umgewandelt , daß weiß erschien , was ich als schwarz hatte melden wollen - kurz , mein Freund , ich wurde in geistigen Dingen so methodisch zur Lüge und zur Phrase erzogen , so auf eine gewisse herzlose Regelmäßigkeit abgerichtet , so nach dem Modell einer gutgearbeiteten genfer Uhr künstlich zusammenspintisirt , daß ich in meinem achtzehnten Jahre wirklich als ein heilloser Schlingel , voll Verstellung und Einbildung , zur Mutter zurückkehrte und die Vorwürfe der inzwischen gar düster gewordenen und gramverschleierten Frau im reichsten Maße verdiente . Natürlich misfiel es hier einem jungen Taugenichts , der statt im Thomas a Kempis im Pensionat heimlich den Casanova las , im höchsten Grade . Ich entfloh , so zu sagen . Als die Mutter mir in die Residenz nachreiste und ich auch mit dem Vater in Händel gerieth , dankte sie Gott , wie ich wenigstens soviel guten Willen zeigte , daß ich mich entschloß , in Bonn , Heidelberg , Göttingen zu studiren . Erlassen Sie mir , Ihnen davon eine Schilderung zu machen ! Die akademische Zeit eines jungen deutschen Adeligen , der die Universität besucht ohne einen andern Zweck als den , einmal dagewesen zu sein , wird für Sie keiner Schilderung bedürfen . Man genießt , was das Leben bietet und was der von Hause bezogene Wechsel sich zu verschaffen möglich macht . Durch Unterwürfigkeit und Kriecherei der sogenannten » Philister « , ja der berühmtesten Professoren , lernt man früh die Niederträchtigkeit der Menschen kennen und man verläßt die Hochschule , übersättigt , verdrießlich , reizbar , im Jugendlenz schon ein Misanthrop . Die Mittel flossen meiner Lebenslust gering zu . Der Justizrath Schlurck , derselbe , der im Besitz Ihres verlorenen Schreins ist , derselbe , den wir beobachteten , wie kostbar ihm Pasteten und Champagner schmeckten , die er sich bei solchen Administrationen , wie die Hohen-berg ' sche ist , verdient , schickte ein , was die ganz in seinen Händen befindliche Verwaltung der Angelegenheiten meines Vaters zu schicken erlaubte . Der epikuräische Spitzbube war dabei sehr höflich , sehr devot , aber karg . Ich haßte ihn , vielleicht mit Unrecht . Aber er war der Nächste , der meinen beleidigten aristokratischen Ärger , meine gentlemanliken Vorwürfe auffangen mußte . Die Mutter sprach oft davon , man müsse seinen Feinden vergeben : ich entnahm dieser Wendung ihrer Briefe weiter nichts , als daß ich mich auch wirklich vor Feinden zu hüten hätte .... War sie doch selbst seit der frühesten Zeit , der ich mich entsinnen kann , von den Gespenstern unsichtbarer Gegner verfolgt ! Früh schon prägte sie dem Kinde die Vorstellung einer großen Verschwörung gegen ihr Lebensglück ein . Sie machte mir Begriffe , als wenn die Welt voll Teufel stäke und an der Spitze dieser Hölle , sagte sie mir einst , stände eine Frau ... eine Frau , die früher ihre zärtlichste Freundin war , Pauline von Harder , sonderbarerweise wirklich die Gattin jenes Mannes , dessen schlingelhafter , frecher Bediente mich , den Besitzer von Hohenberg , in seinen eigenen Thurm hat werfen lassen ! Pauline von Harder ? wiederholte Dankmar und gedachte der Erwähnung derselben auf dem Heidekrug . Er kannte sie nur als eine Schriftstellerin , von der er jedoch nichts gelesen hatte ... Sie ist mir unbekannt , fuhr der junge Fürst fort , wie die meisten erlauchten hoch- und hochwohlgeborenen Häupter unsers Adels , einige Jüngere ausgenommen , mit denen ich in Bonn und Göttingen verkehrte . Prüfungen zu bestehen und mich um ein Amt zu bewerben , lag nicht in meinem Plane : der Vater , der sich über seine Verhältnisse gern in einem völligen Dunkel erhielt , um von ihnen das Bessere annehmen zu dürfen , glaubte noch hinlänglich vermögend zu sein , mir eine standesmäßige Existenz auch ohne Arbeit und Amt zu sichern . Dies war aber nicht der Fall . Ich fühlte mich so gezwungen und nach allen Richtungen hin so gehemmt , daß ich vorzog , wieder auf Reisen zu gehen und mich deshalb der Schweiz , Italien und Frankreich zuwandte . Die Beziehung zur Mutter blieb leider unerfreulich . Sie hatte in ihrer Art das Beste im Sinn , aber sie gab es entweder nicht in der richtigen Form , oder mein Herz ist kalt , ich weiß es nicht , ich kam nie mit ihr zu einem warmen offenen Wahrheitstone . Oft empfand ich Hinneigung zu meinem derbnatürlichen Vater . Die Mutter unterbrach aber jedesmal diesen Strom meiner Empfindungen und lenkte ihn wieder auf sich zurück , wo er jedoch nur künstlich floß . Ihre trübe Auffassung des Lebens entsprach meinem heitern Sinne nicht . Rudhard ' s Unterricht hatte schon tiefe Wurzeln in meinem Herzen geschlagen und mich gegen allen Schein und die Charlatanerie gestählt , mit der in Genf die Erziehung betrieben wurde . Ich gewann dort einige Bekanntschaften , die der allgemeinen Pietisterei in der dortigen Lebensweise gegenüber mir reinere Begriffe von Gott und seinem weisen Erziehungsplane der Menschheit einflößten , und wenn ich Ihnen erzählen sollte , wie es vor fünf Jahren etwa über mich kam , welch ein neuer Geist mich gerade in der französischen Schweiz und dem südlichen Frankreich ergriff .... Sie würden sagen , die dumpfe , hier auf dem Schlosse wohnende protestantische Ascetik konnte mich nicht erwärmen , selbst wenn sie von der zärtlichen Fürsorge einer Mutter betrieben wurde ! Ach ja , Wildungen ! Ich gedenke des Tages , wo ich von Genf zu Fuße wanderte , die Rhone entlang durch Savoyen über den Jura nach Lyon ! O dieser Tag ! Diese Welt ! Diese Freiheit ! Vergebens hatte ich auf Briefe von Schlurck gewartet , vergebens auf eine Mittheilung von meiner Mutter , die wegen meines plötzlichen Entschlusses zu reisen , mit mir boudirte , vom Vater hatt ' ich eine längere freundliche Zuschrift , in der er mir nach seiner Weise kurze Verhaltungsmaßregeln schrieb , etwa in dem Stile : Junge ! Mach Schulden