seither kaum beachtet . » Das ist Kurpfuscherei , « sagte er ; » auch ist die Kassa gar nicht krank , ganz wo anders sitzt das Übel und zwar an einer Stelle , wo überhaupt kein Arzt hinkommen kann . Die Kasse hat ein böses Loch , das ist wahr , aber das verstopft man nicht mit Zeitungspapier . Das geht bloß das königliche Haus an und da hat sich kein Unberufener einzudrängen . Das sind Familienangelegenheiten , die nicht in die Öffentlichkeit gehören ; die Prinzen werden schon wissen , was sie zu thun haben . Sie sollen ' s nur machen , wie ich ' s mit meinem Neffen gemacht habe . Aber freilich , Unzukömmlichkeiten sind da nicht zu vermeiden . Man muß keck zugreifen . « Nachdem jedoch auch die Berliner und Frankfurter Blätter Betrachtungen über die bayerische , Kabinetskasse anstellten und lange Auszuge mit allerhand Glossen aus den Sanierungsartikeln brachten , faßte der Kommerzienrat die Sache schärfer ins Auge ; heute zum erstenmal hat er einen solchen Artikel ganz gelesen und sich bemüht , seinen Inhalt zu durchdringen . Er glaubte das seiner Stellung als Münchener Finanzgröße schuldig zu sein . » Eine verwickelte Geschichte . Der König baute eben , wie er aus Geschäft kam , meinen alten Biswanger haben sollen . So ein junger Monarch ohne volkswirtschaftliche Erfahrungen und Kenntnisse und den Kopf voll Wagelaweia ... ein kompletter Phantasiemensch ... « Er griff nach einem anderen Blatt . » Nein , jetzt wächst mir die Volkswirtschaft selber zum Hals heraus . Wie diese armen Schlucker von Zeitungsschreibern mit ihrer Finanz-Gescheidigkeit sich aufspielen , übersteigt alle Begriffe . Das ist heute nun schon der dritte Artikel über das Thema mobiles Kapital und Grundbesitz ... Ich wette , daß der Schreiber weder Kapitalist noch Grundbesitzer ist , also gar keinen Dunst von der Sache hat . Wer etwas hat , der hält ' s zusammen und macht keine Redensarten , und wer nichts hat , der schaue , daß er etwas bekomme , inzwischen kann er mir mit seiner Weisheit gewogen bleiben . Übrigens lese ich da doch einen guten Satz : Einstweilen ist die übliche Schimpferei auf die Kuponsabschneider und die Rentenbesitzer , welche angeblich vom Schweiße der ehrlichen Arbeit leben , geradezu eine Lächerlichkeit . Natürlich ist sie das . Das habe ich meinen Leuten immer gesagt , wenn sie mir mit ihren sozialdemokratischen Flausen gekommen sind . Der Eine muß im Schweiße seines Angesichtes seine Renten erarbeiten , der Andere muß im Schweiße seines Angesichts seine Renten verzehren . Ich sehe da keinen so großen Unterschied ... Hier schon wieder ein Wischiwaschi-Artikel : Die volkswirtschaftliche Mitleidenschaft des Rentenkapitals . Das ist der Zeitungsgenuß in einer Kunststadt ! Als ob sich die Kerls das Wort gegeben hätten , von nichts anderem zu schreiben , damit ja diese Dinge dem unzufriedenen Volk immer im Kopf herumgehen , bis sie an gar nichts anderes mehr denken und die rote Drehkrankheit kriegen und ihr bischen Verstand vollends verlieren . Alle besseren Empfindungen sterben ab , wenn die Menschen immer an den Geldsack denken . Wo will denn das noch hinaus ? Wer keine Kinder hat , dem kann , schließlich die ganze Lumpenkomödie Wurst sein , wenn doch einer den andern auffrißt - wer aber Kinder hat , der besinnt sich , solche brennende Fragen ins Volk zu schlendern , die niemals gelöst werden können , so lange der Menschheit Besitz und Eigentum noch heilig sind . Wer an das Gut meiner Kinder tastet , Kapital , Fabrik , Grundbesitz , den schlag ' ich nieder : das ist meine Sozialpolitik ... Hier ein Artikel über Das Wohnungselend der arbeitenden Klassen . Den les ' ich nicht . Schade für die Druckerschwärze . Jeder wohnt halt so gut oder schlecht als es seine Verhältnisse erlauben . Daran ändert keine Salbaderei etwas . Nach der Bibel hatte Jesus Christus nichts , wo er sein Haupt hinlegte . Und er war Gottes Sohn ! Wir sind nur armselige , Menschen . Gottes Sohn war eigentlich obdachlos und wenn er heutzutage und in Bayern lebte , wäre er in schöner Verlegenheit , wenn ihn ein Gendarm nach seinem Unterstand und seinen Existenzmitteln fragte . Dagegen bewohnt sein dermaliger Stellvertreter auf Erden , der Papst in Rom , einen Palast , der elftausend Wohngemächer enthält , und erfreut sich einer Jahreseinnahme von mehreren Millionen . Man spricht jetzt wieder so viel von praktischem Christentum . Ich sehe aber nicht , daß es die Wortführer desselben anders als wir treiben . Also möge man uns in Ruhe lassen . « In einem andern Blatte fand er einen Aufsatz » Volkswirtschaft und Schule . « Der kam ihm über alle Maßen lächerlich vor . » Also die Schulkinder möchten ' s auch schon mit ihren Theorieen verhetzen . Großartiger Fortschritt ! Wenn jetzt zum Beispiel der Schlichting da hinten , ein gutmütiger und gelehrter Bursch , der keinen roten Heller von Haus aus hat , meinen drei Söhnen seine Volkswirtschaft auskramen wollte ! Das wär ' ja so dumm , daß eine alte Kuh den Lachkrampf kriegen mußte . Solchen Schulmeistern wollt ' ich aber heimleuchten . Ei , da kommt ja eine Musterlektion , die muß ich des Spaßes halber doch lesen . Hören wir ! « Raßler pflegte Geschriebenes oder Gedrucktes , das er rasch seinem Verständnis näher bringen wollte , sich halblaut vorzulesen , um mittelst des Ohres sich die Auffassung zu erleichtern . In eintönig singender Weise las er folgendes : » Für wenige hundert Mark erwirbt jemand eine Bodenfläche , abseits gelegen und wenig fruchtbar , ohne sonderlichen Wert für irgend einen Zweck . Einige Zeit später wird durch Neuanlage einer Straße , einer Eisenbahn , eines Kanals jene Gegend dem Verkehr erschlossen . Die Stadt dehnt sich nach jener Richtung hin aus und der Wert des Grundstücks wächst mit jedem Jahre . Bald ist die jüngst noch wertlose Fläche ein vielbegehrter Baugrund und der Eigentümer