? « fragte Wallrade entgegen . - » Der schöne Nachmittag hat mich verlockt , mit meiner Kleinen in ' s Freie zu gehen ; « antwortete die andre : » Wir haben die geräuschvollsten Straßen durchstrichen , und ich erging mich einmal wieder im warmen Frühlingsschein . Meinen Kummer hatte ich mir durch Zerstreuung erleichtert ; - aber auf einmal wurde er verdoppelt in seiner Last . Plötzlich war mir ' s , als ob ich unter dem Gewühle der Menschen meinen armen Rudolf erblickte . Du glaubst nicht , Wallrade , welchen Eindruck der grüne Rock auf mich machte , den ich unfern von mir durch das Getümmel schimmern sah . Wie eine aufgescheuchte Taube machte ich mir Bahn , und flog dem rüstig dahineilenden nach . Rudolf ! rief ich in meinem Wahn , Vater ! lallte mein Mädchen , als ob es meinen Schmerz theilte . Der Mann sah sich um , - und ich gewahrte ein kaltes , fremdes Gesicht . O , wie hatte ich mich getäuscht ! « - » Und wie sehr verdientest du diese Täuschung ! « erwiederte Wallrade hart : » Verbot ich Dir nicht , Dich in der Stadt zu zeigen ? Ich wußte es ja wohl , daß Deine unselige Leidenschaft den Gaffern ein Schauspiel geben , und die jungen müßigen Thoren in Bewegung setzen würde . « - » Schilt mich , « versetzte Frau Katharine , » aber zürne mir nicht ernstlich . Was würde aus mir , wenn ich Deine Freundschaft einbüßen sollte ? Laß mich indessen erst gänzlich meine Erzählung zu Ende bringen . Einen besondern Zufall habe ich noch zu berichten . Du kannst Dir vorstellen , in welcher Lage ich mich befand , als die Hoffnung , den Gatten zu umfangen , mir entwichen , sein Trugbild , wie ein Gespenst unter meinen Händen in Nichts zerronnen war . Mich kümmerte das Anstarren der Gaffer nicht . In meinem , erst recht lebendig gewordnen Schmerze blickte ich auf zum Himmel , und drückte mein weinendes Kind heftig an die Brust , - da steht plötzlich ein junger Mann vor mir , in dem ich ohne Mühe jenen Jüngling erkannte , der uns , wie ich Dir schon erzählt , zu Costnitz den räthselhaften Besuch abgestattet hat , seit welchem meines Mannes verschloßne Schwermuth anhob . « - » So ? « unterbrach sie Wallrade überrascht : » jener Jüngling ? Doch gewiß war ' s abermals nur ein Truggebild Deines Gehirns . « » Nicht doch ; « fuhr Katharine fort : » die wunderfreundlichen Augen des jungen Mannes habe ich mir zu gut gemerkt , sah ich ihn auch damals nur gleich wie im Fluge . Eben so freundlich blickte er nun mich an , und schien nicht weniger überrascht zu seyn , als ich . Ei , Frau von der Rhön , sprach er hierauf : wie kömmt ' s , daß ich Euch hier zu Frankfurt sehe ? Ihr habt sicherlich unter dem Gedränge Euern Gatten verloren . Darf ich Euch an seiner Statt nach Hause bringen ? - « » Seht doch ! « spöttelte Wallrade mit einer gewissen Unruhe : » wie ritterlich ! Und Du gingst mit ihm , und benahmst ihm ohne Zweifel seinen Irrthum ? « » Meine Schaam ließ es nicht zu ; « entgegnete Katharine : » ich ließ mich zwar von ihm nach Hause geleiten , konnte mich jedoch nicht überwinden , ihm die Wahrheit zu sagen , wie angelegentlich er sich auch nach dem Herrn von der Rhön und der Ursache unsers hiesigen Aufenthalts erkundigte . « Auf der Schwelle des Hauses nahm er Abschied . Da war es aber auch , wo er mir folgende bewerkenswerthe Worte sagte : » Grüßt Euern Gemahl von dem Unbekannten , edle Frau , und sagt ihm , er habe keine gute Zeit gewählt , hier zu verweilen . Sein böser Geist ist um die Wege . Er möge sich hüten , ihm zu begegnen . Ich werde in den nächsten Tagen selber ihn heimsuchen , und ihm , so Gott will , die Kunde bringen , daß die Gefahr vorüber . « - » Somit schied er , und seitdem ich zu Hause sitze , foltern mich neue Zweifel , peinigt mich verdoppelte Angst . « Wallrade schwieg eine Weile mit gerunzelter Stirne , nachsinnend und düster . » Dieser Mensch , « sprach sie endlich , » ist ohne Zweifel selbst Deines Gatten Feind , oder das Werkzeug seines bösen Geistes . Hinter seinen räthselhaften Worten lauert Unheil , - ich wollte darauf einen Eid ablegen . Du mußt dem Fremdling ausweichen ; - ich will es . Ohnehin ist meines Bleibens hier nicht mehr lange . « » Nicht ? « fragte Katharine ängstlich in Wallraden ' s Augen lesend : » Du wirst doch nicht vergessen , was Du mir , Deiner Freundin gelobtest ? Hieher , erfuhren wir , habe der beklagenswerthe Flüchtling sich gewendet ; - hier verliert sich seine Spur , dem Anscheine nach ; allein Du hast mir nähere Auskunft zugesichert , durch Deines Geschlechts und Deiner Freunde vielseitige Verbindungen . Versäume nicht , für mich zu handeln . Ich , die Verlassene ohne Verwandte , ohne Güter und Freund , vermag es ja nicht . « » Was ich gelobte , habe ich nie versäumt ; « erwiederte Wallrade : » ich habe für Dich gehandelt ; ich habe Aufschluß erhalten auf mein beharrliches Forschen ; ich muß Dir nun , so wehe es mir thut , mittheilen , was ich aus der reinsten Quelle geschöpft ; denn Deine überspannte Sehnsucht , Deine auf ' s höchste gereizte Leidenschaft für einen Treulosen , der Dich verließ , muß geheilt werden , sey es auch durch das läuternde Feuer des Grams . - « » Gott ! was werde ich hören ! « seufzte Katharine in banger Erwartung , die Augen starr auf das unheilverkündende