Glas auf einen Zug leerend . Nun setzen Sie sich aber wieder , ich bin noch nicht fertig . Amor trat jetzt einen Schritt zurück , klapperte mit seinem Köcher , wie , um sich zu überzeugen , daß er sich noch nicht verschossen habe , und sprach darauf also : So schrecklich , wie dies Beispiel zeigt , Ist Amor ' s grause Macht ; Doch wird ' s nicht immer ihm so leicht , Manch ' Herz ist streng bewacht ; Es schwärmt der gute Jüngeling , - Bei diesen Worten blickte Amor anbetungsvoll auf Mademoiselle Marguerite - Sie aber ist ein schnippisch Ding . Wenn er von seiner Liebe spricht , So sagt sie : ick versteh ' Sie nicht . Bei dieser für die Eingeweihten sehr verständlichen Anspielung konnte sich Niemand eines Lächelns erwehren , aus dem aber ein lautes Gelächter wurde , als Mademoiselle Marguerite , die von Allem , was Amor sagte , kaum ein Wort verstand , aus dem Lachen der Anderen aber merkte , daß irgend etwas ganz besonders Witziges gesagt sein müsse , sich zu Sophie wandte und ganz laut fragte : Qu ' est-ce qu ' il dit ? Amor hatte Humor genug , in das Gelächter der Anderen mit einzustimmen ; aber alsobald fuhr er mit noch größerem Ernst als vorhin fort : Da kommt in allergrößter Eil ' Der Jüngling denn zu mir , Und fleht : Mit deinem schärfsten Pfeil Triff ' s böse Mädchen hier - Bei diesen Worten legte Amor die Hand auf ' s Herz . Damit sie wisse , wie es thut , Wenn Einer liebet treu und gut . Und ich sodann : Mein feiner Knab ' , Dein Flehen rühret mich , Den schärfsten Pfeil , den ich nur hab ' , Ich schieß ' ihn ab für dich . Wen dieser traf in ' s junge Herz , Der fühlt gar bald den Liebesschmerz . Amor präsentirte einen Pfeil , den er bei den letzten Worten aus dem Köcher genommen hatte . An der Gummikugel war ein Zettel befestigt , auf dem etwas geschrieben stand , was man aus der Entfernung nicht lesen konnte . Er zielte auf Mademoiselle Marguerite und rief mit erhobener Stimme : Wenn das nicht gut für Liebe ist , Sagt ' s mir , wenn Ihr was Bess ' res wißt . Der Pfeil flog vom Bogen , Mademoiselle Marguerite in den Schooß . Amor aber wartete den Erfolg seiner Heldenthat nicht ab , sondern wandte den mit Gänseflügeln geschmückten Rücken und eilte , von dem Gelächter der Gesellschaft gefolgt , zur Thür hinaus . Was steht auf dem Zettel , Marguerite ? Den Zettel müssen Sie zeigen , Mademoiselle ! Das versteht sich ! So riefen Sophie , Franz und der Geheimrath durcheinander . Aber Marguerite hatte kaum einen Blick auf den Zettel geworfen , als ihr ausdrucksvolles Gesicht von dunkler Röthe übergossen wurde . Sie riß in aller Eile das Papier ab und warf es in den Kamin ; Sophie aber , die dies erwartet hatte , war sofort mit dem Schüreisen bei der Hand und schnellte den Zettel , ehe ihn die Flamme ergreifen konnte , geschickt heraus . Marguerite wollte ihr das Document entreißen , Sophie lief damit fort , Marguerite hinterher , während Franz und der Geheimrath sich über die Anstrengungen der kleinen Lacerte , an der schlanken Sophie , der sie kaum bis an die Schultern reichte , hinaufzuspringen , höchlichst ergötzten . Bei ihrer Jagd kamen die jungen Damen in die Nähe der Thür , und da Bemperlein , der sich unterdessen seiner himmlischen Attribute erledigt hatte , gerade hereintrat , so stürzte ihm Marguerite , die ihren Lauf nicht so schnell hemmen konnte , direct in die Arme . Seht Amor ' s heilige Macht ! rief Sophie bei diesem Anblick jubelnd . Hier Marguerite , haben Sie Ihren Zettel wieder . Nachdem ich diesen Erfolg gesehen , will ich gar nicht mehr wissen , was auf dem Recept gestanden hat . Bei diesen Worten überreichte sie mit einem tiefen Knix Marguerite den Zettel , die ihn eiligst im Busen verbarg . Sie haben Ihre Sache brav gemacht , Bemperchen , sagte die übermüthige junge Dame sodann ; ich muß Sie nothwendig auch umarmen . Damit nahm sie den hocherröthenden Bemperlein ohne weiteres bei den Schultern und gab ihm einen herzlichen Kuß . Ich rufe Sie zum Zeugen , Herr Geheimrath , rief Bemperlein , daß die Damen sich um mich reißen , ohne daß ich ihnen die geringsten Avancen mache , und daß , wenn Franz mich fordert , ich ihm keine Satisfaction zu geben brauche . Durch Bemperlein war ein anderer Geist in die Gesellschaft gekommen und Scherz und Lachen die Ordnung des Abends geworden . Die gute Laune des kleinen Kreises stieg in demselben Maße , als das Niveau in der Bowle sank . Nur Marguerite war stiller als vorher , indessen man hatte den Scherz weit genug getrieben und ließ die kleine Lacerte in Ruh ; achtete auch nicht weiter darauf , wenn sie den Platz am Kamin verließ und in dem großen Zimmer auf und ab gehend , ihren Gedanken nachhing ; ja Franz , Sophie und der Geheimrath , die in ein wichtiges Familiengespräch gerathen waren , bemerkten nicht , daß Bemperlein geräuschlos aufgestanden war , sich Marguerite zugesellt und mit ihr ein leises Gespräch angeknüpft hatte , welches bald so interessant wurde , daß sie nothwendig das tiefe Erkerfenster aufsuchen mußten , wo sie vor den Blicken der Gesellschaft am Kamin durch die breiten Falten des schweren Vorhangs gänzlich verborgen waren . Indessen war das Gewebe dieses Vorhangs nicht dicht genug , auch die Schallwellen vollständig zu brechen , und so geschah es denn , daß nach Ablauf von ungefähr fünf Minuten die am Kamine durch ein Geräusch erschreckt wurden , das aus dem Erker kam und unmöglich durch etwas Anderes hervorgebracht sein konnte , als dadurch , daß die