er stolz und selig ist , diesen Krieg für König und Vaterland mitgefochten - « » Und sich dabei als Beute ein so verliebtes Bräutchen geholt zu haben , « ergänzte ich . Dem Vater gefiel sein künftiger Schwiegersohn sehr gut - und wem hätte der prächtige junge Mensch nicht gefallen sollen ? Er erteilte ihm jedoch seine Sympathie und seinen Segen unter allerlei Verwahrungen und Vorbehalt : » Sie sind mir als Mensch und Soldat und als Prinz in jeder Hinsicht schätzenswert , lieber Reuß « so sagte er zu wiederholten Malen und in verschiedenen Redewendungen , » aber als preußischer Offizier kann ich Sie natürlich nicht leiden und ich behalte mir - trotz aller Familienverbindung - das Recht vor , nichts so sehr zu wünschen , als einen kommenden Krieg , in welchem Österreich die jetzige Überrumpelung tüchtig heimzahlt . Die politische Frage ist von der persönlichen ganz zu trennen . Mein Sohn wird einst - Gott walte - daß ich ' s erlebe - gegen das Land Preußen zu Felde ziehen ; ich selbst , wenn ich nicht zu alt wäre und wenn mein Kaiser mich dazu beriefe , übernähme gleich ein Kommando , um Wilhelm I. und besonders , um Ihren arroganten Bismarck zu bekriegen . Dies verschlägt nicht , daß ich die militärischen Tugenden der preußischen Armee und die strategische Kunst ihrer Führer anerkenne und daß ich es ganz natürlich finden würde , wenn Sie im nächsten Feldzug , an der Spitze eines Bataillons , unsere Hauptstadt erstürmen wollten und das Haus anzünden ließen , in welchem Ihr Schwiegervater wohnt - kurz - « » Kurz , die Konfusion der Gefühle ist eine heillose , « unterbrach ich einmal eine solche Rhapsodie - » die Widersprüche und Gegensätze verschlingen einander darin wie die Infusorien in einem faulenden Wassertropfen ... So geht es immer , wenn widerstreitende Begriffe zusammengepfercht werden . Ein Ganzes hassen und seine Teile lieben ; - als Mensch so und als Landesangehöriger so denken wollen - das geht nicht : entweder - oder . Da lobe ich mir den Botokudenhäuptling : der empfindet für die Anhänger eines anderen Stammes - von denen er nicht einmal weiß , daß sie » Individuen « sind - weiter nichts , als den Wunsch , sie zu skalpieren . « » Aber Martha , mein Kind , solche wilde Gefühle passen doch nicht zu dem gesitteten und humaner gewordenen Stand unserer Kultur . « » Sage lieber , der Staub unserer Kultur paßt nicht zu der aus alten Zeiten uns überkommenen Wildheit . So lange diese - das heißt so lange der Kriegsgeist nicht abgeschüttelt ist , läßt sich unsere vielgepriesene » Humanität « nicht vernünftig vertreten . Denn Du wirst doch Deine eben gehaltene Rede , in welcher Du dem Prinzen Heinrich versicherst , daß Du ihn als Schwiegersohn lieben und als Preußen hassen willst , als Menschen hochschätzen und als Oberlieutenant verabscheuen , daß Du ihm gern Deinen väterlichen Segen gibst und zugleich ihm das Recht einräumst , gelegentlich auf Dich zu schießen - verzeih ' , lieber Vater , aber diese Rede wirst Du doch nicht für vernünftig ausgeben ? « » Was sagst Du ? Ich versteh ' kein Wort ... « Die beliebte Schwerhörigkeit hatte sich wieder rechtzeitig eingestellt . Nach wenigen Tagen wurde es wieder still auf Grumitz . Unsere Einquartierung mußte abziehen und auch Konrad wurde zu seinem Regiment befohlen . Lori Griesbach und der Minister waren schon früher abgereist . Die Hochzeit meiner beiden Schwestern ward auf den Oktober verlegt . Beide sollten am selben Tage in Grumitz getraut werden . Prinz Heinrich wollte den Dienst verlassen ; jetzt nach diesem glorreichen Feldzuge , in welchem er sich Beförderung geholt , konnte er dies leicht thun , um sich auf seinen Lorbeeren und seinen Besitzungen auszuruhen . Der Abschied der zwei Liebespaare war ein schmerzlicher und glücklicher zugleich . Man versprach , sich täglich zu schreiben , und die sichere Aussicht auf das nahe Glück ließ das Scheideweh nicht recht aufkommen . Sichere Aussicht auf Glück ? ... Die gibt es eigentlich nie - doch zu Kriegszeiten am allerwenigsten . Da schwebt das Unglück so dicht wie Heuschreckenschwärme in der Luft ; und die Chancen , auf einem Fleckchen zu stehen , welches von der niedergehenden Geißel verschont bleibt , sind gar geringe . Freilich - der Krieg war aus . Das heißt , man hatte erklärt , daß der Frieden geschlossen sei . Ein Wort genügt , die Schrecknisse zu entfesseln , und da meint man wohl auch , ein Wort könne genügen , dieselben sogleich wieder aufzuheben - doch dies vermag kein Machtspruch . Die Feindseligkeiten werden eingestellt , aber die Feindseligkeit dauert fort . Der Samen für künftige Kriege ist gestreut und die Frucht des eben beendigten Krieges entfaltet sich weiter : Elend , Verwilderung , Seuchen . Ja , da half kein Leugnen und Nicht-dran-denken mehr : - die Cholera wütete im Lande . Es war am Morgen des 8. August . Wir saßen Alle um den Frühstückstisch unter der Veranda und lasen unsere eben eingelaufenen Postsachen . Die zwei Bräute fielen auf die an sie gerichteten Liebesbriefe her - ich blätterte in den Zeitungen . Aus Wien die Nachricht : » Die Cholera-Sterbefälle mehren sich bedenklich ; nicht nur in den Militär- auch in den Civilspitälern sind schon viele Erkrankungen signalisiert , die als echte cholera asiatica bezeichnet werden müssen , und die energischsten Maßregeln werden allenthalben ergriffen , um der Verbreitung der Epidemie zu steuern . « Ich wollte die Stelle laut vorlesen , als Tante Marie , welche den Brief einer Freundin aus einem Nachbarschlosse in Händen hielt , erschreckt aufschrie : » Entsetzlich ! Betti schreibt mir , daß in ihrem Hause zwei Personen an der Cholera gestorben sind und jetzt auch ihr Mann erkrankt sei . « » Excellenz , der Lehrer wünscht zu sprechen . « Hinter dem Diener trat auch schon der Gemeldete heran . Er sah