Mitternacht könnte keinen größern Affekt zuwege bringen , und darbeisein möcht ich wohl ! O und Tonie ! Unsere Tonie ! ... Das wär alles , als wenn das Mühlrad angehalten wird und alles still wird ! O Herr von Glaubigern , Herr von Glaubigern , aber seit dreißig Jahren , ich will sagen , seit zwanzig Jahren haben Sie ja keinen Fuß vom Lauenhof gesetzt . Vor zwanzig Jahren waren Sie einmal in Hannover - « » Und jetzt reise ich nach Wien ! « sprach der Ritter mit seinem mildesten Lächeln , bot dem Fräulein von Saint-Trouin den Arm und führte es von der Terrasse herab , dem Hause zu . » Es ist wohl nicht möglich ! « stöhnte Jane Warwolf und fiel auf die nächste Bank . Zufällig führte den Administrator sein Weg eine Viertelstunde später in den Pavillon . Mit einer Weizenähre zwischen den Zähnen kam er summend daher , wahrscheinlich , um von neuem , wenigstens in Gedanken , die Axt an das chinesische Wunder zu legen . Bei seinem Nahen erwachte Jane aus ihrer Betäubung , erhob sich und fragte : » Sagen Sie , Herr Fröschler , waren Sie schon einmal da hinten - dort um die Ecke , in Quedlinburg ? « » Ich hatte einige Male das Vergnügen , meine Hochverehrteste . « » Und hat man Ihnen auch die alte ausgeräucherte Äbtissin gezeigt ? « Freund Fröschler schnalzte wie in der Erinnerung eines hoben Genusses mit der Zunge : » Die schöne Aurora ? Die holde Gräfin von Königsmark ? Ich hatte die Ehre - o delikat - brr ! Sehr Pergament und Wurmfraß - zehn Silbergroschen an den Küster . « » Nun , Herr Fröschler , so will ich Ihnen etwas sagen . Die hat sich auf heut nachmittag zum Kaffee angemeldet und kommt im Staat - sechsspännig - und Sie mögen ihr entgegenreiten ! « Damit humpelte auch die Alte dem Hause zu , und der Administrator stand , sah ihr nach , nahm die Ähre aus dem Munde , wirbelte sie zwischen den Fingern und murmelte : » Das weiß der Teufel ! Hätt man nicht diesen festen Boden unter sich und tagaus , tagein mit den Lümmeln vom Eichsfelde zu tun , das Grauen sollte einem über diese alten Spukgestalten , die man hier zur Gesellschaft hat , am hellichten Tage ankommen . « Zweiunddreißigstes Kapitel Das Nest mit dem unbekannten welschen Namen , wie die Frau Jane Warwolf die hochberühmte Stadt und Festung Verona für gewöhnlich zu bezeichnen pflegte , quoll über . Die bombenfesten Speicher , die wunderbaren Kasematten über und unter der Erde , die Vorratskammern in allen Innen- und Außenwerken und in den großen Forts San Felice und San Pietro waren mit allem angefüllt , was ein kriegserfahrener Festungskommandant nur irgend wünschen konnte . Der weißröckigen Infanterie lief das Wasser im Munde zusammen , wenn sie nur an die Herrlichkeiten dachte ; und vor allen Vorratskammern wurden Doppelposten ausgestellt , um einen größern Teil der Besatzung des Vergnügens und der Ehre teilhaftig machen zu können , das Gewehr vor der unberechenbaren strabbondanza zu schultern . Unberechenbar ? No , signori ! Die Veroneser wußten ziemlich genau , was die neue Verproviantierung ihrer Stadt gekostet hatte , und der Edle Dietrich Häußler von Haußenbleib wußte es ganz genau . Er hatte seine sämtlichen Posten auf dem Papiere . Er konnte in jedem beliebigen Moment in ausführlichster Weise Rechenschaft ablegen , und die Kommission , welche ihm denn bei Gelegenheit diese Rechenschaft abgenommen hatte , war mit seinen Leistungen aufs höchste zufrieden und wußte , wenn auch nicht so sicher wie der Edle , doch jedenfalls so genau als die Veroneser , daß man in diesem kostspieligen irdischen Jammertal nichts umsonst bekam . Was die Privatangelegenheiten des Edlen von Haußenbleib anbetrifft , so können wir uns auch in dieser Hinsicht beruhigen : der Edle hatte nicht nur ein anständiges , sondern auch ein sehr gutes Geschäft gemacht und einen neuen Orden dazugewonnen . Der sardinische Orden des heiligen Lazarus war es selbstverständlich nicht , und daß jener Herr , welcher dem Junker von Lauen zu einem ähnlichen Schmucke helfen wollte , nichts mit der Dekoration zu tun hatte , konnte ihren Wert nur erhöhen . Was jener Herr geben konnte , das hatte der Edle längst sich selber verschafft . - Figaro là - Figaro quà ! Noch einmal wandelte der Edle Dietrich Häußler von Haußenbleib , ein wohlbeleibt , behäbig Männlein und immer noch Grau in Grau , über den Schauplatz seiner segensreichen Tätigkeit , hierhin grüßend , dorthin winkend und einen letzten Sorbetto auf der Piazza Bra schlürfend . Welcher Vogel um diese Jahreszeit in dem Granatbaum singen mochte , es gab keinen vergnügteren Vogel rund um die dreifachen Verteidigungslinien der Stadt als den Edlen von Haußenbleib am letzten Abend seines diesmaligen Aufenthalts in Verona . » Ich werde auch dem Mädchen einen Spaß machen , so wenig sie es um mich verdient ! « murmelte er . » Aber wenn man der ganzen Welt seinen Segen geben möchte , wie könnte man da sein eigen Fleisch und Blut ausschließen ? In Venedig kaufe ich dem dummen Ding einen Schmuck , so prachtvoll ich ihn finde , und da ich den Conte ebenfalls dort finden werde , so meine ich , wir bringen auch diese Angelegenheit , da wir augenblicklich so gut im Zuge sind , endlich in Richtigkeit . Da kann sich das Tonerl dann wirklich nicht beklagen , daß ich mit leeren Händen nach Haus gekommen sei , und hoffentlich wird sie dann sowenig gegen den Grafen wie gegen den Schmuck mit ihren gewöhnlichen albernen Einwendungen vorrücken und mir die Laune verderben . « Er sah in diesem Moment nicht darnach aus , als ob er sich je in seinem Leben die gute Laune habe verderben lassen . Nicht ohne eine gewisse Berechtigung Evviva Vittorio Emanuele summend , zog er sich in sein Quartier zurück und reiste am