Einwilligung zu bitten , schmeichelte ihr sehr , sie gab mir ihren besten Segen dazu , nannte mich » Tochter ihrer Max , Kindele , Mädele « , ringelte mein Haar , während sie sprach , erzählte im schwäbischen Dialekt , was sie nur in heiterer Weichherzigkeit tut und einem Ehrfurcht mit ihrer Liebenswürdigkeit einflößt , ihr Bezeigen war mir auffallend , da ich vor vier Tagen sie so tief verletzt , beinah erbittert fand über die Schmach , die ihrem gütigen Herzen widerfahren war . - Sie zeigte mir ein Wappen in Glas gemalt in einem prächtigen silbernen Rahmen mit goldnem Eichelkranz , worum in griechischer Sprache geschrieben steht : Alles aus Liebe , sonst geht die Welt unter , es ist dem Großpapa von der Stadt Trier geschenkt worden , weil er als Kanzler in trierischen Diensten sich gegen den Kurfürsten weigerte , eine Abgabe , die er zu drückend fand , dem Bauernstand aufzulegen ; als er kein Gehör fand , nahm er lieber seinen Abschied , als seinen Namen unter eine unbillige Forderung zu schreiben ; so kamen ihm die Bauern mit Bürgerkronen entgegen in allen Orten , wo er durchkam , und in Speier hatten sie sein Haus von innen und außen geschmückt und illuminiert zu seinem Empfang . Die Großmama erzählte noch so viel vom Stadionischen Haus , worin sie so lang mit dem Großpapa lebte , wenn ich ' s nur alles behalten hätt , doch vergeß ich die Beschreibung ihrer Wasserfahrten nicht auf dem See von Lilien , wo immer ein Nachen vorausfuhr , um in dem Wald von Wasserpflanzen eine Wasserstraß mit der Sense zu mähen , wie da von beiden Seiten die Schilfe und Blumen über den Kahn herfielen und die Schmetterlinge - und alles weiß sie noch , als wenn es heut geschehen wär . - Der Pappeln wollt ich nicht gedenken , die jammervolle Person des Arenswald , der so munter und grün über sein Elend hinaussteigt ins Freie , hatte mich aus den Angeln der Empfindsamkeit gehoben , ich will wetten , jetzt , wo er Waldschnecken fressen kann , daß er noch viel mehr wagt , und wenn er nur so viel hat , daß er seine Beine reisefertig kriegt , so muß das andre mit und muß allerlei andre Dinge noch dazu fressen lernen . Die Großmama fing aber von selbst von den Bäumen an , bei Gelegenheit des Wappens , sie erzählte , der Spruch sei wirklich Ersatz dem Großvater geworden , und er habe oft bei der Einschränkung , in der er später leben mußte , gesagt : » Besser konnt ich mir ' s nicht wünschen . « - Das Wappen hing über seinem Schreibtisch , und da er bei Bauer und Bürger in großem Ansehen stand , so kamen sie oft zu ihm in schwierigen Angelegenheiten , da hat er denn durch den Spruch vom Wappen manchen zur Gerechtigkeit oder zur Nachsicht bewogen , er sei dadurch so im Ansehen gestiegen , daß sein Urteil mehr wirkte wie alles Rechtsverfahren , und mancher , der dem Buchstaben des Gesetzes nach sich durchfechten konnte , hat , um nicht das Urteil des Großvaters gegen sich zu haben , sich verglichen , und der Kurfürst hat sich auch wieder mit ihm versöhnt und ihm vollkommen recht gegeben , aber der Großvater schlug seine Anstellung aus , die der Kurfürst ihm wieder anbot ; er sagte : » Hat mir Gott das Hemd ausgezogen und gefällt ' s ihm , mich schon auf Erden nackt und bloß herumlaufen zu sehen , so will ich mir keine Staatslivree als Feigenblatt für den menschlichen Ehrgeiz vorhalten , dem Herrn Kurfürst steh ich zu Diensten in allen gerechten Dingen , so wie mich Gott geschaffen hat , und der sich nicht vor ihm zu schämen braucht ; ich mag nicht aus meinem Paradies heraus , denn ich mag mich mit keinem Feigenblatt inkommodieren , ich bin der unverschämteste Kerl von der Welt , und der Kurfürst ist die sittsamste Jungfer , die unter den geistlichen Würden zu treffen ist , er will keinen seiner Freunde nackt und bloß herumlaufen oder vor sein Angesicht kommen lassen ; aber mir gefällt es besser , ganz nackend mit seinen Mummenschanzen herumzuspringen , denn da hab ich den Vorteil , daß sie sich selbst nicht mehr kennen ; denn sie wissen so wenig , was das ist , ein Mensch sein , daß einer , der ohne Bemäntlung ihnen die Natur eines Menschen , wie sie vor Gott bestehen kann , darstellt , ihnen natürlich zeigen muß , daß sie selber Mißgeburten sind . « - In dieser Art hat der Großpapa auf des Kurfürsten Anträge geantwortet . - Die Großmama besitzt noch eine Korrespondenz , wo mehrere Briefe von des Kurfürsten eigner Hand dabei sind , mit den Abschriften vom Großvater ; - der Großvater hatte ein Buch gegen das Mönchswesen geschrieben , was gar viel Aufsehen in damaliger Zeit machte , ins Französische übersetzt wurde , das hat mir die Großmama geschenkt ; es war die erste Veranlassung zur Unzufriedenheit zwischen dem Kurfürsten und ihm , weil darin so viel Skandal der Mönche aufgedeckt ist , und war auch die erste Veranlassung zur Versöhnung ; denn der Kurfürst gibt ihm in einem Brief sehr recht und sagt : » Wir werden diesem Ungeziefer , das mich mehr plagt als den armen Lazarus , dem ich mich gar sehr vergleiche , seine Schwären , noch eine Umwälzung in unserer Religion zu verdanken haben , es vergehet keine Woch , daß nicht verdrießliche Berichte dieser unflätigen Mönche einlaufen , der Mantel der christlichen Kirche , unter dem sie alle eingekeilt stehen wie ein Ballen Stockfische , reicht nicht mehr zu , ihren Unflat zu bedecken . « - Schreibt der Großvater hierauf einen wunderschönen Brief über Religion und Politik , den ich nicht behalten hab , worin mir aber jedes Wort wie Gold klang , - er sagt : in einem