folgte , war die Schilderung eines rüstigen und erfolgreichen Schaffens . Da Heinz der Liebe , die sein Glück bedeutete , sicher war , arbeitete er mit Lust und Freude , und es gelang ihm dann auch , in der Redaktion einer angesehenen Zeitschrift eine sichere und geachtete Lebensstellung zu erringen . Nun stand er auf eigenen Füßen und jetzt wollte er kommen , sie zu fragen ob sie ihm nun folgen wolle . Es war in der ersten Morgendämmerung , als Aenne vor Tante Emiliens Bett stand und mit blassem Gesicht und leuchtenden Augen sagte : „ Heute mußt du früher aufstehen , Tantchen , heute kommt mein Bräutigam ! “ Die gute alte Seele fuhr ganz verstört empor , sie dachte , das Mädchen phantasiere . „ Kind ! Ach , du Barmherziger , ich hab ’ dir ’ s ja schon gestern angesehen , als du aus dem Konservatorium kamst ! “ Da erzählte ihr Aenne die Geschichte des kleinen Pakets und Tante Emilie mußte nun glauben , obgleich ihr ’ s schier unglaublich dünkte . Und wie rasch konnte sie aus den Federn kommen , wie eifrig fragte und mutmaßte sie jetzt ! Aber Aenne antwortete kaum , nur ihre Blicke baten : Laß mich , ich bin zu glücklich , als daß ich reden könnte ! Sie hatte im Konservatorium melden lassen , daß sie heute nicht unterrichten könne , den ganzen Tag nicht dann hatte sie Toilette gemacht . „ Weißt du denn eigentlich , wann er kommt ? “ erkundigte sich Tante Emilie . „ Nein ! “ betonte das Mädchen ruhig . Die alte Dame wurde ärgerlich . „ Und so ins Unbestimmte hinein alle diese Geschichten ? Wenn er nun gar nicht kommt ? “ „ Er kommt “ , antwortete sie , und Tante Emilie ging kopfschüttelnd auf den Markt , um noch einiges für das Mittagsessen zu besorgen . Als sie zurückkehrte und mit einem großen Strauß Chrysanthemen in das Zimmerchen trat , ließ sie die Blumen in freudigem Schreck fallen . Mitten im Zimmer stand ein großer schlanker Mann und hielt Aenne umfaßt , und deren Kopf lag an seiner Brust . Er war gekommen ! Im Hause der Frau Rat herrschte schreckliche Aufregung , es ist auch keine Kleinigkeit , wenn man verreisen will , ohne je über das Weichbild des Städtchens hinausgekommen zu sein . Gar kein Wunder , daß die Vorbereitungen einige Tage dauerten und daß Frau Rat in ihrer nervösen Gereiztheit zu spät einzutreffen fürchtete zur Verlobung . Lieschen Weidner ging mit rotgeweinten Augen umher , denn Frau Rat hatte mit solch furchtbarer Bestimmtheit von der Verlobung des Doktors mit Aenne gesprochen , daß sie an der Treue ihres heimlich Verlobten zu zweifeln begann , um so mehr , als er ihr noch nicht geschrieben hatte . Und nun war der mächtige Reisekorb gepackt , morgen in aller Frühe sollte sie beginnen , die Fahrt . Lieschen Weidner hatte eine Menge Wurst , Schinken und Büchsen mit eingekochten Früchten eingepackt in solcher Hungerwirtschaft wie die der beiden Frauen in Dresden würde der Doktor sich nicht wohl fühlen , behauptete Frau Rat ; wollte Gott , die Reise wäre nur erst überstanden ! Die alte Dame saß in der Sofaecke , und um sie her auf allen Stühlen und Tischen lagen Gegenstände bereit für morgen . Kapuze , Fußsack , Körbchen und Taschen verschiedene Inhalts , ein Plaid , in welchem eine Flasche Rotwein eingeschnallt war , sorgsam in Zeitungspapier eingewickelt Regen- und Sonnenschirm , es schien , als ob die alte Dame ein ganzes Jahr ins Ausland reisen wollte . Das Dienstmädchen und Lieschen Weidner bekamen eben noch die letzten Befehle , besonders was die Einrichtung des Zimmers anbetraf , in dem Aenne wohnen sollte . Diese wollte die Mutter gleich mitbringen , denn ein verlobtes Frauenzimmer gehöre ins Haus . Das kleine blonde , sonst so rosige Lieschen stand bleich am Ofen und hörte zu . In ihrer Demut glaubte sie der imponierenden Ueberzeugungstreue der Frau Rat und hielt den Kuß und die wenigen Liebesworte des Doktors für eitel Falschheit und Betrug . Aber da fuhr sie plötzlich zusammen , wie Flammen schlug es über ihr Antlitz und mit zwei Sprüngen war sie aus der Stubenthür , dieselbe weit auflassend – draußen war ein Schritt erklungen , ein Schritt – so ging nur einer ! Dann lehnte sie wankend in dem Rahmen der Thür , denn da stand neben ihm eine schlanke Dame , Aenne May in eigenster Person , und an ihr vorüber eilte sie ins Zimmer mit dem Ausruf : „ Mutter , liebe Mutter ! Also doch ! “ Aber da kam er lachend herüber , und ohne weiteres das bebende Mädchen an sich ziehend , rief er der Frau Rat zu , um deren Hals Aenne die Arme geschlungen hatte : Nun , Frau Rat , ist der stolze Augenblick gekommen , wo Sie ’ segnen ’ können , aber bitte , mich und meine kleine Braut gleich mit , denn mit Ihrer gütigen Erlaubnis will Lieschen Weidner meine Frau werden . Frau Rat saß starr und steif , in ihrem Kopfe drehte sich alles , sie hörte nur noch , daß Aenne flüsterte : „ Aus deinem Hause , aus unserer alten lieben Heimat soll er mich holen . Aber die alte Dame fand nicht die Kraft zu fragen „ Wer denn ? “ – „ Bin ich denn wahnsinnig geworden ? “ stieß sie hervor . „ Da steht er ja und hat die andere im Arm ! “ Und dann trat in ihren Gesichtskreis eine fremde und doch so bekannte Erscheinung , ein großer , schlanker Mann , auf dessen ernsten Zügen ein ganz jugendliches , glückliches Lächeln lag . Wer war denn der – sie kannte ihn doch ? Heinz Kerkow – großer Gott , und – doch nicht ! Der Mann war ja weiß an den Schläfen ! Und den wollte Aenne – –