waren ! Neulich sagte noch Frau Ley - lieber Gott , das arme Twall1 wird nicht mehr lange machen ! - als die Rede davon war , daß sie schon ein Dutzend mal gethan hat als wenn sie sterben wollte : Ich wache auch nur darum immer wieder » uf « , weil mir ' s ist als müßt ' ich die letzte Zehrung ( so heißt ' s ja wol ? ) vom Herrn von Asselyn , d.h. junior ... bekommen ! Senior - dem wünsch ' ich ' s nicht , daß Mutter Ley sich in der Nacht empfiehlt oder gar Morgens , wo die Federn am wärmsten sind ! Ihre freundliche Gesinnung thut mir und uns allen sehr wohl , lieber Herr Wachtmeister ! sagte der Pfarrer und gab Grützmachern die Hand . Aber melden Sie nur ruhig meine Fehler ! Es ist trostlos genug , daß alle Schwächen , alle Gebrechen , die , da wir alle Menschen sind , bei den Geistlichen von sieben Millionen Katholiken nicht ausbleiben können , an den Centralsitz eines andersgläubigen Regiments gemeldet und dort in den Archiven aufbewahrt werden zum Amusement Ihrer Consistorialräthe ! Können wir etwas dafür , daß die Leute jeden Mittwoch nach Jubilate an den Kirchthüren stehen und lärmen und sich weigern dem Rufe der Glocken zu folgen , und Drohungen ausstoßen , die ich diesmal erst beschwichtigte , als ich im Ornat unter sie trat und ihnen sagte : Ein Hochamt ist zu jeder Zeit dem Herrn genehm und wir werden unsere Knie dann gewiß beugen , wenn wir Gott um eine gute Ernte und um die Abwendung von Unwetter und Hagel bitten wollen ! Da kam aber , fuhr Grützmacher fort , mein Kamerad Müller von Stockhofen drüben und hörte , wie geschrieen und gelärmt wurde und wie sie riefen , daß die richtige Hagelschadenmesse erst in ein paar Wochen stattfände und wie sie sich von Ketzern keine Feiertage vorschreiben ließen ! Ich ritt gerade auf Inspection durch , bekomm ' s von Müllern brühwarm , soll ' s » pläng carrière « Landrathn anzeigen und hab ' das nun nicht gethan ! Wie gesagt , die Nase war so lang ! Und deshalb ... buddeln Sie den Alten heute lieber noch als morgen ' raus ! Thun Sie mir ' s zu Liebe ! Bonaventura bot Grützmachern wiederholt die Hand , dann auch ein Glas Wein , blieb aber bei seiner Weigerung . Grützmacher hatte schon lange Lucinden fixirt . Und noch mehr , als diese mit einer fast herausfordernden Miene sagte : Was ist denn aber das ? Ein neuer Feiertag ? Benno erklärte : Es ist merkwürdig mit unserm allergnädigsten König und Herrn ! Es ist gewiß ein ganz vortrefflicher Monarch und man muß ihm nachsagen , daß er für sein tragisches Schicksal von 1806 bis 1813 die gegenwärtige Heilige Allianz-Ruhe verdient hat ! Aber wenn er sie doch nur mit seinem herrlichen Kriegsheer , seinen schönen Bauten und seinem vortrefflichen Theater allein genießen wollte ! Metternich sorgt ja für Schlummer in der ganzen Welt ! Was muß denn nun ewig unsern König so der Geist Gottes drängen , wie ein byzantinischer Kaiser , den Theologen zu machen ! Daß er in seinem ehrenwerthen Glauben die Gegensätze , die dreihundert Jahre alt sind , beim Läuten der Reformationsglocken 1817 versöhnt zu haben meinte und auch einige versöhnte , ist an sich ganz brav von ihm ; nun aber glaubt er , wenn man nur schön gebunden die neue Agende auf die Altäre legt , so wäre sie auch deshalb ins Leben getreten und überall eine Wahrheit geworden ! Meinetwegen drüben ! Aber hüben ? Ausgleichungen auch mit uns ? Sein Gemüth gefällt sich in dem Gedanken , neue Festtage zu erfinden , die in seinen sämmtlichen Staaten mit derselben Gesinnung zu gleicher Zeit gefeiert werden , z.B. einen Buß- und Bettag ! In seiner ganzen Monarchie soll zu einer einzigen gewissen Stunde , wie bei uns das Angelus gebetet wird bei Sonnenuntergang , so in allen seinen Staaten Kirche sein , sowol in den Garnisonskirchen , bei den Feld- und Divisionspredigern wie in unsern alten Domen und neuen Kapellen . Schmuggeln sie uns durch einfachen Gubernialerlaß einen Hagelschadenfeiertag in unser Kirchenjahr , nur damit der liebe sentimentale Herr in seinem Schloßgarten spazieren gehen und sagen kann : Heute zieht die ganze Natur und alle Menschheit in meinen Landen ihren alten Winterrock aus und legt sich äußerlich und innerlich neue Sommerbeinkleider an ! ... Und nach zehn Jahren werden wir wieder weiter kommen , glaubt er , und nach wieder zehn Jahren noch weiter ... und wenn alles gut geht , geben die Consistorialräthe ein bischen heraus und der Papst gibt ein bischen heraus und die schönen Unionstage , die einst Leibniz in Charlottenburg geträumt hat , gehen in Erfüllung ! Hören Sie mal , Herr Freiwilliger ! Herr Freiwilliger ! drohte Grützmacher mit künstlicher Entrüstung , indem er von seinem Portefeuille aufblickte , wo er in Papieren blätterte und mit scharfem Blick wiederholt auf Lucinden , diese musternd , gesehen hatte . Das ist ja gerade als wenn man einen langhaarigen Demagogen reden hörte von Anno Köpenick , Herr von Asselyn ! Das Gemüth regiert die Welt nicht ! warf Lucinde ein . Drei Monarchen stiften eine Heilige Allianz ! fuhr Benno fort . Schon ihre Minister standen damals hinter ihnen und putzten sich nur die Nase , während jene Thränen vergossen ! Grützmacher opponirte nicht länger . Er war die gutmüthigste Seele von der Welt und ohnehin zerstreut durch einige Notizen seines Portefeuilles . Endlich erschreckte er Lucinden nicht wenig , als er sie anredete : Na , Fräulein Schwarz ! Jetzt haben Sie doch wol endlich Ruhe vor uns von wegen dem Paß , den ich Ihnen , ich glaube schon vor sieben Jahren , immer bei Witoborn vergebens abverlangte ! Wissen Sie denn noch , auf Schloß Neuhof ! Na , was macht denn Excellenz der Kronsyndikus ? Und