dem Leser gern ersparen . Genug , der Förster , nachdem er seine Meinung über solchen Eigensinn mit Bitterkeit von sich geschüttet hatte , verließ ganz außer sich das Zimmer . Die Arme warf sich voller Schmerz aufs Bette , und Theobald , dem sie nur rückwärts ihre Hand hinlieh , saß lange schweigend neben ihr . Sie wurde ruhiger , sie rührte sich nicht mehr , ein leiser Schlaf umdämmerte ihre Sinne . Unserem Freunde drangen sich in dieser stummen sonderbaren Lage verschiedene Betrachtungen auf , die er seit jenem Morgen , an dem er die Geliebte von neuem an sein Herz empfing , nimmermehr für möglich gehalten hätte , doch jetzt , wer möchte ihm verargen , wenn ihn der Zweifel überschlich , ob denn das Rätselwesen , das hier trostlos vor seinen Augen lag , dazu bestimmt sein könne , durch ihn glücklich zu werden , oder ihm ein dauerndes Glück zu gründen , ob er es für ein wünschenswertes und nicht vielmehr für ein höchst gewagtes Bündnis halten müsse , wodurch er sich fürs ganze Leben an dies wunderbare Geschöpf gefesselt sähe ? Aber zu fragen brauchte er sich wenigstens das eine nicht : ob er sie wirklich liebe , ob seine Neigung nicht etwa nur eine künstlich übertragene sei ? vielmehr durchdrang ihn das Gefühl derselben nie so vollglühend als eben jetzt . Er dachte weiter nach und mußte finden , daß eben jene dunkle Klippe , woran Agnesens sonst so gleichgewiegtes Leben zum erstenmal sich brach , dieselbe sei , nach der auch sein Magnet von früh an unablässig strebte , ja daß ( man gönne uns immer das Gleichnis ) die schlimme Zauberblume , worin des Mädchens Geist zuerst mit unheilvollen Ahnungen sich berauschte , nur auf dem Grund und Boden seines eignen Schicksals aufgeschossen war . Notwendig daher und auf ewig ist er mit ihr verbunden , Böses oder Gutes kann für sie beide nur in einer Schale gewogen sein . Seine Gedanken verschwammen nach und nach in einer grundlosen Tiefe , doch ohne Ängstlichkeit ; mit einer Art von frommer Todeswollust , mit überschwenglichem Vertrauen küßt er den Saum am Kleide der Gottheit , deren geweihtes Kind er sich empfindet . Er hätte eine Ewigkeit so sitzen können , nur diese Schlafende neben sich , nur diese ruhige Kerze vor Augen . - Er neigt sich über Agnes her und rührt mit leisen Lippen ihre Wange ; sie schrickt zusammen und starrt ihm lange ins Gesicht , bis sie sich endlich findet . Stillschweigend treten beide ans offene Fenster , eine balsamische Luft haucht ihnen entgegen ; der volle Mond war eben aufgegangen und setzte die Gegend , das Gärtchen , ins Licht . Sie deutet hinab , ob er noch einen Gang zu machen Lust hätte . Man zauderte nicht . Der Vater war zu Bette gegangen , das ganze Dorf in Ruhe . Sie wandelten den mittlern Weg vom Haus zur Laube , zwischen aufblühenden Rosengehegen , Hand in Hand auf und nieder . Keins konnte die ersten Worte recht finden . Er fing endlich damit an , den Vater zu entschuldigen , und rückte so dem Gegenstand des Streites näher , um zu erfahren , woher ihr diese Scheu , dies Widerstreben gegen ein so natürliches als erfreuliches Vorhaben kam , von dem sie noch vor wenig Wochen mit aller Unbefangenheit , ja ganz im Sinn des echten Mädchens gesprochen hatte , dem auch die äußeren Erfordernisse eines solchen Tags , die Musterung und Wahl des Putzes , ein reizender Gegenstand der Sorgfalt und der Mühe sind . Mit welcher Rührung hatte sie neulich ( wir versäumten bis jetzt , es zu erwähnen ) , mit welcher Bewunderung das schöne Angebinde der unbekannten Freundinnen aus Theobalds Händen empfangen und gegen das schwarze Festkleid gehalten ! » Sieh « , sagte der Bräutigam jetzt , und streichelte ihr freundlich Kinn und Wangen , indem sein Ton zwischen Wehmut und einer ermutigenden Munterkeit wechselte , » dort schaut das Kirchlein her und tut wie traurig daß es die Freude deines Tags nicht sehen soll ! kannst du ihm seinen Willen denn nicht tun ? - Gewiß , Agnes , ich will dich nicht bestürmen : hier meine Hand darauf , daß du mit keinem Wort , mit keiner unfreundlichen Miene , auch vom Vater nicht , es künftig entgelten sollst , wenn du , was wir verlangen , nun einmal nicht über dich vermöchtest , nur überleg es noch einmal . Ich will alles beiseite setzen , was der Vater hauptsächlich für seine Absicht anführt , ich will davon nichts sagen , daß es jedermann auffallen müßte , Stoff zu Vermutungen gäbe , und dergleichen . Aber ob du der Heimat , in deren Schoß du deine frohe Jugend lebtest , von der du nun für immer Abschied nimmst , ob du ihr dies Fest nicht schuldig bist , worauf sie so gerne stolz sein möchte ? Der Ort , das Haus , das Tal , wo man erzogen wurde , dünkt uns von einem eigenen Engel behütet , der hier zurückbleibt , indem wir uns in die weite Welt zerstreuen : es ist dies wenigstens das liebste Bild für ein natürliches Gefühl in uns ; bedenke nun , ob dieser fromme Wächter deiner Kindheit dir ' s je verzeihen könnte , wenn du ihm nicht vergönnen wolltest , dir noch den Kranz aufs Haupt zu setzen , dich auf der Schwelle deines elterlichen Hauses mit seinem schönsten Segen zu entlassen . Es hoffen alle deine Gespielen , jung und alt hofft dich vor dem Altar zu sehen , das ganze Dorf hat die Augen auf dich gerichtet . Und darf ich noch mehr sagen ? Zweier Personen muß ich gedenken , die diesen Tag nicht mehr mit uns begehen sollten , deine teure Mutter und unser kürzlich vollendeter Freund : ihr Gruß wird uns an jenem Morgen schmerzlich fehlen , aber doch eine Spur ihres Wesens wird uns an