Blut so viel als andere mit heißem . Jetzt entdeckte Karl nun vollends seinem Freunde , obwohl mit aller Zartheit der Freundschaft , Lianens Bekanntschaft mit jener Tartarus-Nacht . - Der sonst verschwiegene Lektor muß nähere Vorteile durch sein Plaudern suchen , schloß Albano , und nun sog sich die Kröte der Eifersucht , die im lebendigen Baume lebt und wächst ohne sichtbaren Eingang und Ausgang , in seinem warmen Herzen fest . Die unbeantwortete Liebe ist ohnehin die eifersüchtigste . Gott weiß , ob er nicht der Maschinendirektor der mit so vielen Rädern ineinander gehenden Geisterszenen ist . Alles das sind Albanos verhüllte Schlüsse ; offne Anklagen waren seinem Ehrgefühl versagt . Aber sein warmes , sich immer aussprechendes Herz forderte eine wärmere Nachbarschaft ; und diese fand er , wenn er dem frommen Vater folgte und nach Lilar ins Donnerhäuschen zog - mitten unter die Blumen und Gipfel , um , näher am Herzen der Natur gelagert , schöner zu träumen und zu genesen . Nur eine warme sonnen-helle Stelle war für ihn in Karls historischem Gemälde : es war die Hoffnung nämlich , daß vielleicht bloß die Irrtümer über sein Verhältnis zur Gräfin , aus denen der Bruder Lianen geholfen , ihr das bisherige immer gleich-kalte Benehmen gegen ihn vorgezeichnet haben . Auf diese sonnige Stelle warf Rabette ein Billet , worin sie ihm schrieb , sie reise Sonnabends zu ihren Eltern zurück , weil der Minister komme . Jene Hoffnung - diese Nachricht - die künftig ungünstigern Umgebungen - sein Ziehen nach Lilar , das alles entschied in ihm den Vorsatz , eine einsame Minute an sich zu reißen und darin vor Lianen den Schleier von seiner Seele zu werfen und von ihrer . 62. Zykel Sonderbar durchschnitten sich die Zufälle an dem Tage , wo Albano ins ministerialische Haus zum Abschiednehmen von Rabetten - und von Lianen , sagte in ihm eine zitternde Stimme - kam . Rabette winkt ' ihn aus dem Fenster in ihr Zimmer . Sie hatte die Ikarusflügel ihres Anzugs in die Kästen zusammengelegt . Über ihr Inneres fuhr ein beugender Sturm hin und her ; Karl hatte das Gleichgewicht ihres Herzens durch seine Wärme aufgehoben und es durch kein Wort der Belohnung wieder hergestellt . Gleich den Tauben flattert sie um das hohe Schadenfeuer ; o möge sie nicht wie jene mit verzehrtem Gefieder entweichen und wiederkommen und endlich darin zerfallen ! - Sie sagte , sie sehne sich zu den Ihrigen , seit sie gestern eine Herde Schafe durch die Stadt treiben sehen . Sie begleiten am Sonnabend Liane und die Mutter , um der Einweihung der Kirche und der Beisetzung des Fürstenpaares beizuwohnen . Er bat sie so schnell und hastig , ihm heute im Garten eine einsame Minute mit der Freundin zuzubereiten , daß er ihre schöne Nachricht von Lianens Zurückbleiben und Aufenthalt bei ihr gar nicht hörte . Leider fand er bei der Ministerin den Vorzeiger herrlicher Gemälde , der wie die Natur nicht nur den Anfang seines Lenzes , sondern auch das Ende seines Herbstes mit Giftblumen113 machte , Herrn v. Bouverot . Dian hatt ' ihm vier himmlische Kopien aus Rom gesandt ; diese schlug er mit trocknem Kunstgaumen auf . Liane empfing den Grafen wieder wie immer . War etwan Raffaels Madonna della Sedia , in deren vom Himmel gesunknes Palladium sich ihre zarte Seele eingesenkt , die Siegelbewahrerin ihres heiligsten Geheimnisses ? Der alles vergessende Künstlereifer ließ ihr so hold ! Ihre Sehnerven waren durch ihr langes Malen gleichsam weiche Fühlfäden geworden , die sich eng um schöne Formen schlossen . Gewisse weibliche Bilder - wie dieses - regten ihre ganze Seele auf . Sie hatte nämlich in der Kindheit sich von den Heldinnen der Romane und überall von ungesehenen Weibern glänzende Sternbilder in ihren innern Himmel hingezeichnet , große Ideen von ihrem Mute , ihrem himmlischen Wandel , ihrer Erhabenheit über alles , was sie je gesehen , und sie hatte gleichviel Scheu und Sehnsucht empfunden , einer zu begegnen . Daher ging sie aus diesem kolossalischen Nymphäum ihrer Phantasie so leicht geblendet und mit solcher feurigen Herzens-Achtung reinen Freundinnen und der Gräfin Romeiro entgegen . Gewisse Gemälde führten nun diese Altarblätter wie Kopien zurück . Die Gute dachte nicht daran , aber wohl ihr Freund , daß man dieser liebend niedersehenden Marie die Augen bloß lebendig zu regen und diese Lippen bloß mit Lauten zu erwärmen brauche - dann hatte man Liane . Der deutsche Herr fuhr fort und legte nun Raffaels Joseph , der den Brüdern einen Traum erzählt , und den ältern Joseph , der dem König einen erklärt , nebeneinander und fing an , die drei Raffaele in Worte zu übersetzen , und das mit so vielem Glück und nicht nur mit so vieler Einsicht ins Mechanische und Genialische , sondern auch mit einer so bestimmten Hervorhebung jedes menschlichen und moralischen Zugs , daß - Alban ihn für einen Heuchler hielt und Liane für einen sehr guten Menschen . Sie ergriff jedes Wort mit einem weit offnen Herzen . Als Bouverot den weissagenden Joseph malte , zugleich als kindlich , unbefangen , still und felsenfest und glühend und drohend : so stand das Urbild an ihrer Seite . Dem deutschen Herrn entfuhr weiter viel Gedachtes über da Vincis Christus-Knaben im Tempel , über die herrlich vollführte Verbrüderung und Einkindschaft des Knaben und Jünglings in einem Gesicht . - - Liane hatte die Kopie auch kopiert , allein sie und die Mutter verschwiegen es bescheiden . - Aber endlich störte Franziskus Albani mit seiner » Ruhe auf der Flucht « die bisherige Ruhe . Indem er den Traumdeuter dieser malerischen Träume machte und Rabette scharf auf dem mit dem offnen Buche neben Marie sitzenden heiligen Joseph dieses Bildes haftete , sagte Liane unglücklicherweise : » Ein schöner Albani ! « - , » Ich dächte nicht , « ( sagte Rabette leise ) » der Bruder ist viel schöner als dieser betende Joseph ! « - Sie hatte