lassen . Gleich beim Eintreten trug er wieder einen jener tollen Gesänge vor , worin er den ganzen Umfang und die Tiefe seiner vortrefflichen Stimme hören lassen konnte . Er hatte alles aus der ersten Edition des Werkes herübergenommen , und nur die Erzählung von der Plünderung des Nonnenklosters ausgelassen . In seiner tollen Laune hatte er viele von den Domestiken oder Knechten auf die lächerlichste Weise herausgeputzt als diejenigen Spitzbuben , die er , Spiegelberg selbst , angeworben hatte . Indem er nun die Geschichten seiner List und Menschenkenntnis erzählte , holte er diese Kumpane , einen nach dem andern , näher an das Licht hervor , und die seltsamsten Fratzen zeigten sich zum Ergötzen der Zuschauer ; dies und die musterhaft launige Erzählung , die der Dichter seinem Spiegelberg in den Mund legt , mußten Freude und Jubel hervorbringen . Das Gelächter war unauslöschlich , und selbst Elsheim und der Professor mußten den Humor des Sängers bewundern . Nun erscheint die übrige Bande mit dem befreiten Roller . Das Getümmel war gut arrangiert , und alle diese Räuberszenen wurden , bis auf die Rolle des Karl Moor , wirklich vortrefflich gegeben , doch wurde dieser am meisten bewundert . Der Schulmeister war als Schweizer unbeschreiblich glücklich , denn er durfte so laut und stark spielen , wie er nur immer wollte . Der Kommissar oder Pater erscheint , und nun vernimmt man schon Trompeten und die Musik der Soldaten . Jetzt stürzen alle Räuber im Getümmel ab , und das Gefecht beginnt . Dieses hatte der Sänger vielmals mit allen Gehülfen eingeübt , um das Allertollste hervorzubringen , wie man es sonst nur in dem Zirkus der Kunstreiter zu sehen gewohnt ist . Die Szene nahm sich gut aus und paßte vortrefflich auch zu dieser törichten Aufgabe . Man hatte die freien Säulen mit bemalten Baumstämmen verhängt ; so war die innere Bühne nun wie eine Felsengrotte , die Stufen , von grünen Gebüschen umstellt , erschienen wie Gebirgssteige , Schluchten oder Hohlwege , der Balcon oben zeigte sich als eine Berghöhe . Die Räuber nahmen nun , nachdem Moor und andere hinweggestürmt waren , unter Geschrei und wilder Musik alle diese Posten ein ; Soldaten erschienen sodann unten , um solche wieder mit Gewalt zu erobern . Man schoß , man kämpfte mit dem Säbel und Bajonett , alles schrie Hörner und Trompeten schmetterten nah und fern , auch hörte man in den Pausen das Schießen und Kämpfen in der Weite . Als die Räuber fast schon gesiegt hatten , viele Soldaten tot und andere entflohen waren , erschien von der rechten Seite der Räuber Moor mit seiner Schar wieder , als wenn er von der Übermacht des Militärs zurückgedrängt wäre . Neue fechtende Gruppen bilden sich wieder auf dem Proscenio , sowie auf der innern Bühne ; das Schießen wird noch viel gewaltiger ; die größte Verwirrung und Zerstörung stellt sich dar . Jetzt bricht heulend und bellend die ganze Koppel der Jagdhunde herein ; alles schreit , lärmt , Trompeten schmettern , Waldhörner tönen , Büchsen , Gewehre und Pistolen knallen , dazwischen die Hunde , und die Anhetzenden toben , was sie nur vermögen , so daß der alte Förster genötigt ist , von der Wahrheit abzuweichen und als Schufterle trotz seines schimpflichen Abschiedes wieder aufzutreten um seine Hunde nur gehörig zu führen und in Ordnung zu halten . Die Doggen , so abgerichtet , reißen viele Soldaten von hinten nieder , die Bullenbeißer rennen die Stufen hinan , um die Krieger anzupacken , und als diese mehr als babylonische Verwirrung , das Zeter und Spektakel eine geraume Zeit gewährt hat , fliehen die Soldaten , und die siegenden Räuber stürzen jubelnd nach . Den Boden , die innere Bühne und die verschiedenen Stufen rechts und links bedecken die Leiber getöteter und verwundeter Krieger , alle , wie auch Leonhard und der Professor zugaben , in höchst malerischen Stellungen , worüber der letzte nicht wenig erfreut war , da nur durch seine angepriesene neue , oder vielmehr veraltete Bühneneinrichtung dieser Effekt erreicht werden konnte . Nun schlossen sich die Vorhänge und verdeckten alles . Diesem Ungestüm folgte eine allgemeine tiefe Stille , denn die Bewunderung und das Entzücken der Zuschauer war so groß , daß sie anfangs keine Worte und keinen Ausdruck finden konnten . Endlich vereinigte sich der Ausspruch der Damen sowohl wie der fremden Herren dahin , daß dieses Schauspiel erhaben , sublim und einzig zu nennen sei , daß man niemals sich vorgestellt habe , daß die dramatische Kunst so ungeheure Wirkungen hervorbringen könne , und daß das ganze Land dem Baron Elsheim zum innigsten Danke verpflichtet sei , daß er , als ein echter Patriot , mit großen Unkosten zur Bildung und Erhebung aller Zuschauenden diese Prachteinrichtung auf seinem Schlosse stattfinden lasse . Dülmen , der alte Bellmann und seine Söhne , der Forstmeister und der Amtmann reichten abwechselnd dem jungen Baron die Hände und drückten die seinigen , überschütteten ihn mit Lob und Dank ; auch die Witwen erhoben ihren Gesang zwischen den derben männlichen Tönen , so daß Elsheim , wenngleich seine Freunde abwehren halfen , vor Verdruß und Langeweile ermüdete , bis ihn endlich der Anfang des dritten Aktes von diesen lästigen Artigkeiten befreite . Dieser Aufzug wirkte nur wenig , weil sich soeben das Interessanteste gleichsam erschöpft hatte . Nur die starke , nachdrückliche und laut schallende , nicht geheuchelte , oder angedeutete Ohrfeige , welche Franz von der rüstigen Amalie empfing , erweckte die Zuschauer aus ihrem Schlummer , und erregte ein lautes und allgemeines Gelächter . » Es geschieht dem bösen Kerl ganz recht « , sagte ein Bauer laut sprechend , » so sollten nur alle mit ihm umgehen , so würde er schon zu Kreuze kriechen müssen . « In der zweiten Szene hatten sich die Räuber wieder malerisch gelagert , und Elsheim freute sich wieder dieses Anblicks , indem er sich erinnerte , wie unbedeutend , unbestimmt und nicht kenntlich ,