Das demüthige und bescheidene Verhalten der Lavallière trug hierzu bei - sie war immer ablehnend gegen jede Auszeichnung und setzte die Geduld des Königs täglich auf Proben , die nur seine anbetende Liebe gegen sie überwand . Man sagte sich leise , sie würde bei dieser Cour zuerst als Herzogin erscheinen , wozu der König sie vor kurzem fast mit Gewalt erhoben hatte , die Ausstattung des Hotels Biron dieser Auszeichnung hinzufügend ; man wußte , daß die Königin von den Liebesbeweisen ihres Gemahls gerührt , ihre Einwilligung gegeben hatte , sie mit den ihr zustehenden Vorrechten als Herzogin zu empfangen . Diesem Schauspiele drängten sich nun die Hofleute , welche berechtigt waren bei der Königin zu erscheinen , in großer Anzahl entgegen , und es war kein kleines Geschäft , die Ordnung herzustellen , die Jedem den Platz anwies , den sein Rang erforderte . Der Marschall hatte sich gleichfalls herausgerissen , um wenigstens ein Mal den geliebten Sohn vor den Augen seines Königs zu sehen . Er war mit ihm vorangefahren , und die Marschallin und Louise , die ihnen folgten , noch nicht eingetroffen , als die voraneilenden Cavaliere erschienen und Anna von Oesterreich , die Mutter des Königs , verkündigten , welche unmittelbar darauf mit dem größten Pompe eintrat , von ihrem ganzen Hofstaate gefolgt . - Die Zeit seit dem Tode Mazarin ' s hatte die Eindrücke gemildert , die damals an ihren Anblick die gehässigsten Empfindungen knüpften . Die ungemeine Hochachtung , die kindliche Ehrfurcht , mit welcher der König seine Mutter behandelte , ließen keinem Andern eine Wahl seines Verhaltens . Anna von Oesterreich , welcher es nicht an feinem Verstande fehlte , und deren unglückliche und ungewöhnliche Verhältnisse , als Gattin Ludwigs des Dreizehnten , Entschuldigungen zuließen , wußte jetzt eine so würdevolle Stellung zu behaupten , daß sie bei allen Angelegenheiten ihrer Kinder , wie die des Hofes , einen wirklich mütterlichen Rang einnahm und ihnen zur Ausgleichung ihrer Streitigkeiten auf verständige Weise behilflich war . Auch jetzt hatte sie die Königin zu ihrem milden Verfahren gegen Madame de Lavallière beredet , und die edle , sanfte und zärtlich liebende Maria Theresia hatte den neuen Schmerz zu bekämpfen gesucht , immer hoffend , so sich den König dereinst zurück zu führen . - Wohlmeinend eilte daher Anna ihrem Sohne zur Königin voran , diese durch ihren Zuspruch und ihre Gegenwart zu stützen . Sie begrüßte deshalb die zahlreiche Versammlung nur vorübergehend ; als sie aber den Marschall Crecy-Chabanne erblickte , dessen auffallende Erscheinung nicht leicht übersehn werden konnte , blieb sie stehen und nickte ihm wohlwollend zu . » Das ist brav , Marschall , daß ich Euch hier am Hofe eben so in den vordersten Reihen finde , als früher in der Schlacht ! « rief sie mit starker , herzlich klingender Stimme und näherte sich ihm ; aber längst vom Vater weg auf Leonin blickend , dessen jugendliche Schönheit dies vollkommen rechtfertigte . » Doch habt Ihr auch , wie ich sehe , eine Stütze mit Euch geführt , die ausreichen wird , wenn Ihr ermüdet . - Ich heiße Euch willkommen , junger Mann ! Man sagt mir , Ihr seid nicht umsonst gereist , Ihr habt Euren Verstand entwickelt ; das ist zu loben und wird nie von Seiner Majestät dem König übersehen - auch ich werde mich dessen erinnern . « » Lassen Euer Majestät ihn sich empfohlen sein ! « rief der Marschall , seiner alten Herrin gegenüber hoch erfreut - » ich hoffe , er soll den Namen nicht verunehren , den Eure Majestät so oft ausgezeichnet haben . « » Ja , ja , Marschall , wir haben viel zusammen Rath gehalten , « fuhr die Königin fort , angenehm durch ihn an ihre Regentschaft und Macht erinnert - » und immer wart Ihr ein Brausekopf , der , den Degen in der Hand , die Scheide weg warf - dafür suchtet Ihr sie aber auch nicht früher wieder , als Eurer Königin Recht geschah . « - » Wer durfte auch das Glück , Euer Majestät dienen zu können , anders ehren ? War doch das gute Recht immer auf unserer Seite . « - » So war es ! « erwiederte Anna , » und ich verstand es Euch zu lohnen , nicht wahr ? Das eigne , liebste Hoffräulein , Mademoiselle Soubise , mußte Euch die Brautkrone flechten . « - » Euer Majestät wußten immer vollkommen richtig , so wichtige Angelegenheiten zu leiten . Ich denke die Namen unserer gleich alten Häuser haben sich stets gut nebeneinander ausgenommen , und ich war stolz darauf , sagen zu können : diese Wahl hat meine Königin selbst getroffen ! « - » Ja , « lachte Anna von Oesterreich , » wir hielten etwas auf unsern Marschall ! Und fast habe ich Lust , bei dem Sohne fortzusetzen , was mir bei dem Vater so gut gelungen . Wie ist es , junger Mann - ich hoffe , Ihr seht die Schönheiten unseres Hofes nicht als kalter Zuschauer ? « - » Wer könnte an diesem Hofe kalter Zuschauer bleiben , da jeder Tag uns eine neue erhabene Vereinigung unvergänglicher Schönheit und edler Geistesbildung darbietet ? Zu den Interessen des eignen Herzens behält hier Niemand Zeit ! « - » So ! « erwiederte die Königin , nicht anstehend , diese schnell hervorgebrachte Antwort als einen Tribut für sich anzunehmen - » nun , dann will ich schon für Euch Zeit finden und die Wahl besorgen ! « Leonin schwieg - der Marschall aber sprach seine Freude , sein Entzücken so laut aus , daß die Königin , über den alten Kriegshelden wohlgefällig lachend , ihn verließ und in die inneren Gemächer verschwand . Das Ende dieser Scene hatte die Marschallin , die an Louisens Seite indessen die Zimmer erreicht hatte , mit angehört , und auf ihrem Platze gefesselt , konnte sie nicht allein beobachten , sondern behielt auch Zeit