Beispiele , daß sie es verlieren und doch nach Jahren mit beispielloser Frechheit rapportieren über das , von dem sie höchstens den Deckel gesehen . Da kömmt es dann kommod , wenn man lügen kann , daß die Schwarten krachen , und schamlos ist wie eine kuhrote Kuh , die auch nie röter werden kann , als sie bereits ist , es mag geben , was es will . Nun war es allerdings ein parlamentarischer Kniff von Änneli , daß es die Sache aufs Referendum schob , aber es geschah nicht in böser Absicht . Es sah , was kochete , und eben diese Kocheten wollte es nicht anrichten lassen . Es gibt Augenblicke im Privat- und Staatsleben , welche man verrauschen lassen muß , wenn man nicht graune Sachen machen will . Diese Augenblicke erfordern Takt , den hat man leider nicht immer , in neuen Kantonen nicht , ja am Vorort selbst nicht ; die Aargauer zum Beispiel könnten Beispiele von Exempeln erzählen . Anne Mareili aber , noch eine junge Kreatur , gleichsam ein neuer Kanton , begriff das nicht , und daß es ohne Sicherheit und Gewißheit heim mußte , vom vermeintlichen sichern Port weg wieder aufs unsichere Meer hinaus , wo jeder Haifisch und jeder Kellerjoggi aufs neue nach ihm schnappen konnte , das wollte ihns fast zerreißen . Sie gaben ihm das Begleit fast bis nach Herrlige , aber es ging trüb zu zwischen ihnen , und als man Abschied nahm , wurde manch üblich Wort gewechselt , aber kein herzliches , trotzdem daß das Augenwasser in manchem Auge stand , und gäb wie man anwendete , das klare , wahre Wort fand sich nicht ; und kurios ists , wie es so selten sich findet , wie so selten es sich im Gemüte gestaltet , und wo es sich auch gestaltet , doch die Kraft fehlt , es auszusprechen . Es ist halt auch in unserm Gemüte wie am Himmel , welcher so selten wolkenrein ist , und ist ers , so weht meist ein rauher Wind , oder ehe noch die Sonne niedergeht , kömmt schon der Sturm gezogen und verhüllt das Helle wieder . Finster zog nach vollendetem Abschied es hinter dem Vater her , und als der einige Male keine Antwort erhielt , blickte er zurück und sah , wie Anne Mareili mit dem Nastuch im Gesichte focht . » Plärist ? « fragte er . » Nein « , sagte es , » aber ich bin flessig . « » Ich wußte auch nicht , was z ' pläre hättest « , sagte der Vater , » gehe es wie es wolle . Kömmst du dahin , so ist für dich gesorget , tun sie hinterstellig , he nun , so gibt es was anders . Das sind dumm altväterische Leute , die für jede Sache einen apartige Brauch haben , meinen , wie witzig sie seien , und doch nichts verstehen ; einmal für vierzig Kronen habe ich sie mögen . So dumm Lüt habe ich längs Stück nicht angetroffen . Denen muß man den Marsch machen zu rechter Zeit ; wenn du unter ihres Regiment müßtest , in acht Tagen machten sie dich ds Tüfels . Darum habe ich für dich gesorget , wenn du ds Maul schon nicht hast auftun wollen . « » Aber Vater « , sagte endlich Anne Mareili , » und wenn sie nicht wollen ? Es ist doch auch wohl strengs für sie . « » He nun , so habe ich doch wohlfeile Laden und eine Kalbete , woran auch etwas zu verdienen ist . Aber habe nicht Kummer , die tuns , sie hätten sich nicht dafür , zurückzugehen . Uvrschants von ihnen ist es gewesen , daß sie nicht gleich eingeschlagen , nachdem sie uns haben kommen heißen , so daß man hätte meinen sollen , es sei ihnen im voraus schon alles recht . An uns wäre es gewesen , sih z ' bsinne , und nicht an ihnen . Sie hättens schon für eine Ehre nehmen sollen , daß es uns nur dr wert gsi ist , ga z ' luege da in ihr Gitzinest hinauf . Am täubste hat mich dr Jung gemacht , dem wärs doch am meisten angestanden , sein Maul aufzutun und einzureden , so nötli , wie er getan hat ; aber ein Wort ist ein Wort , das er gesagt hat . Es muß notti nicht alles mit denen Leuten sein , sonst hätte er nicht so weit laufen müssen für eine Frau und hätte nicht brauchen so nötlich zu tun . Es ist gut , hat man sich in acht genommen u nit gmeint , mi müeß zsämefüeßlige dry . So wie es jetzt ateigget ist , kann man der Sach abwarten . « Anne Mareili kannte den Vater ; sonst hatte dessen Wort nicht gute Statt in seinem Herzen , jetzt aber fand es Boden , schwoll auf und keimte . Es steigerte eine Stimmung , die bereits vorhanden war , gab unbestimmten Gefühlen feste Richtung , übermachtete die Liebe , erbitterte das Herz , kurz tat , was Aufweisung gewöhnlich tut , machte einen Schaden größer , trieb ihn der Unheilbarkeit entgegen , zeitigte Empfindungen , die ohne sie rasch verglommen wären , zum Brande , und was ein solcher Brand alles zu verzehren imstande ist , wer weiß es nicht ! Oh , Aufweisungen sind Teufelswerke , und Aufweisen ist ein höllisch Wort . Als der Teufel es bei der Eva anfing , Gottes Gebot ihr vernütigte , ihr weismachte , der liebe Gott gönn ihr guet Sach nicht , da wußte er wohl , was er damit in die Welt pflanzte ; denn Aufweiserei bricht aller guten Lehr und Strafe die Spitze ab , raubt der Gutmeinenheit das Vertrauen , ist die Handhabe , an welcher der Teufel die Dummen hält ; denn wer einmal der Aufweiserei die Ohren geöffnet hat , der ist gerade