letzte Resultat ihrer Betrachtung : sie wolle schweigen ; da kam ihr Mann und sprach mit ihr scherzend , ob es ein Knabe oder ein Mädchen würde , und sie legte ihm die Karten , es wurde ein Knabe . Nun dachte sie , wie er heißen solle , der Graf meinte , Johannes , dem Marchese zu Ehren ; » wie mag es wohl kommen « , sagte der Graf , » daß keine Nachricht von ihm kommt , er ist wie verschollen , ich fürchte fast für ihn . « - Die Gräfin beruhigte ihn und sie gingen zu Bette ; sie schlief unbesorgt ein und dachte nicht daran , daß ihre eigne Zunge , ihr ungetreu , verraten könnte , was auf ihrem Herzen lastete und was unter ihrem Herzen ruhte ! So ist ' s aber mit der eignen Verkehrtheit des Traumwesens , und sie hatte , ohne es zu wissen , denn ihr Mann mochte nicht darüber klagen , wie oft sie ihn damit aus dem Schlafe gestört , die Schwäche , in fieberhafter Wallung des Blutes , woran sie jetzt oft litt , laut und vernehmlich im Schlafe zu reden , nachdem sie mit den Zähnen einigemal geknirscht hatte . Aufmerksam auf jeden ihrer Wünsche , meinte der Graf erst , seine Frau verlange etwas , und horchte ihr zu ; bald merkte er , daß sie wieder im Schlaf rede und wollte sich auf das andre Ohr legen , als ihn einige Worte aufmerksam machten , und immer aufmerksamer . Wohl der Welt , daß es finster war und daß keiner die steigende Verzweiflung seines Angesichts gesehen hat , als sie in einem ausführlichen schmerzlichen , oft von Schluchzen unterbrochenen Gespräche ihrem Manne die schwere Schuld , die Schuld seines Freundes , des Marchese bekannte , und alles wahr machte , was ihm in der letzten Zeit wie leere Traumbilder voller Verstandesverwirrung erschienen . Gern hätte er sich für wahnsinnig in dieser Stunde gehalten ; aber er fühlte den Bettpfosten , worauf er sich hielt , sah die bekannten Fensterritzen , durch welche das Licht sanft einschlich , und mehr als alles , er hörte sich selber aus ihrem Munde in dem wahrhaften Dialoge , der nur dem Traume und halbverrückten Dichtern eigen , seine eigne Art zu antworten , in Stimme und Gefühl , das sie nicht nachsprach , sondern was er in sich verschloß , aus ihrem Munde heraus schreien ; er hörte , wie er mitleidig zweifelnd sie zu überreden suche , das sei alles nur Täuschung im Traume von ihr , sie aber erinnerte ihn an ein goldnes Halshand aus einer goldnen elastischen Schlange , das sie noch bei seiner Rückkehr getragen , ein Geschenk des Marchese , worauf der Unglückstag eingestochen . Nun hörte er aus ihrem Munde , wie er raste , wie der Tod so schön sicher vor ihm stehe , es wurde ihm dabei als lebte er wirklich ganz in ihr , wie er in seinen ersten Worten von ihr , in erster Liebe von ihr gesagt hatte : » Ich hauchte meine Seele im ersten Kusse aus ! « Da sprach sie aus seinem Munde mitleidiger zu sich , er wolle ihr alles vergeben ; aber warnend sang sie ihm ein Lied , das damals viel gesungen wurde : Mich reut die Schmink , der falsche Fleiß , Der mich vom Mann gewendet , Die Sonne schien , ich baut aufs Eis , So war ich ganz verblendet . Nun wird es heiß , fort zieht das Eis Und meine goldnen Schlösser ; Wie ruft es doch im Flusse leis , Da drunten wär es besser . Und wie sie in das Wasser fällt , So wird sie festgehalten , Der Mann , dem sie noch wohlgefällt , Faßt ihres Schleiers Falten . » Laß mir den Schleier , halt mich nicht , Laß still mich ' nunter ziehen , Denn mein verstörtes Angesicht , Das kann von Scham nur blühen . « Der Strom ist stark , sein Arm zu schwach , Er will sie doch erfassen , Ihn zieht verlorne Liebe nach , Er wollte sie nicht verlassen . Kaum hörte er das noch , und schon stürzte er hinaus auf sein Zimmer , legte die Stirn gegen die Mauer , druckte die Augen ein ; er fühlte sich in einem Gewebe von Ahndungen , die alle wahr geworden , daß ihm sein Leben und die Welt zu einem Chaos verschwamm ; Geister gingen bei ihm aus und ein , sein Hirn war wie der Blocksberg in der Mainacht . Er sah die Sterne am Himmel und sie schienen mit ihm zu weinen ; ihr Mitleid schmerzte ihn und er schloß die Laden der Fenster . Bald setzte er sich und saß im Finstern sinnend die ganze Nacht ; der Unglücklichen wollte er schonen , aber die Rache an dem Marchese schien ihm Pflicht ; er hätte sie auch in diesen Augenblicken nicht aufgeben können , und wäre es gleich ein Gesalbter des Herrn gewesen , der so nichtswürdig mit dem Glücke seines Lebens sich einen schönen Abend gemacht . Seine Vorstellungen verwirrten sich allmählich und verwandelten sich ; er verschloß sich als die ersten Bewegungen im Hause des Tages gleiche Geschäfte ankündigten , die Mägde lachend die Treppe hinunterstiegen , um Feuer zu machen , die Bedienten anfingen Kleider auszuklopfen ; er hörte das alles wie ehemals , in ihm nur war alles aus . Häufig schloß er sich früh ein , um zu arbeiten ; durch eine Klappe , die er zu diesem Behufe eingerichtet , wurden ihm Frühstück und angekommene Briefe hineingeschoben . Lässig sah er darüber hin , was sich heute durch die Klappe zu ihm rückte ; doch reizte ihn Kleliens Handschrift und Siegel , einen Brief zu eröffnen , der an ihn , wie alle ihre Briefe , gerichtet war . Sie erzählte mit einer heiligen Freude ihr Glück , den geliebten Herzog wieder zu besitzen