endlich das geheim gehaltene Glück der Aehnlichkeit mir anvertraut ward , wie tief erschüttert war ich da ! Warum lebte ich nicht , als sie zu Tewksbury in ihrem Kerker schmachtete ? Ich wäre zu ihr eingeschlichen , in meinen Kleidern wäre sie entflohen , ich , ihr so ähnlich , wäre an ihrer Statt auf jenem Blutgerüst gefallen . In Wahrheit , Lady Melville , rief hier die junge verwittwete Marquise Danville , Euer großmüthiger Enthusiasmus ist ein um mehr als dreißig Jahr verspäteter , ziemlich bequemer Tribut der Dankbarkeit für das Glück , der schönsten Frau zu ähneln , die gleich der griechischen Helena die Welt in Brand und Unheil stürzte . Ihr habt Recht , Mylady , sprach die Gräfin , durch den grellen Ton der Mißgunst unsanft aus ihren Kinderträumen geweckt , wohl ist dies ein nutzloser oder , wie Ihr sagt , ein bequemer Enthusiasmus . Vergeblich selbst hätte ich zu jener Zeit gelebt . Wie würde , was den Edelsten meines Landes nicht gelang , dem schwachen Mädchen durch den zufälligen Schein der Aehnlichkeit gelungen sein ? Doch ich liebte sie früher , als ich von meinen Zügen wußte ; inniger aber mußte ich seitdem mich zu ihr hingezogen fühlen . Ich bin mir des ersten Einflusses wohl bewußt , der mich aus meinen eignen Zügen mahnend anzureden schien . Fast beschämt fühlte ich mich von dem Glücke , ihr zu gleichen ; ich fürchtete , zu strengerer Rechenschaft bestimmt zu sein , und , fuhr sie sich selbst belächelnd fort , ich wünsche den köstlichen Gefäßen gleich zu sein , deren Form zerspringt , sobald ein Tropfen Gift hinein geschüttet wird . - Es entstand eine Pause , in der Alle , die sie allmälig umgeben hatten , mit den verschiedensten Empfindungen , doch voll Antheil auf sie blickten . Lord Ormond drückte Richmonds Arm , und die Glut der tiefsten Empfindungen ruhte auf seinem edlen Angesicht , während Ollonie Dorset mit erblaßten Wangen bald ihre feuchten Augen auf die Lady , bald auf Lord Ormond und Richmond wandte , welcher letztere nicht mehr den Ausdruck unbilliger Kälte trug . Doch wenn diese Männer , sichtlich ergriffen , ihr eben nichts zu sagen wußten und hiermit sie ehrten , kam derlei zartere Bedenklichkeit nicht in die Seele Lord Membrockes , der sich ihr sogleich näherte , um mit dem flachen Wortschwall des eiteln Weltmannes sie zu versichern , Maria Stuart sei zur rechten Zeit geboren und gestorben , denn die Schönheit habe sie mit siegreicheren Kronen geschmückt , als die dreifach gekrönte Königin . Sogleich erhob sich die Lady , und als sie so emporgerichtet stand , und ihr plötzlich so stolzer Blick über den schönen , sieggewohnten Lord hinstreifte , schien sie Allen noch viel mehr der königlichen Maria zu gleichen , deren hoher Sinn durch keine Gewaltthat des Schicksals zu beugen war . Sie zog leicht die schönen Augenbrauen , und Anna Dorsets Arm ergreifend , wehrte sie ihn mit der Hand : Laßt das , Mylord , Ihr habt nicht Einsehen , wie ich ' s meine , und ich muß Euch darum verzeihn , wenn Ihr mir weh thut , denn wir sind uns fremd . Lord Membrocke suchte seinen gekränkten Stolz hinter ein lautes Applaudiren dieser kühnen Rede zu verbergen und ihren Witz zu rühmen , während ihm das stolze Mädchen schon längst den Rücken gewandt hatte und in den Nebensaal entschwunden war . Als sich die Gesellschaft getrennt , erwartete Lord Ormond , in einem Saale des Erdgeschosses lustwandelnd , seinen geliebten Richmond zu einem traulichen Zwiegespräche , nach dem sich Beide sehnten . Lord Ormond war der Bruder der Lady Dorset , und , wenn auch bedeutend jünger , als seine Schwester , doch in der Mitte der dreißig und mit vollem Rechte in dem Besitze der allgemeinsten Anerkennung . Als Kämmerer des Königs machte diese Stellung , die ihm als Irischen Pair zur Auszeichnung gereichte , ihn zum fast beständigen Bewohner Londons , und den einzigen Ersatz für diesen Zwang gewährte ihm das Haus seiner Schwester , der die Würde ihres Gemahls dieselbe Lebensweise aufnöthigte . Lord Ormond war der Liebling seiner Schwester , er theilte jede Freude , jeden Schmerz dieser schüchternen Frau , die , von dem erhabenen Ernst ihres Gemahls erdrückt , nur an dem sanften und liebevollen Herzen des Bruders ihre unbestimmte Gefühlswelt erschließen konnte . Sein Rath , den er stets in ihrem wahren Interesse ertheilte , machte ihn zum wohlthätigen Dolmetscher zwischen den beiden sich so ungleichen Ehegatten . Der Graf Dorset , der , in die Interessen seiner hohen Hofstelle vertieft , sich gar nicht in die schüchternen Anforderungen seiner Gattin finden konnte , da sie ihm mehrentheils unverständlich blieben , fühlte sich durch seinen Schwager , dessen ausreichendem Schicklichkeitsgefühle er vertrauen durfte , der Sorge enthoben , seine Gewahlin verstehen zu müssen . Was sie wünschte , erfuhr er meist durch ihn , denn aus ihrem eigenen Munde ging eine solche Mittheilung stets so von Nebengedanken und Gefühlen verwirrt hervor , daß der gute Lord , trotz einer höflichen Anerkennung ihrer Rechte , doch selten im Stande war , in seinen Antworten ihr Genüge zu thun , wodurch ihr wieder auf lange die Lippen versiegelt wurden und der Gemahl sich leicht für beunruhigt in seiner Pflichterfüllung ansehen konnte . Die Erziehung seiner beiden Töchter hätte offenbar seinen Blick häufiger auf seine Häuslichkeit richten müssen , wären ihm nicht dieselben , da ihre Geburt ihn zwei Mal in der Hoffnung eines Erben getäuscht hatte , herzlich gleichgültig gewesen . Seine Gemahlin schien ihm , außer dem Fehler , keinen Sohn geboren zu haben , die leidlichste Gefährtin , die ein vornehmer Mann sich nur zur Gattin wünschen könnte . Er folgerte , unter ihrer Leitung müßten die beiden Töchter sich ihr ähnlich bilden , und so war er fertig und außerdem überzeugt , daß Lord Ormond für einen etwa abweichenden Fall schon Alles berichtigen würde . Er war