Herzogin . Unangemeldet trat er ein , und hielt ihr , die erschreckt zurückwich , die Urkunde entgegen . » Die Not ist vorüber , Sie sind gerettet ! « rief er . Der Herzog kam ; das laute Reden hatte ihn herbeigezogen . Schweigend reichte ihm Hermann die Urkunde . Der Herzog überblickte sie , wechselte die Farbe , drückte das Pergament an seine Brust , brach in Tränen aus , und sagte seiner Gemahlin mit stammelnden Worten den Zusammenhang der Sache . Ihr Antlitz verklärte sich , auch sie begann zu weinen . Sie sank zwischen den Männern auf die Knie , faltete die Hände , und ihre lieblichen tränenleuchtenden Blicke erhoben sich bald zum Himmel , bald ruhten sie auf ihrem Gemahle , bald auf Hermann . Dieser stand froh und stolz da , seine Gestalt schien größer geworden zu sein , ein süßes Vergnügen strömte durch seine Brust , er kam sich wie ein wiedergebornes Kind vor . Unbefangen legte er seine Hand auf das Haupt der Herzogin und sagte : » Der Zufall lauert unsern Torheiten auf und erniedrigt uns in ihnen . Aber dann wird auch gleich wieder dafür gesorgt , daß wir nicht zugrunde gehn , daß wir uns selbst finden und fühlen lernen . Ich erfahre es heute . Nun , nach dieser Wendung bin ich imstande , Ihren Auftrag zu besorgen meine verehrte Fürstin . Ich will versuchen , auch von dieser Seite Ihre Kümmernisse zu zerstreun . « Fünftes Buch Die Demagogen Mit wenig Witz und viel Behagen Dreht jeder sich im engen Zirkeltanz , Wie junge Katzen mit dem Schwanz ! Mephistopheles Erstes Kapitel Dem Herausgeber dieser Geschichten ist es zuweilen begegnet , daß gute Freunde oder Bekannte , welche er in geraumer Zeit nicht gesehen hatte , und welche ihn nachmals mit einem unerwarteten Besuche überraschen wollten , diese Überraschung auf doppelte Weise bewerkstelligten , nämlich auch durch eine verwandelte Persönlichkeit . Nicht selten geschah es , daß der Leichtsinnige ernst , der Muntre schwerfällig , der Rührige bequem geworden war . Da wir aber dergleichen Ändrungen uns nicht vorzustellen vermögen , vielmehr die Menschen in unsern Gedanken immer bleiben , was sie gewesen sind , so geht es bei derartigen plötzlichen Begegnungen nie ohne ein unangenehmes Gefühl ab . Um dem Leser der vorliegenden Denkwürdigkeiten jenes unangenehme Gefühl zu ersparen , müssen wir jetzt ankündigen , daß eine Person , die im Beginne unsrer Erzählung flüchtig vorüberstreifte , nunmehr den Boden derselben in verwandelter Gestalt wieder betritt . Man wird sich noch des Freundes von Hermann erinnern , des Philhellenen , welcher ihn über seine unentschiedne Gesinnung einigermaßen mitnahm , und voll Tatendrang von ihm schied . Dieser junge Mann kam wirklich mit dem Gelde Hermanns bis nach München , wo er noch Empfehlungsbriefe mitnehmen wollte , bereit , sein Blut für Hellas zu verspritzen . Dort erkundigte er sich nach dem Mädchen , welche eine Zeitlang Hermanns Herz besessen hatte , um ihr die ihm vertrauten Liebespfänder einzuhändigen . Sie empfing ihn als Freund ihres Freundes , und er ging vom ersten Tage an zu allen Stunden im Hause aus und ein . Denn durch ein Zusammentreffen der Umstände mußte es sich fügen , daß er auch mit ihrem Vater gleich vertraut werden konnte . Dieser , ein wohlhabender Mann , besaß ein großes Brauhaus . Er war , sobald sich dort die Vereinigungen zugunsten der unglücklichen Griechen zu bilden begannen , einer derselben als eifriges Mitglied beigetreten . Vielleicht handelte er hierin nicht ganz ohne Eigennutz ; man sagt , er habe in Erwägung gezogen , daß so viele an das landübliche Getränk Gewöhnte nach jenen fernen Gegenden auswanderten , und im stillen beabsichtigt , eine Niederlage seines Produktes nahe bei Athen anzulegen . Zu diesem Manne hielt sich der Philhellene , der jenem durch sein entschiednes , feuriges Wesen , und die Gabe ausdrucksvoller Rede ungemein gefiel . Die Gönner , welche dem Wandrer behülflich sein sollten , waren verreiset ; der Münchner Aufenthalt zog sich in die Länge . Unerwartet , aber sehr willkommen , tat sein neuer Freund ihm den Vorschlag , bei ihm Quartier zu empfangen ; welches dankbar angenommen wurde . Sie unterhielten sich nun , sooft es die Geschäfte des Hausherrn erlaubten , von nichts als von ihren Planen für die Herstellung und Beglückung des den Türken abzunehmenden Landes . Die Zwischenzeiten füllten Gespräche mit Fränzchen aus . Dieses gute , muntre , hübsche Kind hatte doch im stillen einige Tränen vergossen , als Hermann aus Scherz Ernst machte , und ihr die Andenken zurücksandte . In solchen Stimmungen sind die Frauenzimmer bekanntlich am geneigtesten , einer neuen Empfindung Gehör zu geben . Sie bemerkte daher nicht so bald , daß die Blicke des Philhellenen ihr zu folgen anfingen , als die ihrigen die Gefälligkeit bezeigten , sich finden zu lassen . Den Herzen , die zueinander strebten , folgten binnen kurzem die Hände und die Lippen , und mit dem feierlichen Schwure von seiten des Liebhabers , daß sie sein zukünftiges Eigentum am Öta als Hausfrau schmücken solle , ward der Bund geschlossen . Nun begannen für den Philhellenen Tage , die , wie er zu Franzisken sagte , ihm eine neue Welt öffneten . Er liebte nach seiner Versicherung jetzt die ganze Menschheit ; er schwärmte mit dem Vater und koste mit der Tochter . In dieser Empfindung habe sich erst seine ganze Manneswürde entwickelt , rief er hundertmal des Tages aus . Auch wenn der Vater schon zur Ruhe gegangen war , blieb er noch bei Fränzchen , wo sich denn ihre gegenseitigen Empfindungen nicht selten so steigerten , daß Worte denselben unmöglich mehr genügen konnten . Aber aus den Freuden dieser Abende entsprang eine natürliche Folge , worüber der Philhellene so erschrak , daß er , als Fränzchen sie ihm mit trauriger Miene zuflüsterte , wie vom Donner gerührt , dastand . Denn er , versenkt in seine großen Ideen von Menschenwohl und Volksbefreiung ,