesetzten wiedererkannt , der sein Rekrutenoffizier gewesen war . Inzwischen war der damalige Leutnant zum Major vorgerückt und nach Berlin zur Garde versetzt worden . Karl konnte den Entschluß nicht recht finden , den Herrn anzureden . Wer weiß , ob der ihn kennen würde ? Und dann wurde er womöglich ausgelacht ! - Aber nach dem Frühstück wuchs sein Mut . Die Speisereste waren unter die Treiber verteilt worden ; Karl hatte gierig geschlungen . Auf irgendeine Weise war auch eine Flasche starken Likörs vom Tische der Schützen unter die Treiber geraten . Karl hatte einige Schlucke von dem ungewohnten Getränk genossen ; er befand sich infolgedessen in gehobener Stimmung . Mit mehr Freimut , als ihm für gewöhnlich eigen war , trat er vor seinen ehemaligen Vorgesetzten hin , schlug die Hacken zusammen , legte die Hand an die Kopfbedeckung , sagte seinen Namen und erzählte , daß er Rekrut beim Herrn Major gewesen sei . Der Offizier betrachtete sich den großen ungeschlachten Burschen eine Weile , dann schien ihm die Erinnerung zu kommen . » Waren Sie nicht anfangs rechter Flügelmann der Abteilung ? « fragte er . Karl bejahte . » Aber nachher mußte ich Sie ins zweite Glied stecken , weil Sie mir die ganze Gesellschaft umschmissen . Denn Sie waren doch der Rekrut , der immer rechts und links verwechselte - nicht wahr ? « Karl antwortete durch ein verlegenes Grinsen auf diese verfängliche Frage . Der Major erzählte nun den anderen Schützen allerhand Streiche von dem Rekruten Büttner . Er tat sich auf sein ausgezeichnetes Gedächtnis etwas zugute . Dann erkundigte er sich nach Karls jetziger Beschäftigung , ob er verheiratet sei , Kinder habe und so weiter . Während des nächsten Treibens hatte Hauptmann Schroff , welcher Zeuge der Unterhaltung gewesen war , dem Major die Geschichte der Büttnerschen Familie berichtet . Andere Herren traten hinzu , der Fall wurde hin und her besprochen . Über den ländlichen Wucher ward manch kräftiges Wörtlein gesagt . Karl Büttner , als der älteste Sohn des ausgewucherten Bauern , wurde , ohne es zu wissen , zum Märtyrer gestempelt ; auf einmal stand er im Mittelpunkte des Mitleids und der Sympathie . Der Major veranstaltete schließlich eine Geldsammlung für seinen ehemaligen Rekruten . Es gingen ebenso viele Goldstücke ein , wie Herren da waren . Der Major drückte dem erstaunten Karl die Summe von hundertundvierzig Mark in die Hand mit dem Wunsche , daß er sich damit ein wenig » aufrappeln « solle . Karl vergaß das Danken , so überrascht war er . Die anderen Treiber steckten die Köpfe zusammen . Schon regte sich der Neid . So viel Geld verdiente man auf rechtmäßige Weise ja nicht in vielen Monaten . Hauptmann Schroff war ungehalten , daß man dem Manne das Geld so ohne weiteres ausgehändigt hatte ; doch konnte er nichts mehr daran ändern . Er ermahnte Karl wenigstens , er möge keinen Unfug damit anstellen . Aber der hörte und sah nichts mehr , starrte nur immer die Goldstücke in seiner Hand an . - War das ein Glück ! Er vermochte es kaum zu fassen . Die Jagd ging weiter . Karl Büttner wurde jetzt auch von den Treibern ganz besonders beachtet . Er hatte selbst keine Schnapsflasche mitgebracht ; dafür beeilten sich die anderen , ihm ihre » Neegen « anzubieten . Es war gut für Karl , daß die Dämmerung herankam und damit das Ende der Jagd , denn er war so berauscht , daß er sich kaum noch auf den Füßen zu erhalten vermochte . Es gehörte nicht viel dazu , um Karl betrunken zu machen . Heute hatte das ungewöhnliche Glück , das ihm so unversehens in den Schoß gefallen war , dazu beigetragen , ihn zu berauschen . In der seligsten Laune trat er mit den anderen Treibern den Heimweg an . Als man an einem Gasthof vorüber kam , hieß es : Büttnerkarl müsse etwas zum besten geben . Karl zögerte . Eine Stimme warnte ihn , die Gaststube zu betreten . Er sehnte sich eigentlich nach Haus , um seiner Frau das Geld auf den Tisch zu legen . Was die für Augen machen würde ! Therese hatte ihn zwar in der letzten Zeit schlechter denn je behandelt ; dumm und faul und einen Freßsack hatte sie ihn genannt , der nichts weiter könne als fressen , saufen und sie belästigen . - Nun wollte er ihr ' s mal zeigen ! Er konnte doch noch was anderes ! So viel Geld , wie er heute mitbrachte , hatte sie wahrscheinlich noch niemals beisammen gesehen . Es drängte ihn , zu Theresen zurückzukehren , an deren Überraschung er sich weiden wollte . Aber die anderen setzten ihm zu . Da waren verschiedene lustige Brüder darunter , die er gut leiden mochte . Man warf ihm vor , er sei ein Geizkragen . Mit einer ganzen Tasche voll Gold wolle er nicht mal ein paar Groschen für Branntwein springen lassen , das sei einfach ruppig . Karl glaubte , diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen zu dürfen ; er trat in die Schenkstube , schlug auf