: » Wissen Sie schon , Jean Paul - « » Kommt nicht ? Vielleicht hat er von einer Clairvoyanten gehört , daß er Fürstin Gargazin nicht mehr trifft . « » Nein , er kommt , aber in welcher Laune ! Es ist mir wirklich recht leid . Nur Ihretwillen . « » Ist ihm etwas passirt ? « » Er ward bei der Berg so lange aufgehalten . In der besten Absicht , denn wer konnte anders denken , bei der besonderen Vorliebe , mit der die Königin sich der Sache angenommen . Da um neun erst bringt der Fourier die Hiobspost . « » Eine Hiobspost ! « » Der König will die Präbende nicht geben . « » Und Ihre Majestät die Königin hatte doch - « » Nichts gespart , was Klugheit und Liebenswürdigkeit vermögen . Bis acht Uhr gaben sie im Palais die Hoffnung nicht auf . Man passte nur auf den günstigen Augenblick und er schien gekommen . Majestät brachen eben ein Stückchen von dem Kuchen , den Sie besonders lieben , und versicherten , so vortrefflich sei er noch nie gebacken . Das benutzte Ihre Majestät , und der König lächelte ihr auch mit der liebenswürdigsten Laune zu , aber ebenso liebenswürdig schüttelten Sie den Kopf und sagten : Herr Jean Paul mag ein sehr guter Romanschreiber sein , aber darum ist er noch kein guter Domherr . « » Hat Ihre Majestät nicht Lafontaine ' s Beispiel eingewandt ? Der hat doch auf ihre Vorstellung die Präbende erhalten . « » Ihre Majestät sind zu klug , um nach solcher Erklärung noch ein Mal anzufangen . Und es giebt Wichtigeres zu bitten . « » Der arme Jean Paul also gänzlich aufgegeben ? « » Für Berlin verloren . Ich wollte Sie nur avertiren . Noch weiß Niemand hier davon . Sie thun also gut , liebe Frau , die Sache auch zu ignoriren . Die Verehrung für den Dichter hängt mit der Aufmerksamkeit zusammen , die ihm der Hof erzeigt . Erfahren Sie , daß der ihn aufgiebt , ist der Lustre fort . « » Nein , es gilt nichts mehr , « sagte die Geheimräthin bitter . » Es thut mir nur um Sie leid , aufrichtig , meine liebe Geheimräthin . So viel Embarras ! Sie würden die Gesellschaft auch nicht gegeben haben , wenn Sie das voraus gewusst . Adieu et au revoir ! « » Jean Paul kommt ! « ging ein Gemurmel durch das Zimmer . Die Geheimräthin meinte , der Legationsrath hätte doch in zu ehrerbietiger Entfernung auf die Fürstin gewartet , als er sie hinausführte . » Fürstin Gargazin liebt Herrn Jean Paul nicht ? « bemerkte Herr von Wandel , als er auf einen raschen Armdruck sie seitwärts in ein Zimmer geführt , damit sie dem Dichter , der die Treppe herauskam , nicht begegne . » Ich liebe nicht den Kultus für sogenannte große Menschen , « antwortete die Fürstin beim Hinuntergehen . » Die Lupinus wird sich mit diesem Zauberfest wieder lächerlich machen . « » Ein Erbstück der Familie . « » Sagen Sie dieser Menschen , dieser Stadt , dieser Zeit . Weil Jeder aus seiner Sphäre treten möchte - « » Ohne den Charakter zu haben , die neue sich unterthänig zu machen . « » Wenn Jeder die Sphäre des Andern durchschauen könnte ! « erwiderte die Fürstin langsam , den Blick auf den Begleiter gerichtet . » Uebrigens thut mir die arme Frau leid . Prinz Louis wird nie zu ihr kommen . Sie lässt alle ihre Minen umsonst springen . « Die Fürstin drückte beim Einsteigen dem Legationsrath die Hand : » Ich werde nichts vergessen . « Achtundzwanzigstes Kapitel . Eine schlimme Nacht . Ein Geflüster war durch die Gesellschaft gegangen . Man steckte die Köpfe zusammen , und das Geheimniß , welches die Fürstin der Wirthin anvertraut , war längst ein Gemeingut , als die Gesellschaft zu Tisch ging . Vorher aber sah man ein Schauspiel , es war ein Impromptu . Adelheid hatte von der Tafel einen Blumenkranz ergriffen , und ihn plötzlich auf die Stirn des Dichters gedrückt : » Nun sind Sie ein freier Mann ! « Es war alles anders geworden , als die Geheimräthin gewollt . Die Bekränzung sollte stattfinden , aber in anderer Art , später , an der Tafel selbst . Sie hatte Figuranten geworben , die bei jedem Gespräch mit Phrasen aus des Dichters Schriften ihm antworten sollten ; das musste jetzt rückgängig gemacht werden ; es passte nicht mehr . Die Empfindsameren umringten ihn , statt mit Siegeshymnen , mit Kondolenzversicherungen . Es sah nicht wie bei einem Freudenfeste aus . Während die Mehrzahl nicht laut genug ihr Bedauern an den Tag legen zu können glaubte , schlichen Andere fort . Die Geheimräthin begegnete dem General , der seinen Hut zum Gehen ergriffen . » Auch Sie uns verlassen ? « » Man weiß nicht , was im Palais vorgegangen ist , « sagte der Offizier mit seiner soldatischen Offenheit , » nicht in wie weit Seine Majestät sich über die Person des Herrn aus Baireuth ausgesprochen haben . « » Aber ein Charakter wie mein Herr General - « » Hat auch Rücksichten zu nehmen . Der König , meine liebe Frau Geheimräthin , erfährt jeden Morgen genau , wer bei Rüchel war und wer bei Blücher war . Und Sie wissen gar nicht , wie diese Rapportements gemacht werden . Hat er sich nun wirklich ungnädig über den Poeten ausgedrückt , so wird auch von Ihrem Festin ihm berichtet und Sie wissen nicht wie . Ihnen kann das nun nichts schaden , wenn Einer sagt : Es ist doch auffällig , daß die Lupinus dem Fremden ein Fest giebt , als wenn er ein Potentat wäre , und gerade in dem Augenblick , wo Eure Majestät sich so nachdrücklich über die Stellung ausgesprochen haben , die er nur beanspruchen kann