entfalte . Der Dichter ( Du Goethe ) muß zuerst dies neue Leben entfalten , er hebt die Schwingen und schwebt über den Sehnenden und lockt sie und zeigt ihnen , wie man über dem Boden der Vorurteile sich erhalten könne ; aber ach ! Deine Muse ist eine Sappho , statt dem Genius zu folgen , hat sie sich hinabgestürzt . Am 29. November Gestern hab ich so weit geschrieben , da hab ich mich ins Bett gelegt aus lauter Furcht , und wie ich alle Abend tue , daß ich im Denken an Dich zu Deinen Füßen einschlafe , so wollte es mir gestern nicht gelingen ; ich mußte mich schämen , daß ich so hoffärtig geschwätzt habe , und alles ist vielleicht doch nicht , wie ich ' s meine . Am End ist es die Eifersucht , die mich so aufbringt , daß ich einen Weg suche , wie ich Dich wieder an mich reiße und ihrer vergessen mache ; nun ! Prüfe mich , und wie es auch sei , so vergesse nur meiner Liebe nicht und verzeihe mir auch , daß ich Dir mein Tagebuch zuschicke ; am Rhein hab ich ' s geschrieben , ich habe darin das Leben meiner Kinderjahre vor Dir ausgebreitet und Dir gezeigt , wie unser beider Wahlverwandtschaft mich trieb , wie ein Bächlein eilend dahinzurauschen über Klippen und Felsen zwischen Dornen und Moosen bis dahin , wo Du gewaltiger Strom mich verschlingst . Ja , ich wollte dies Buch behalten , bis ich endlich wieder bei Dir sein würde , da wollte ich morgens in Deinen Augen sehen , was Du abends darin gelesen hattest ; nun aber quält mich ' s , daß Du mein Tagebuch an die Stelle von Ottilien ihrem legest , und die Lebende liebst , die bei Dir bleibt , mehr wie jene , die von Dir gegangen ist . Verbrenne meine Briefe nicht , zerreiße sie nicht , es möchte Dir sonst selber weh tun , so fest , so wahrhaft lebendig häng ich mit Dir zusammen , aber zeige sie auch niemanden , halt ' s verborgen wie eine geheime Schönheit , meine Liebe steht Dir schön , Du bist schön , weil Du Dich geliebt fühlst . Am Morgen Über Nacht blüht oft ein Glück empor wie die türkische Bohne , die , am Abend gepflanzt , bis zum Morgen hinaufwuchs und sich in die Mondsichel einrankte ; aber beim ersten Sonnenstrahl verwelkt alles bis zur Wurzel , so hat sich heute nacht mein Traum blühend zu Dir hinaufgerankt , und eben war ' s am schönsten , Du nanntest mich » Dein alles « , da dämmerte der Morgen , und der schöne Traum war verwelkt wie die türkische Bohne , an der man nachts so bequem das Mondland erstieg . Ach schreibe mir bald , ich bin unruhig über alles , was ich gewagt habe in diesem Brief , ich schließe ihn , um einen neuen anzufangen , ich könnte zwar zurückhalten , was ich Dir über die Wahlverwandtschaften sagte , aber wär es recht , dem Freund zu verschweigen , was im Labyrinth der Brust wandelt in der Nacht ? - Bettine An Goethe Am 13. Dezember 1809 Ach , ich will dem Götzendienst abschwören ! Von Dir spreche ich nicht ; denn welcher Prophet sagt , daß Du kein Gott seist ? - Ich spreche von Großem und Kleinem , was die Seele irrt . O wüßtest Du , was Dir zum Heile dient jetzt in den Tagen Deiner Heimsuchung ? Lukas XIX. Ich hätte Dir vieles zu sagen , aber in meinem Herzen zuckt es , und schmerzliche Gedanken türmen sich übereinander . Der Friede bestätigt sich . Im Augenblick der glorreichsten Siege , wo die Energie dieses Volkes seinen Gipfel erreichte , mahnt Österreich , die Waffen niederzulegen ; was hat es für ein Recht dazu ? - Hat es nicht lange schon tückisch furchtsam seine Sache von der der Tiroler getrennt ? - Da stehen die gekrönten Häupter um diesen Edelstein Tirol , sie schielen ihn an und sind alle von seinem reinen Feuer geblendet ; aber sie werfen ein Leichentuch darüber hin : ihre abgefeimte Politik ! Und nun entscheiden sie kaltblütig über sein Los . Wollt ich sagen , welche tiefe Wunden mir die Geschichte dieses Jahres geschlagen , wer würde mich bemitleiden ? - Ach und wer bin ich , daß ich meine Anklage , meinen Fluch dürfte verlauten lassen ? - Jeder hat das Recht , sich den höchsten Geschicken zu vermählen , dem es so rast im Herzen wie mir , ach ich hab auch zu nichts mehr Lust und Vertrauen ; der kalte Winterwind , der heute stürmt , mit dem bin ich nicht im Widerspruch , der belügt mich doch nicht . Vor sechs Wochen waren noch schöne Tage , wir machten eine Reise ins Gebirg . Wie wir uns dem Kettenwerk der felsigen Alpen näherten , das hat mächtig in mir gearbeitet , die Asche fiel vom Herzen , es strömte Frühlingsglut in den matten Schein der Herbstsonne . Es war herrlich unter den Tannen und Fichten auf der Hochalme , sie neigten im Windesrauschen ihre Wipfel zueinander ; war ich ein Kätzchen , in ihrem Schatten hätte mich des Kaisers Majestät nicht geblendet . - Hier lag ich am jähen Abhang und überschaute das enge Tal , dem verkuppelt mit Bergen hieroglyphische Felswände entstiegen . Ich war allein auf steilster Höhe und übersah unzählige Schluchten , die gefühlvollen Entzückungsprediger waren zurückgeblieben , es war für sie zu steil . - Wären wir beide doch dort beisammen im Sommer und stiegen Hand in Hand bedachtsam , langsam , einsam den gefahrsamen Pfad hinab , das waren so meine heiligen Gedanken da oben ; wärst Du dabei gewesen , wir hätten noch anderes bedacht . - Ein Kranz kühlt und steht schön zu erhitzten Wangen ; was willst Du ? - Tannen stechen , Eichen wollen