den Fluß fuhren , die durchsichtig grünen Wellen sich rauschend am Schiffe brachen und unter uns wegzogen , während wir doch auf Pferden saßen und uns in einem Halbbogen über die Strömung weg bewegten . Und wieder glaubten wir uns in einen andern Traum versetzt , als wir , am andern Ufer angekommen , langsam einen dunklen Hohlweg emporklommen , in welchem schmelzender Schnee lag . Hier war es kalt , feucht und schauerlich ; von den dunklen Büschen tropfte es und fielen zahlreiche Schneeklumpen , wir befanden uns ganz in einer kräftig braunen Dunkelheit , in deren Schatten der alte Schnee traurig schimmerte , nur hoch über uns glänzte der goldene Himmel . Auch hatten wir den Weg nun verloren und wußten nicht recht , wo wir waren , als es mit einem Male grün und trocken um uns wurde . Wir kamen auf die Höhe und befanden uns in einem hohen Tannenwald , dessen Stämme drei bis vier Schritte auseinander standen , auf einem dicht mit trockenem Moose bedeckten Boden , und die Äste hoch oben in ein dunkelgrünes Dach verwachsen , so daß wir vom Himmel fast nichts mehr sehen konnten . Ein warmer Hauch empfing uns hier , goldene Lichter streiften da und dort über das Moos und an den Stämmen , der Tritt der Pferde war unhörbar , wir ritten gemächlich zwischendurch , um die Tannen herum , bald trennten wir uns , und bald drängten wir uns nahe zusammen zwischen zwei Säulen durch , wie durch eine Himmelspforte . Eine solche Pforte fanden wir aber gesperrt durch den quergezogenen Faden einer frühen Spinne ; er schimmerte in einem Streiflichte mit allen Farben , blau , grün und rot , wie ein Diamantstrahl . Wir bückten uns einmütig darunter weg , und in diesem Augenblicke kamen sich unsere Gesichter so nah , daß wir uns unwillkürlich küßten . Im Hohlweg hatten wir schon zu sprechen angefangen und plauderten nun eine Weile ganz glückselig , bis wir uns darauf besannen , daß wir uns geküßt , und sahen , daß wir rot wurden , wenn wir uns anblickten . Da wurden wir wieder still . Der Wald senkte sich nun auf die andere Seite hin und stand wieder im Schatten . In der Tiefe sahen wir ein Wasser glänzen , und die gegenüberstehende Berghalde , ganz nah , leuchtete mit Felsen und Fichten im hellen Sonnenscheine durch die dunklen Stämme , unter denen wir zogen , und warf ein geheimnisvolles Zwielicht in die schattigen Hallen unseres Tannenwaldes . Der Boden wurde jetzt so abschüssig , daß wir absteigen mußten . Als ich Anna vom Pferde hob , küßten wir uns zum zweiten Male , sie sprang aber sogleich weg und wandelte vor mir über den weichen grünen Teppich hinunter , während ich die beiden Tiere führte . Wie ich die reizende , fast märchenhafte Gestalt so durch die Tannen gehen sah , glaubte ich wieder zu träumen und hatte die größte Mühe , die Pferde nicht fahrenzulassen , um mich von der Wirklichkeit zu überzeugen , indem ich ihr nachstürzte und sie in die Arme schloß . So kamen wir endlich an das Wasser und sahen nun , daß wir uns bei der Heidenstube befanden , in einem wohlbekannten Bezirke . Hier war es womöglich noch stiller als in dem Tannenwalde und am allerheimlichsten ; die besonnte Felswand spiegelte sich in dem reinen Wasser , über ihr kreisten drei große Habichte in der Luft , sich unaufhörlich begegnend , und das Braun auf ihren Schwingen und das Weiß an der inneren Seite wechselten und blitzten mit dem Flügelschlage und den Schwenkungen im Sonnenscheine , während wir unten im Schatten waren . Ich sah dies alles in meinem Glücke , indessen ich den guten Gäulen , welche nach dem Wasser begehrten , die Zäume abnahm . Anna erblickte ein weißes Blümchen , ich weiß nicht , was für eines , brach es und trat auf mich zu , es auf meinen Hut zu stecken ; ich sah und hörte jetzt nichts mehr , als wir uns zum dritten Male küßten . Zugleich umschlang ich sie mit den Armen , drückte sie mit Heftigkeit an mich und fing an , sie mit Küssen zu bedecken . Erst hielt sie zitternd einen Augenblick still , dann legte sie ihre Arme um meinen Hals und küßte mich wieder ; aber bei dem fünften oder sechsten Kusse wurde sie totenbleich und suchte sich loszumachen , indessen ich ebenfalls eine sonderbare Verwandlung fühlte . Die Küsse erloschen wie von selbst , es war mir , als ob ich einen urfremden , wesenlosen Gegenstand im Arme hielte , wir sahen uns fremd und erschreckt ins Gesicht , unentschlossen hielt ich meine Arme immer noch um sie geschlungen und wagte sie weder loszulassen noch fester an mich zu ziehen . Mich dünkte , ich müßte sie in eine grundlose Tiefe fallen lassen , wenn ich sie losließe , und töten , wenn ich sie ferner gefangenhielt ; eine große Angst und Traurigkeit senkte sich auf unsere kindischen Herzen . Endlich wurden mir die Arme locker und fielen auseinander , beschämt und niedergeschlagen standen wir da und blickten auf den Boden . Dann setzte sich Anna auf einen Stein , dicht an dem klaren tiefen Wasser , und fing bitterlich an zu weinen . Erst als ich dies sah , konnte ich mich wieder mit ihr beschäftigen , so sehr war ich in meine eigene Verwirrung und in die eisige Kälte versunken , die uns überfallen hatte . Ich näherte mich dem schönen , trauernden Mädchen und suchte eine Hand zu fassen , indem ich zaghaft ihren Namen nannte . Aber sie hüllte ihr Gesicht fest in die Falten des langen grünen Kleides , fortwährend reichliche Tränen vergießend . Endlich erholte sie sich ein wenig und sagte bloß : » Oh ! wir waren so froh bis jetzt ! « Ich glaubte sie zu verstehen , weil ich ziemlich das gleiche fühlte , nur nicht