fort , einen Tag wie alle Tage ... Man wird älter , enger , die Ausschweifungen , die doch nur die Folgen von großen , elementaren Jugendleidenschaften der Seele waren , rächen sich , die Nerven rebelliren , man merkt : es geht mit dem ganzen Kerl bergab ... Na ! Und man läßt ' s halt gehen ... Was bleibt Einem auch übrig ! Nur manchmal , erst seltener , dann häufiger , tauchen so allerhand verflucht faule , weil arg philiströse Gefühle und Wünsche auf , die großen Stunden werden immer seltener , man schmilzt sich unwillkürlich immer natürlicher und zwangloser der Masse ein , in so vielen Punkten geht das Sonderbewußtsein ganz flöten , man sehnt sich nach einem engeren Kreise , einer festeren Scholle , einer gesicherteren Stätte , allwo man in Frieden leben , vielleicht auch noch ' n Bissel schaffen und wirken und nachher in Frieden sterben darf , nachdem man noch Dies und Das von der Welt und ihren Reizen genossen hat und einigermaßen soweit zufrieden , ist , um nicht allzuviel von einem problematischen anderen Leben noch erwarten zu müssen ... Das ist so ein Resultat , zu dem man kommt , eine der schönen und holden Erfahrungen , die man an sich macht . Eine andere Erfahrung , die bei solchen verwickelten und zerdröselten Persönlichkeiten , wie Unsereiner nun einmal eine ist , auftritt - und noch dazu mit jener ersten oft in intimster , örtlicher und zeitlicher Nachbarschaft , ist die , daß man die individuelle Differenz mit der Gesellschaft , der Menge , der Masse festhält , ja erweitert , steigert ... Man sagt sich von einer Anschauung nach der anderen , an welcher die Gesellschaft ihrer lumpichten Fortexistenz halber festhalten zu müssen glaubt , los - kritisirt Alles und man verwirft Alles , Formen , Ideen , Einrichtungen , Anschauungen , Gewohnheiten ... Ist man sich in Diesem und Jenem noch nicht klar darüber , ob man Ja ! oder Nein ! dazu sagen soll - weiß der Teufel ! - man hat doch eine instinktive Abneigung dagegen ... Oft begnügt man sich mit dieser instinktiven Abneigung , man verwirft , weil man einmal im Zuge ist , zu verwerfen - und kommt so zu einer Paralyse des Seelenlebens , die entsetzlich ist und auf die Dauer unerträglich . Mit der Zeit wird man aber auch hierin stumpfer und gleichgültiger . Man wird überhaupt müde und lethargisch . - Das ist schon kein Pessimismus mehr , das ist regelrechte Décadence und Auflösung des ganzen Menschen . Vielleicht befinde ich mich schon in diesem verheißungsvollen Stadium des inneren Lebens . Und so bin ich denn , eben in Folge dieser köstlichen Reife meiner Natur , im Stande , vernünftig zu werden - ich komme auf einem zweiten Wege zu demselbem Resultate - das heißt : ich versuche mir die Mittel zu schaffen , jenes vernünftige Leben führen zu können - in meinem Falle : ich verheirathe mich reich . Das ist der bequemste Modus . Nicht wahr - ? Das wirst Du zugeben müssen , Emmy . Und dann könnte ja auch die Möglichkeit eintreten , daß sich jene bewußten , theoretischen Erkenntnisse und radikalen Anschauungen bei mir so festsetzten , daß sie unwillkürlich zur reflektorischen Auslösung von ihnen entsprechenden Handlungen führten - und zu solchen abnormen Handlungen , die Einen sofort in den allerdirektesten Bruch mit der Gesellschaft bringen würden , kann sich nur der versteigen , der es aus äußeren , also aus materiellen Gründen nicht nöthig hat , nach der Sanktionirung seiner Handlungen von Seiten der Gesellschaft zu fragen . Sonst - müßte er auf diese Sanktionirung sehen , müßte er mit diesem Moment rechnen - du lieber Himmel ! - wenn er seinem Jammer nicht selbst ein redliches Ende setze - er würde in der That sehr bald zerrieben und zermalmt , zerrissen , zerquetscht werden ... Also heirathe ich meine Lydia - nicht wahr ? - nun begreifst Du ... Ob ich das Weib liebe - ich weiß es nicht . Vielleicht , vielleichter auch nicht . Es ist ja Alles Stimmung bei mir , Emmy , Alles ... Und Hedwig - ? Ja wohl ! Sie dauert mich , sie thut mir leid , sogar sehr leid - aber was will ich machen - ? Im Grunde ist sie selbst schuld an ihrem Unglück . Ich habe ihren Vater und sie sattsam über meine Anschauungen , Gewohnheiten , über die Art meines Handelns aufgeklärt . Es ist ja wahr , daß ich sie sozusagen in Versuchung geführt habe . Warum hat sie mir aber nicht widerstanden ? Sie konnte nicht , sie mußte aus Gründen , die bei ihr gültig waren und sie zwangen , unterliegen . Sie ist eben auch nicht verantwortlich zu machen , nur muß sie eben als Object , in dem und an dem sich Etwas ereignete , auch die Folgen dieser Ereignisse tragen . Das müssen wir eben Alle . Was kann ein Getreideacker dafür , daß ein Gewitter über ihn niedergeht ? Er muß die Folgen hinnehmen , muß sich zerstampfen lassen , muß seine Aehren opfern ... So springt die Natur mit uns Allen um - und uns bleibt bloß die statistische Recapitulation , die sauersüße Resignation - nichts weiter . - C ' est tout . Das ist Alles , aber auch andrerseits - gerade genug . Siehst Du , Emmy , Du bist doch vielleicht das einzige Weib von allen Weibern , mit denen ich in der letzten Zeit verkehrt habe , dem ich tiefer zugethan gewesen . An Dir hänge ich vielleicht sogar jetzt noch am Meisten . Ich habe neulich eine schlaflose Nacht Deinetwegen gehabt . So ' was ist immer verdächtig . Und wenn ich nun also hingehe und mich mit einer anderen ... einer anderen Dame verbinde , die - verzeih ' ! - die keine so Eine ist - wenn ich ins andere Lager desertire - - nun ,