aber er war dennoch wenigstens von ihrem guten Willen überzeugt . Zum zweitenmal legte er in dieser Stunde ihre Hand in die seines Bruders , drückte beide mit glänzenden Augen an seine von tausend verschiedenen Empfindungen bestürmte Brust , und wandte sich dann von ihnen , um seine treue Sorge für ihre glücklichere Zukunft fortzusetzen . Die unabänderlich vorher bestimmte Kürze seines Aufenthalts hatte ihn gleich bei seiner Ankunft auf Leuenstein abgehalten , den Zustand der höchst verworrenen Angelegenheiten seines Bruders genauer zu untersuchen , aber er hatte in seinem Herzen beschlossen , diesem einen erfahrnen wohlgesinnten Freund zuzuführen , der eben so geschickt als willig sey , sich seiner anzunehmen . Seine Wahl war dabei auf den Baron Meinau , einer seiner früheren Jugendfreunde gefallen , der seit wenigen Jahren ein mäßiges , nur wenige Stunden von Leuenstein entferntes Landgut bewohnte , dessen ursprünglichen Werth er , nach dem Urtheil aller in diesem Fache Erfahrnen , durch Fleiß und wohl angewandte ökonomische Kenntnisse während der kurzen Zeit fast verdoppelt hatte . Zu diesem führte Bernhard am letzten Tage seines Aufenthalts in der Burg seiner Väter Albert und Luisen , und schon auf dem Wege fielen ihm die blühenden Felder , die üppigen Wiesen , die freundlichen Dörfer auf , welche Meinaus Besitzungen vor andern der Nachbarschaft auszeichneten . Sein alter Freund erkannte ihn sogleich und empfing ihn mit offenen Armen und ungeheuchelter Freude ; auch Albert und Luise fanden die freundlichste Aufnahme , und während Frau von Meinau Luisen mit jener anspruchlosen Zuvorkommenheit zu unterhalten suchte , welche sogleich die Herzen gewinnt , fand Bernhard Gelegenheit , dem Baron Meinau in Alberts Beiseyn das wichtige Anliegen zu eröffnen , das ihm besonders am Herzen lag . Er hatte früher Gelegenheit gehabt , diesem sehr bedeutende Dienste zu leisten , und obgleich er es selbst längst vergessen zu haben schien , so ergriff Meinau doch mit herzlicher Freude die Gelegenheit , die so ganz unerwartet sich ihm bot , um Bernhard durch mehr als Worte zu beweisen , daß er jener Vergangenheit noch immer dankbar gedächte . Er zeigte sich daher sehr bereitwillig , alle Zeit , die er von seinen eigenen Geschäften abmüßigen könne , Alberten zu widmen , und versprach diesen überall durch Rath und That , so viel er dieses vermöchte , zu unterstützen . Mit sehr erleichtertem Herzen kehrte Bernhard , Albert und Luise nach Leuenstein zurück und brachten noch einige Stunden im traulichen Gespräche zu , bis der Morgen graute . Dann drückte Bernhard noch einmal seine Lieben an sein Herz , entfernte sich stumm und warf sich auf sein bereit stehendes Pferd , um nun endlich seiner ernsten Bestimmung entgegen zu eilen . Gleich nach Bernhards Abreise bemühte sich Baron Meinau , das seinem Freunde gegebene Wort im vollsten Sinne desselben zu erfüllen , doch leider stellte ihm die überall in Alberts Angelegenheiten herrschende Verwirrung Schwierigkeiten dabei entgegen , die er so groß sich nimmer gedacht hatte . Er wandte jede seiner freien Stunden daran , nur fürs erste den Betrag der auf den von Leuenschen Gütern ruhenden Schuldenlast zu erforschen , aber es währte sehr lange , ehe er nur damit zu Stande kommen konnte , und endlich ward er mit Schrecken gewahr , daß die von Albert in der letzten Zeit aufgenommenen Summen dessen eigne unvollkommene Angabe derselben um mehr als die Hälfte überstiegen . Ueberdem mußte diese Schuld sich mit jedem Jahre beträchtlich vermehren , wenn man nicht bald Mittel und Wege fand , einige bösartige Wucherer zu befriedigen , denen Albert theils aus Unerfahrenheit , theils verleitet durch den Rath seines gewissenlosen Justiziars , in die Hände gefallen war . Meinau sah für den Augenblick keine Möglichkeit , die dazu nöthigen sehr bedeutenden Summen aufzubringen ; er konnte es nicht unterlassen , seine daraus entstehende Besorgniß gegen Albert zu äußern , und obgleich er dabei so schonend als möglich verfuhr , so drückte er damit doch den Stachel der Reue immer tiefer in das Herz des Armen , das durch die täglich steigende Gewißheit von Luisens Gleichgültigkeit ohnehin schmerzlich verwundet war , so daß Meinau alle Mühe hatte , seinen Muth nur etwas zu erheben und ihn durch freundliche Trostgründe vor gänzlicher Hoffnungslosigkeit zu bewahren . Während der weise wohlmeynende Freund , welchen Bernhard seinen Bruder geschenkt hatte , sich so thätig für dessen Wohl bemühte , fühlte auch seine Gattin sich von ihrem Herzen gezogen ihm zu helfen : denn diese wirklich liebenswerthe Frau war zu gewohnt , ihrem Gatten in allem hülfreich zur Seite zu stehen , als daß sie dieses nicht auch in einer Angelegenheit hätte versuchen sollen , die ihm so sehr am Herzen zu liegen schien . Sie begann daher ganz unvermerkt Luisens sich anzunehmen , gegen die sie mit ihren acht und zwanzig bis dreißig Jahren sich ohnehin recht matronenartig vorkam . Halb scherzend , halb im Ernst suchte sie die junge Frau zu bewegen , der Verwaltung des innern Hausstandes sich mehr als sonst anzunehmen , und da sie ihr hierin überall mit dem besten Beispiele voranging , so lernte Luise auch bald , wenigstens in der Gegenwart ihrer neuen Freundin , sich ihrer bisherigen Nachlässigkeit zu schämen . Luise konnte es sich nicht verhehlen , daß Frau von Meinau mit nicht geringern Ansprüchen an das Leben in die Welt getreten sey als sie selbst , auch sie hatte vor ihrer Vermählung im Hause ihrer reichen angesehenen Eltern in der Residenz und sogar am Hofe mitten in den glänzendsten Zirkeln gelebt , deren schönste Zierde sie war ; sie hatte Talente und überhaupt eine weitumfassende geistige Bildung sich erworben , welche Luise nicht besaß und klagte dennoch nie über die Einsamkeit des Landlebens und stand dennoch mit nie ermüdender Thätigkeit ihrem Hauswesen und der Erziehung ihrer Kinder vor , ohne je damit prunken zu wollen . Wenn sie Abends an ihrem schönen Wiener Pianoforte , dem einzigen glänzenden Hausgeräth das sie besaß , ihre Zuhörer bezauberte , oder im kleinen Kreise ihrer Bekannten