das allerdings Nadelstiche , « sagte er , » aber du mußt sie zu pariren wissen . Waffne deine Haut mit Geduld , tritt fest auf , zeige deinen Frauenzimmern den Herrn , und wenn sie anfangen mit dir zu boudiren , so zwinge dich , darüber zu lachen und nimm die Sache ebenfalls gleichgiltig . « » Wie oft habe ich mir das schon vorgenommen ! « versetzte Eduard mit betrübtem Tone ; » aber ich kann nicht . Ach ! wie könnten wir so glücklich sein , wenn meine Frau anders wäre ! Ich liebe sie immer noch wie damals , und wenn hie und da ihr Gemüth freudig ist und sich in ihrem Auge ein Sonnenstrahl zeigt , so bin ich der glücklichste Mensch von der Welt , vergesse und vergebe Alles , trage sie auf den Händen und - « » Verderbe damit Alles , « warf Arthur ein . - » Aber ich habe gut predigen , wir haben vom Vater das weiche Gemüth , vielleicht ginge es mir gerade so . Du mußt dich in Geduld fassen . « » Ja , « seufzte der Andere , » ich muß mich in Geduld fassen . Aber wenn die Geduld einmal bei mir zu Ende ist , wenn mein trostloses Hauswesen von keinem Strahl der Freude mehr erhellt und wenn es rings um mich immer finsterer wird , dann - - gibt es doch noch einmal ein gräßliches Unglück , « setzte er mit ganz leiser Stimme hinzu . Während dieser Unterredung , die am Fenster und natürlicher Weise nicht laut geführt wurde , schien für die Uebrigen ein Engel oder ein Polizeidiener , wie man zu sagen pflegt , durch das Zimmer zu schweben , denn es sprach weiter Niemand ; nur die alte Dame machte hie und da einiges Geräusch , indem sie mit den Fingern leicht auf dem Tische trommelte , was bei ihr jedoch immer als ein Zeichen ziemlich übler Laune anzusehen war . Dreißigstes Kapitel . Gesellschaftliche Correspondenzen . Um drei Uhr sollte die Probe beginnen , und man hatte bis dahin noch ungefähr eine halbe Stunde Zeit . Der Bediente trat in das Zimmer und überreichte der Kommerzienräthin zwei Briefe . Sie öffnete dieselben , las sie durch und reichte sie dann ihrem Sohne Arthur . » Hochverehrtheste Frau Räthin , « hieß es in dem einen ; » Sie werden wahrscheinlich überzeugt sein , wie außerordentlich schätzenswerth und höchst angenehm mir jede Ihrer freundlichen Einladungen ist . Deßhalb kämpfte ich auch bis heute , ja bis um diese Stunde , ehe ich den Entschluß fassen konnte , Ihnen vorliegende Zeilen zu übersenden , mit denen ich Ihnen , hochgeschätzte Frau , unter tiefstem Bedauern anzeigen muß , daß es mir unmöglich ist , in den lebenden Bildern mitzuwirken . Natürlicher Weise können Sie verlangen , den Grund dieses meines harten Kampfes und späten Schreibens zu erfahren ; aber nehmen Sie es mir nicht übel , werthgeschätzte Frau , wenn ich Ihnen die Wahrheit sage . Es wurde gestern nämlich gerüchtsweise bei Obertribunalraths erzählt , es sei durch Ihren Herrn Sohn Arthur auch eine Einladung zu den lebenden Bildern an den Doktor F. mit seiner Frau gelangt ! - Wenn diese Leute auch hie und da in größeren Gesellschaften gesehen werden , so bin ich fest überzeugt , daß Sie , werthgeschätzte Frau , doch Anstand nehmen , sie zur Aufführung lebender Bilder einzuladen . In einer Soirée kann man sich ausweichen , aber in einem Tableau - meine Töchter befinden sich in unbeschreiblicher Aufregung und Angst . Denken Sie , wenn es Ihrem Herrn Sohn , dem Herrn Maler Arthur , am Ende einfiele , die Frau Doktor F. in einem Bild neben meine Julie oder meine Emilie zu plaziren ! Ich bin fest überzeugt , die Frau würde darauf hin eine nähere Bekanntschaft versuchen , und dafür müßte ich - doch ganz besonders danken . Uebrigens bin ich wie immer mit aller Freundschaft Ihre Albertine Wasser , verwittwete Tutelar-Räthin . « Die Kommerzimräthin hatte , während ihr jüngster Sohn las , jede Miene desselben mit Ruhe aber großer Bestimmtheit betrachtet , ja , sie war mit ihrer langen spitzen Nase seinen Augen gefolgt , wie sie auf dem Papier hin und her liefen , und als bei Erwähnung des Doktors F. und Frau ein verächtliches Lächeln über seine Züge flog , drückte die alte Dame ihre Augenbrauen finster herab und trommelte drohend und in einer unbeschreiblichen Taktart auf dem Tische . » Nun ? « fragte sie streng , nachdem Arthur den Brief durchlesen und nun lächelnd aufschaute . » Was ist an dieser Geschichte ? « » Sie kennen ja den Doktor F. und seine liebenswürdige Frau , « erwiderte Arthur , - » einen meiner besten Freunde ; sie wurden Ihnen durch mich vorgestellt . « » Das weiß ich ; - aber die andere Geschichte ! « » Sie machten mit Papa auch einen Gegenbesuch . « » Schicklichkeitshalber . Aber - « » Sie luden die Beiden im vergangenen Winter zu dem großen Thé dansant ein , « fuhr der Sohn ruhig fort . » Das that ich , « entgegnete sehr ernst die Mama , » erstens , weil ich auf deine Bitten die Vorstellung geduldet , zweitens , weil sich die Leute , so lange sie hier sind , nicht unanständig aufgeführt , und drittens , weil , wie die verwittwete Tutelar-Räthin ganz richtig bemerkt - das bei einer großen Soirée in der Menge verschwindet . « » Aber F. ' s waren auch später noch einmal da , « sagte Arthur , indem er den Brief leicht auf den Tisch warf und die rechte Hand fest auf diesen stützte - eine Haltung , die Jemand annimmt , der zum ernstesten Widerstand entschlossen ist . Die Nase der Kommerzienräthin erhob sich einen halben Zoll höher . Sie hörte auf zu trommeln und griff nach ihrem Sacktuche , in das sie leise