zurück und griff nach der Hand Franziskas . Auf das Fränzchen stützte er sich , als er langsam und unsicher die Treppenstufen emporstieg : und so begegnete er in dem Hausflur dem Kandidaten , an welchem ebenfalls die gnädige Frau gleich einem Sturmwind vorbeigefahren war . Dünn , schwarz und schattenhaft trotz seines Pelzes sah der Geheime Rat auch jetzt aus ; aber ach , das Federwerk in seinem Innern war nun ganz und gar in Unordnung , und heftig mußte Hans darüber erschrecken , wie über alle Maßen unglücklich und hülflos der Geheime Rat umhersah . Er reichte dem Hauslehrer die Hand , die wie im Fieber zitterte , und sagte , er freue sich , den Herrn Kandidaten so wohl zu sehen , und es sei ein recht unangenehmes Wetter heute . Und als in diesem Augenblicke die Glocke der gnädigen Frau , im heftigen Affekt angezogen , durch das Haus gellte , fuhr er zusammen , faßte den Arm Fränzchens fester und flüsterte : » Mein armes Kind , arme Kleophea ! Es konnte ja nicht anders kommen - arme Kleophea . « Mit Tränen in den Augen stand Hans Unwirrsch am Fuße der Treppe und sah dem Fränzchen nach , wie sie den gebrochenen Mann stützte und führte . Fünfundzwanzigstes Kapitel Wenn es regnete , als wir den zweiten Teil unseres Buches schlossen , so regnet es nicht weniger , indem wir den dritten Teil desselben anfangen . Wer etwas einem Regenschirm nur irgend Ähnliches sein nannte , spannte es auf und schritt darunter her , ohne sich zu schämen . Alle Hunde ließen die Ohren hängen und zogen die Schwänze zwischen die Hinterbeine , alle ausgehängten Mietzettel an den Fenstern drehten und wendeten sich im Winde und zeigten bald ihre Vorderseite , bald ihre Rückseite . Man zählte den sechsten Oktober , und es war neun Uhr morgens ; an der Ecke der Grinsegasse erschien das ungesegnete Individuum , das bei solchem Wetter eine Wohnung suchte - Herr Johannes Unwirrsch , Kandidat der Theologie aus Neustadt und der Kröppelstraße . Den Kragen des Überrockes in die Höhe geklappt , den Hut in die Stirn gedrückt , den aufgespannten Regenschirm nach dem Nacken zu gesenkt , die Nase suchend , forschend hoch in der Luft , wurde er herangeblasen , und alle Dachrinnen der Grinsegasse begrüßten ihn lustig plätschernd . Es war durchaus nicht angenehm , bei solchem Wetter vor die Tür gesetzt worden zu sein und eine andere Tür suchen zu müssen ; der Gedanke daran erregt Gefühle , die eine kleine Abschweifung sehr verzeihlich erscheinen lassen . Unser Herr ! Die Betonung dieser beiden Worte unterliegt den verschiedenartigsten Abschattungen . Anders sprechen sie die Leute einer gewissen Partei aus , anders die Frommen , anders die Bedienten , anders die bedrängten Familien größerer Städte , die auf der Grenze zwischen Kaum genug und Fast zuwenig ihre pekuniären Umstände dadurch zu verbessern sich bemühen , daß sie einen heimatlosen Junggesellen anlocken , einfangen und ihm ein möbliertes oder unmöbliertes Zimmer ihrer Wohnung veraftermieten . » Unser Herr « ist jener Zugvogel , der , ohne ein eigenes Nest zu besitzen , kommt und unterkriecht , wo und wie es ihm seine Mittel erlauben , und der verschwindet , wie er gekommen ist , nur wenige und schlechte Spuren hinter sich lassend . Die bedrängte Familie wird diesem oft sehr unsoliden Vogel gegenüber eigentlich nur durch die Frau des kleinen Beamten und Handwerkers oder die Frau an und für sich , die » redliche Witwe « , kurz und gut , die » Madam « repräsentiert . Sie ist es , der die Folgerungen der Spekulation zufallen ; sie ist es , die Unsern Herrn lobt , über ihn schimpft und ihn mit Klagen beim Bezirkspolizeileutnant bedroht . Sie ist es , die dafür sorgt , daß Unser Herr im Winter grad am Erfrieren vorbeirutscht ; sie ist es , die seine Vorräte beaufsichtigt und sich mit demselben Recht seine Haushälterin nennt , mit welchem jene deutschen Kaiser aus dem Hause Habsburg , die Lothringen , Elsaß und so weiter und so weiter verjubilierten , sich » allezeit Mehrer des Reichs « nannten , Sie ist es endlich , die auf Verlangen an jedem Morgen jenes unergründbare Gebräu bereitet , welches Unser Herr unter dem Namen » Kaffee « am liebsten - aus dem Fenster gösse . Unser Herr hat seinen Mietzettel ins Auge gefaßt , die Lage der Dinge und den Inhalt seines Geldbeutels erwogen ; er ist zu einem Entschluß gekommen und tritt in das Haus . Über die Köpfe unzähliger Kinder weg steigt er vorsichtig zu dem Stockwerk empor , in welchem er seine künftige Heimat zu finden hofft , und gelangt auf einen nicht sehr hellen Vorplatz mit vielen Türen , an denen die Visitenkarten der verschiedenartigsten Existenzen kleben . Aufs Geratewohl zieht der Heimatlose einen Glockenstrang und wartet vergeblich einige Minuten auf Antwort . Er zieht eine andere Glocke neben einer andern Tür und erhält auf seine Frage , ob hier eine Wohnung zu vermieten sei , von einem Rüpel eine grobe verneinende Antwort . Unser Herr mag die dritte Glocke ziehen , und nach einigem Zögern entschließt er sich dazu . Diesmal taucht eine Weiberhaube in der Dämmerung auf ; die Frage wird wiederholt , und die Antwort lautet bejahend . Unser Herr seufzt aus tiefster Brust und folgt der Dame , die ihn bittet , einzutreten . Er tritt aus der Dämmerung in das Tageslicht , und seine Persönlichkeit wird blitzschnell vom Kopf bis zu den Füßen einer ungemein scharfen Kritik unterworfen ; er ist berechtigt , im geheimen die Frage aufzuwerfen , weshalb man eigentlich nicht das schöne Geschlecht mit der Staatspolizei beauftrage . - Fällt die Kritik befriedigend aus , so wird Unser Herr in die zu vermietenden Gemächer eingeführt . Man erlaubt ihm , sich einige Minuten umzusehen , und man beantwortet seine Fragen nach dem Mietzins mit einem gewissen unbeschreiblichen Lächeln , das sich wie