viel mißhandelt und gepeinigt . So bekannte sie mir - so fanden wir uns in der alten Liebe . Es war leicht , sie von ihrem Peiniger zu befreien ; gegen hohen Sold ging er mit uns - er willigte darein , sich von Ulriken zu scheiden und nie wieder in das Elsaß zurückzukehren . « Amadeus holte tief Athmen , Ulrich faßte seine Hand und sagte : » So seid Ihr mein Vater ! « » Wenn das die Geschichte Deiner Mutter ist , « sagte Amadeus , » nur das wußt ' ich nicht gewiß - « » O es trifft Alles , « sagte Ulrich , » bis auf jenen Namen . « » Sie hatte ihren Geschlechtsnamen verändert , auch ihr Mann hat nie ihren wahren erfahren , und den meinigen nicht eher , als bei meiner Rückkehr , da ich sie von ihm forderte - kaufte . « » Weiter - was ward weiter ? « bat Ulrich . Jetzt kam Konrad , blies die Lampe aus und sagte : » Man kommt , wir müssen fort . « Ulrich warf seinen Meißel durch die Oeffnung und sagte : » Der Sohn muß den Vater befreien ! Hier - meißele von innen die Steine locker - in ein paar Nächten komme ich zurück und befreie Dich . « » Fort , fort ! « drängte Konrad . So schnell es in der Dunkelheit und bei den verwickelten Wegen ging , eilten die Beiden zurück . » Nun weißt Du es , daß Dein Geschick das meinige ist ! « sagte Ulrich leise zu ihm . » O hättest Du es doch nie erfahren ! « jammerte Konrad , » hätte ich Dich doch nicht hierher geführt und Amadeus wäre damit gestorben . « » Nein , er darf hier nicht sterben und verderben ! « rief Ulrich , » und wenn es dadurch gleich die ganze Welt erführe und alle Schmach mich träfe : ich kann nicht hierher gekommen sein , um der Mörder meines Vaters zu werden - ich muß sein Retter sein ! « » Still jetzt ! « gebot Konrad . So erreichten sie wieder Ulrich ' s Thür . » Sinn ' auf Mittel , wie wir ihn retten - und habe Dank ! « sagte er zu Konrad ; » ich habe viel gehört - aber das Ende noch nicht ! « » Ich will sehen , was ich thun kann - armer Bruder ! « sagte Konrad . So schieden sie . Der folgende Tag verging für Ulrich peinlich wie die Nächte . Konrad flüsterte ihm zu , daß es ihm erst am dritten Tage möglich sein werde ihm beizustehen . Ulrich war wie im Fieber . Wenn sein Vater indeß stürbe ? - und wenn auch nicht , wie sollte der Plan der Rettung gelingen ? Immer machte er einen neuen , und verwarf ihn wieder , weil irgend ein unüberwindliches Hinderniß oder ein Mangel dabei war . Gern wagte er sein Leben selbst - was war es ihm jetzt ? vielleicht war es in Kurzem dem Schimpf und der Schande geweiht - seine That selbst , ein Wort von Amadeus konnte verrathen werden und ihn verrathen ! - Konrad hatte Recht : wenn Amadeus hier starb , so war mit ihm sein Geheimniß vermauert - draußen , ein flüchtiger , von Kerker und Alter geschwächter Mann , konnte es mit ihm selbst leicht an den Tag kommen . Und war ihm denn dieser Mann , der seine Mutter unglücklich gemacht und den er nie gekannt hatte ? Und war es denn wirklich seine , Ulrich ' s , Schuld , daß er hier für den Frevel litt , den er ja in der That begangen ? Hatten nicht Hieronymus und Konrad gleich ihm die Untersuchung gefordert ? Der Versucher rief diese Frage in Ulrich auf ; aber sein Gewissen und der Ruf der Natur sprachen gleichzeitig : Hebe Dich weg ! Lieber unschuldig leiden für eine fremde Schuld , als sich selbst vor äußerm Unglück schützen durch das Aufsichladen einer eigenen Schuld . Eines Morgens meldete ihm der Pförtner , daß drüben im Oeconomiegebäude Leute wären , die nach Ulrich von Straßburg fragten . Mitten in der Nacht wären sie ganz erfroren angekommen und hätten um Obdach gebeten , das man ihnen auch nicht verweigert - obwohl sie Juden wären , Vater und Sohn . Da sie gehört , daß er hier sei , hätten sie nach ihm verlangt . Ulrich war zwar wenig erbaut von dieser Nachricht , die ihn in ein zweideutiges Licht setzte ; aber er ging , denn er gedachte des Ringes , den er gefunden und an einer Schnur sich umgehangen - ja er erzählte gleich dem Pförtner ohne Weiteres , daß sie wahrscheinlich wüßten , daß er einen Ring gefunden , den die Juden vor seinem Haus verloren , und den er noch nicht abgegeben , weil auch er seiner Sache nicht gewiß sei . Man hatte den Juden nicht in der allgemeinen Herbergsstube Quartier verstattet , sondern nur auf einem Heuboden . Dort fand Ulrich den Vater Ezechiel und seinen - Sohn ; aber in der Männertracht erkannte er Rachel . Die Unterhaltung kam schnell zu Stande . Nach Rachel ' s erster Frage nach dem Ringe ließ er sich denselben von ihr beschreiben , und da die Beschreibung paßte , lieferte er ihn sogleich aus . Ezechiel war überglücklich und redete etwas von Finderlohn . Ulrich wies das stolz zurück und wollte sich entfernen - da fiel sein Blick auf ein Bündel , das der Jude neben sich liegen hatte , dachte daran , wie derselbe immer einen Trödlerkram mit sich zu führen pflegte - ein Gedanke schoß plötzlich in ihm auf ; aber ehe er ihn noch ausgesprochen , begann Ezechiel : » Wir sind Euch verpflichtet zu gar so viel Dank - Ihr solltet uns nicht halten für zu schlecht , ihn Euch abzutragen . Hab '