in Ehren auch den Botschafterposten meines erlauchten Ohms , aber ich werde mit Euch märkisch reden . Wenn mein Ohm , Euer Herr , als ich bei meines Vaters Tode ein Knabe war , mich für verständig genug hielt , daß ich das Regiment auch ohne Vormund führe , so erwägt , daß ich durch Jahre und Erfahrung älter ward und keinen Hofmeister aus der Fremde bedarf . - Er mag kommen , der Herr Graf von Giech ! « Der Fürst warf das Schreiben auf den Tisch und sich in den Sessel . Seine Augen flogen durch das Dunkel des gewölbten Zimmers . » Wer hat mich angeklagt ? Wer rief nach Franken um Hülfe ? Der Brief ist stumm . Und wenn ich den Herrn Grafen fragen werde , wird er wie die Bürger antworten : Man sagt , man meint . O diese namenlosen Angeber , diese dunkle Macht des Gerichtes , diese Fledermäuse in dunstigen Gewölben ! Alle sind es , aber Keiner . Sie grollen Alle , aber wen ich ansehe , warum zeigt mir denn Keiner die Zähne ? - Warum verziehn sich die Runzeln in ein freundliches Grinsen , warum überstottern sie sich in Ehrfurchtsbetheuerungen ! Es ist ja möglich , daß ich irrte , ich bin ein Mensch , jung ; möglich , daß ich zu rasch gehandelt , mich hinreißen ließ - wenn sie Muth hätten , wenn ihre Sache gut wäre wie meine , warum ist denn nicht ein Einziger , der es wagt , mir vor die Stirn zu treten , der es ausspricht ? Ich könnte zürnen , auffahren , strafen . Nun , wagt das Keiner um eine gute Sache ! Wagt Keiner , sich selbst zu opfern , um was ihm heilig ist ? - Ich will mit ihnen fertig werden , mit ihnen allen , ich allein ! « Im Zimmer verbreitete der große schwarze , mit vielen künstlichen Figuren ausgelegte Ofen eine dunstende Wärme . Joachim riß das Fenster auf , um frische Luft zu schöpfen . Es kam auch da nichts Frisches herein . Ein Dampf lagerte über der Stadt , die Spree floß träg zu Füßen der Mauern , kaum daß ein Paar Sterne sich matt in ihrem schwarzen Wasser spiegelten . Wenige gingen über die Brücke . Nur drüben an dem sumpfigen Ufer hielt ein Mann mit zwei Reitpferden . Ein Anderer , in einen Mantel verhüllt , einen Federhut auf dem Kopf , sprach mit ihm . Dann schritt dieser über die Brücke nach dem Schlosse zu ; nach einer Weile folgte ihm der Mann mit den beiden Pferden . Es schien dem Fürsten , als wenn er die Thiere vorsichtiger führte , als es sonst Art ist . Der Anhauch der Luft hatte sein Blut nicht erfrischt , als Joachim sich wieder an den Schreibtisch setzte . Er las , er schrieb , aber seine Gedanken flogen abwärts . Er dachte an seinen Oheim Friedrich , dessen Schreiben vor ihm lag . Wie glücklich war der in seinem glücklichen Oberlande , in den grünen Bergen , wo die muntern Bäche plätschern , die Tannen an den Abhängen rauschen , die Morgensonne die schönen Schlösser auf den Höhen anglüht . » Ach wären wir dort geblieben ! Welche saure Arbeit wäre uns erspart ! « - » Aber auch eine ehrenvolle Arbeit minder , « antwortete er sich und langte wieder aus dem Pult das Testament des Vaters . Er las es , und las es . » Ich arbeite ja nur in Deinem Dienst , auf Deinen Befehl . « Das Pergament war wieder verschlossen und Joachim schrieb und blätterte in den Schriften vor ihm , bis die dunkeln Gedanken abermals ihn zu übermannen schienen . Er legte die Feder weg und seinen Kopf in die Lehne . » Und gerade zum heiligen Weihnachtsfest ! Ich hatte mich nimmer so gesehnt , es in stiller Weihe zu begehen , als dieses Jahr , um mich würdig vorzubereiten auf das große Werk in Frankfurt . Wenn nach Neujahr der Abt , mein Freund , wie er versprochen , kommt - « Er hielt sich das Gesicht mit beiden Händen : » Mein Freund ! - Wer ist denn mein Freund ! Der ist ein Freund meines Wissens , meines Strebens , der der Ehren , die ich ihm zuwende , der ein Hund an der Kette , der wedelt mich an aus Furcht , daß ich ihn schlage . - Ich habe keinen Freund ! - Lindenberg , dein Tod ist gerächt . So schnell hast du Recht gewonnen . Ein Fürst , der Niemand mehr traut als sich , ist dem Gesindel anheimgefallen , sprachst du . - Ich traue ja Niemand mehr - sie Alle schleichen , Alle nur der Widerhall meiner Worte . Und wenn sie stumm sind , auf welchen langen Leichenzug verbrecherischer Gedanken muß ich lauschen ! - Du klagst mich an . Hörst du auch meine Klage . - Aber ich hätte milder sein können gegen mich , ich hätte mich selbst täuschen sollen , daß mir die süße Melodie deiner Worte länger vor den Ohren klänge ! Deine That hätte ich gut machen können , nur um dich mir zu retten . Du warst ja nicht mehr gefährlich . Die Spieluhr , die mir vor den Ohren summt , belügt mich ja nicht . Sie singt , wie ich sie stimmte . Und ist es denn ein Verbrechen , einer Lüge horchen , die uns nicht mehr täuschen kann ? Sind sie immer Gift ? Vielleicht wohlthätiges Gift , Balsam auf verharschende Wunden , die unter der rauhen Hand der Wahrheit wieder aufgehen und von Neuem bluten . Allmächtiger Gott , was ist die Wahrheit , nach der wir ringen ? « Er schauderte zusammen : » Wenn ich ihnen allen in ' s Herz schaute , ihre Gedanken vor mir lägen wie ein offenes Buch ! - Bewahre mich der Herr vor