mehr aufs Dach . Aber die Zuchtrut ist ihm gesund , er soll nur fein demütiger werden , er hat ' s nötig . Das ist mir ein Christentum , wenn man durch eigennützige Konzession im Metzgerhandwerk seinen Mitmenschen das Brot vom Maul wegnimmt , durch Geld und Arglist mehr Freiheit im Handwerk an sich reißt als ein anderer ehrlicher Meister . Nun zeigt sich ' s , was das fruchtet . Der Gewinner , sagt das Sprichwort , muß einen Vertuner haben . Das Auge Gottes siehet alles , höret alles , straft alles zu seiner Zeit . Das Wort des großen Gottes geschähe zu dem Propheten Eli : Darum , daß du nicht sauer gesehen hast zu dieser deiner Kinder Bosheit , so soll die Missetat an dem Hause Eli nicht versöhnet werden , weder mit Speisopfer noch Rauchopfer ewiglich , im ersten Buch Samuelis , im dritten . An den Früchten erkennet man den Baum . Kann man auch Trauben lesen von den Dornen , oder Feigen von den Disteln ? Jetzt hat er ' s und muß zusehen , wie der Sohn seines Vaters ruhmwürdiges Wirtshaus blamiert . Ist ' s nicht so , Adlerwirtin ? « » ' s ist eben e ' Welt « , antwortete diese , welche sich nicht näher in kitzliche Erörterungen einlassen wollte . » Jetzt kann ich mich aber nicht länger aufhalten , denn es will Abend werden , heißt ' s im Evangelium , und der Tag hat sich geneigt . Meine Leut werden ungeduldig , sie wollen fort . Ja , ja , ich komm ja ! « winkte sie gegen ein Häuflein der Umstehenden hin , worunter sich die Ihrigen befanden . » B ' hüt Gott , Kreuzwirt , Ihr wisset ja , der Mensch will eben heim . « Unterdessen hatte man den gefangenen Wildling in das Rathaus geschleppt , wo man ihn gebunden , wie er war , in ein Gelaß warf und liegen ließ . » Der Bursche scheint mir ziemlich betrunken zu sein « , sagte der Amtmann , » er mag seinen Rausch ausschlafen , dann will ich ihn morgen vormittag verhören . Der Herr Pfarrer wird nichts dagegen haben , wenn man einmal am Sonntag Justiz ausübt und ein nötiges Exempel statuiert . Nun wollen wir aber gleich heute noch mit dem Allernötigsten beginnen . « - Er ließ zwei Urkundspersonen rufen und begann sofort eifrig zu amten ; denn wie der Staat im Fürsten , so war in ihm die Gemeinde aufgegangen , ja noch weit mehr . Gleichwie ein absterbender alter Baum , dessen Stamm nach unten schon mürbe und hohl geworden ist , doch in manchem Frühling durch seinen grünen Wipfel zeigt , daß die Wurzel noch frischen Saft nach der Krone zu treiben vermag , so war von der alten württembergischen , aus schwäbisch-deutschem Recht erwachsenen Verfassung an der Spitze des Staatslebens ein Rest zurückgeblieben , der , neben argem Scheinholz zwar , noch lebendige Bestandteile enthielt und dem giftigen Pfropfreise der fürstlichen Alleinherrschaft empfindliche Hindernisse zu bereiten wußte , während das Gemeindeleben beinahe völlig vom Wurm zerfressen und ertötet war . Die Gemeindebehörde , bestehend in Gericht und Rat , den morschen Überresten des altdeutschen Gleichgewichts von Gewalt und Beschränkung , war , in den größeren Ortschaften wenigstens , unter das Regiment eines fürstlichen Beamten gestellt ; sie hatte zwar nicht ganz nichts , aber doch herzlich wenig zu sagen und war von der Wurzel des Gemeindelebens losgerissen , denn sie pflanzte sich , wie der dem Fürsten zur Aufsicht beigegebene ständische Ausschuß - aber nicht so wie dieser von dem noch nicht ganz zugefallenen öffentlichen Auge überwacht - auf dem verrotteten Wege der Selbstergänzung fort , welche noch obendrein in den meisten Fällen ungescheut von dem Beamten selbst in die Hand genommen wurde . Von diesem also , der die fürstliche Herrschaft bei der Gemeinde und die Gemeinde bei der Herrschaft zu vertreten hatte , hing es beinahe ausschließlich ab , welche der beiden Vertretungen , die nur eine gesunde Zeit im Gleichgewichte halten konnte , er bei sich überwiegen lassen wollte . Die eine versprach ihm von einem Volke , dem sein eigenes Rechtsleben fremd geworden war , beinahe mehr Verwirrung als Dank : die andere trug ihm von einem Hofe , der seinen Dienern unbedingt befahl und bald so weit kommen sollte , daß er sich ihre Stellen abkaufen ließ , ja sogar Gemeindedienste , über die er gar nicht verfügen durfte , bis auf den niedrigsten herunter um Geld vergab - lockenden Lohn oder wenigstens Ruhe vor Verfolgung ein . Wenn es in solcher Zeit doch immer noch einzelne Beamte gab , die ihre schwere Doppelstellung gegen oben zu kehren und dem ständischen Widerstände wider die fürstliche Willkür Nachdruck zu geben vermochten , so mußte dies dem Lande , dessen Geschichte ihre Namen zum Teil aufgezeichnet hat , ein tröstliches Zeichen sein , daß die alte gute Wurzel noch nicht völlig erstorben sei und in besseren Tagen den kranken Baum vielleicht wieder zu erneuern vermögen werde . Für einen wilden Schößling aber findet sich in einem selbst faulen Gemeindeleben nicht immer so leicht ein Gärtner , der ihn durch Strenge und Milde zugleich in ein gesundes Reis zu verwandeln versteht . Statt die wilden Triebe , die sie mit schlimmen Tiernamen brandmarken , einzudämmen und die Kraft , die sie mit dem Bilde des Löwen bezeichnen , für das kleinere oder größere Gemeinwesen brauchbar zu machen , eilen sie , weil jeder mit sich selbst genug zu tun hat , ihn als einen schädlichen Knorren auszureißen und ins Feuer zu werfen . So war es , und so oder ähnlich wird es immer sein , wo - nicht ohne Schuld der Glieder , doch mehr noch durch die zum Tode oder zu einer reicheren Zukunft führende Entwickelungskrankheit - in dem Baume selbst die schaffende und heilende Lebenskraft für eine Zeit verkümmert ist . Die nämlichen , die in ihrem Feuereifer