, daß deine Liebe mir eins und alles sei , denn wäre dies , so hätte ich mich nicht von dieser Schwachheit so gröblich hintergehn lassen . Schon vor Jahren laborierte ich mit meinem Schwager , dem Großherzog . In seinem Kabinett bewahrt er Wundersachen , die ich mir nicht zu erklären weiß . Und mag man disputieren und klug sein , wie man will , mich hat noch kein Argument so getroffen , daß es meine Überzeugung sei , nur ein Tor könne auf die Verwandlung der Metalle und auf das Erringen des Goldes hoffen . Wie dieser Wonnerausch der Liebe alle unsre Kräfte erhöht , wie wir im Glauben , oder Aberglauben , so selig sind , so kamen auch die alten , vergessenen Träume wieder zu mir . Wer kann die Scheidewand ziehn zwischen Glauben und Aberglauben ? Ich erinnerte mich nun , daß ich schon einmal mit dem berufenen Deutschen , dem Thurneiser gearbeitet hatte , daß ich zu verschiedenen Zeiten die Hoffnung genährt , dem Geheimnis ganz nahe auf der Spur zu sein . Vor einiger Zeit traf ich in diesem Walde einen alten Mann welcher Kräuter suchte . Wir kamen ins Gespräch , er sagte mir einiges von Blumen , von der Kraft mancher Gewächse , was mir ganz neu war . Seine Wohnung wollte er mir nicht anzeigen , er war überhaupt in allen seinen Reden kurz angebunden , und er schien vielmehr mich vermeiden , als aufsuchen zu wollen . Ich traf ihn ein andermal wieder , und nun erzählte er mir von einem viel ältern Manne , dessen Schüler er sei , und welcher das große Mysterium besitze . Es lag ihm aber , so tat er , nichts daran , daß ich den Greis kennenlernte . Nur wie zufällig fand ich ihn noch einmal , und nun führte er mich auf mein Ersuchen zu einer Waldhütte , wo ich den Magier traf . Auch dieser rückhaltend , kannte mich nicht , wollte mich auch nicht näher kennenlernen . Aber auf meine dringenden Fragen gab er Antwort . Kurz , er war nicht abgeneigt , mir einen sichtlichen Beweis seiner Kunst zu geben , wenn ich nämlich Mut genug dazu besitze . Es war von nichts Geringerem die Rede , als mir die Geister meiner Eltern zu zeigen , was mir um so merkwürdiger war , da der Zauberer , so wie ich glaubte , mich gar nicht kannte . Zu keinem Sterblichen , so hatte ich mein feierliches Versprechen gegeben , durften ich eine Silbe von diesem Abenteuer erwähnen , darum verschwieg ich auch dir alles , was ich nicht hätte tun sollen . Heute , so war die Verabredung , ging ich zu ihm . Nun die gewöhnlichen Vorbereitungen : er gab mir einen Trank der Weihe , wie er ihn nannte , der mich stärken sollte , um das Ungewöhnliche , oder Erschreckende leichter zu ertragen . Auch er trank davon , um mich ganz sicher zu machen . Kein Mensch war im Zimmer als wir ; die Fenster wurden gegen das Sonnenlicht geschlossen , geweihte Kerzen angezündet , magische Kreise zog der Beschwörer , und ein sinnebetäubender Rauch stieg aus seiner Pfanne , und erfüllte das ganze Zimmer . Schon fing meine Nachgiebigkeit an , mich zu gereuen , als wirklich im Dunst meine Eltern erschienen , und mit drohender Gebärde die Zeigefinger gegen mich erhuben . Vielleicht hatte man auf Schrecken oder Entsetzen von meiner Seite gerechnet , da ich aber kaltblütig blieb , so mußte man weiterschreiten . Ich war jetzt schon überzeugt , daß der Gaukler mich kenne , und daß alles , vom ersten Augenblick an , auf eine gröbliche Täuschung berechnet gewesen sei . Ich schämte mich vor mir selber . Da erschien im Dampf das Bild jener Isabella von Florenz , dann der ermordete Peretti blutend . Ich wollte mich entfernen , als der Dampf so vermehrt wurde , daß ich zu ersticken fürchtete , und plötzlich standest du , in Qualen , halb nackt , aus vielen Wunden blutend , verzerrten Angesichts da . Dem unerwarteten Anblick war ich nicht gewachsen , ich stürzte nieder , bewußtlos . Nach einiger Zeit traf ich mich im Walde wieder , von jenem Menschen geführt , den du wiedererkanntest . - Meine Feinde haben mich überwältigt , und diese meine Schwachheit benutzt ; ich fühl es , von diesen Dämpfen bin ich vergiftet und jede Hülfe wird vergeblich sein . « - Noch in der Nacht erschienen einige Ärzte . Siebentes Kapitel Es war der Winter eingetreten , welcher in Oberitalien eine rauhe und traurige Jahreszeit ist und viel Regen und Kälte mit sich bringt . Der Herzog Bracciano war gestorben und zur Erde bestattet . Vielfache Gerüchte waren seinerhalb verbreitet . Waren es die Orsini , die Gegner in Florenz , die Freunde des in Paris ermordeten Troilo , die sich ihm in Masken genähert und ihn listig fortgeschafft hatten ? Das Haus , wo jene Geisterscheinungen vor sich gegangen sein sollten , konnte man im Umfange des Waldes , sosehr man sich auch bemühte , nicht auffinden ; derjenige , welchen Vittoria als Mancini erkannt hatte , war seitdem nirgend gesehen worden . So glaubten manche , die sich für die Einsichtigen hielten , ein Fieber habe den Herzog hingerafft , und seine sonderbaren Aussagen zeugten nur von der Krankheit seines Gemütes und einer schon ganz irregeleiteten Phantasie . Die Wundergläubigen dagegen behaupteten , seine Visionen in dem rätselhaften , verschwundenen Hause hätten sich , sei es durch einen Magier , sei es auf andre übernatürliche Weise , dem Verstorbenen wirklich gezeigt , um ihm alle Sünden und Verbrechen seines Lebens vorzuhalten , und keine giftigen Dünste oder Getränke , sondern die Qual des aufgescheuchten Gewissens habe seinen frühen Tod herbeigeführt . Vittoria ertrug ihren Schmerz , wie große Seelen fast immer die herbsten Verluste zu tragen pflegen . Man sah sie nicht klagen und weinen , ihr Unglück war zu